Erinnerung an Werner Pirchner: Verwurzelt, wie von Flora gezeichnet

Pirchner ist präsent: Elfriede Pirchner und Thomas Larcher erinnern sich an den 2001 verstorbenen Tiroler Ausnahmemusiker und Komponisten Werner Pirchner anlässlich eines runden Gedenktages.

Werner Preisegott Pirchner mit strahlender Sieger-Ironie im Tönemeer, das im Fall dieses begnadeten Musikers niemals ein seichtes war.
© Elfie Pirchner

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Werner Pirchner, 2001 zu früh von dieser Welt gegangen, wäre am heutigen 13. Februar 80 Jahre alt geworden. Eine staatstragende Analyse des Musikers, Komponisten und Querdenkers kommt nicht in Frage für einen, der 1986 den Tiroler Landespreis für Kunst mit hinaufgekrempelten Hemdsärmeln entgegennahm (worauf der damalige Landeskulturreferent Fritz Prior kurzerhand auch den Rock auszog). Wohl aber eine kleine Gesprächsrunde mit Elfie Pirchner, die sich um den Nachlass ihres Mannes und aktuelle Agenden kümmert, und dem Komponisten und Pianisten Thomas Larcher, der Pirchner lange Jahre als Freund und Interpret verbunden war. Eine kleine Gesprächsrunde auf Spurensuche, ungezwungen, nachdenklich, heiter in der Erinnerung und neugierig im Austausch persönlicher Erfahrungen. Statt Tee und stillem Wasser hätte man, geburtstäglich getaktet, die Achtel und Viertel von Werners Notenblättern ordern sollen …

Larcher wollte Ursprünge erhellen: „Um 1984/85, da war Werner in der öffentlichen Wahrnehmung so zwischen Anarcho und etabliertem Künstler. Aber was war vorher? Wer hat sein Talent erkannt und ihn gefördert?“ Assoziativ fallen Namen wie Othmar Costa und Bert Breit, Oscar Klein, Erich Kleinschuster, natürlich Gitarrist Harry Pepl, mit dem Pirchner zum ungezähmten Duo wurde, auch Hans ­Toifl, der Kompositionslehrer. Da waren die vielen Jahre in Jazzspelunken, wo Pirchners Musikalität und unerreichte Technik die Leute anzogen, aber nur kleine Gagen einbrachten.

„Er wollte Musik schreiben, die Musiker gern spielen und die Leute gerne hören.“, sagt Elfie Pirchner.
© Thomas Boehm / TT

Elfie Pirchner: „Ich hatte das Gefühl, dass er die Bestätigung kriegt, die er braucht. Dass es richtig ist und außergewöhnlich, was er macht. Das wird auch von den Leuten gekommen sein, die ihn im Jazzclub hörten, in der Innsbrucker Schneeburggasse und Hofgasse, er hatte einen besonderen Ruf, der wirkt bis heute nach.“

Was sie von den frühen Jahren noch berichtet: Anfangs lebte Pirchner, damit er Jazz machen konnte, von Tanzmusik, auch in Hotels, von Ins­trumentationen und Arrangements bis hin zu Schlagern wie „Ganz in Weiß“. Er gestaltete ORF-Sendungen und arrangierte, teils noch unter Pseudonym, schrieb Filmmusik für Theo Hörmann, Alfred Benesch und zu den Städteporträts von Heinrich Materna und arbeitete für den Verlag Josef Weinberger in Wien (eigene Kompositionen, Bearbeitungen). Vieles ist auf alten Revox-Bändern erhalten. Aber seine Liebe gehörte dem Jazz. Und es ging auch schon los mit wichtigen Ensembles, Partnern und Aufträgen.

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„Von Werner Pirchner wurden Fäden aufgenommen. Er lebt in Interpreten weiter.“ – Thomas Larcher
 (Komponist, Festivalleiter)
© Thomas Boehm / TT

Heute besteht Interesse an Pirchner-Musik von Schottland bis Japan und darüber hinaus, in Österreich aber weniger, berichtet Elfie Pirchner. Larcher, obwohl viel gespielt, singt ein Lied davon: „Es ist eine Illusion, dass die Musik nach dem Tod des Komponisten weiterlebt – Ausnahme Klassik. Aber von Werner wurden Fäden aufgenommen, er lebt in Interpreten weiter.“ Bei seiner „Musik im Riesen“ setzt Larcher heuer Pirchner-Musik an (siehe Kasten). Und nimmt einen Aspekt Elfies lebhaft auf: „Werner wollte Musik schrei­ben, die die Musiker gern spielen und die Leute gerne hören.“ Menschen haben den wachen Geist, den Perfektionisten, nonkonformen Gesellschaftskritiker, genialen Satiriker und Bekämpfer humaner und sozialer Ungerechtigkeit stets interessiert.

Warum ging er, in Thaur zu Hause, als Jazzgröße international, mit klassischen Kompositionen nicht nur in Wien aktiv, nicht weg? Elfie Pirchner: „Er wollte nicht. Er war ein verwurzelter Tiroler, wie ihn Paul Flora zeichnete.“

Als Interpret, als Komponist: Destillate. Keine Längen, nichts Unwesentliches. Wer ihn am Vibraphon hörte, und das Begehren war international, kriegt das Mitreißende, Kreative, Zeitaufhebende, Zauberische, Rhythmus- und Klangfeste-Feiernde nicht aus dem Kopf. Ob es sein unvergleichlicher Jazz war oder später Bach. Wir wissen nicht, warum er aufhörte zu spielen.

Werner Pirchner. Er war über die Musik hinaus eine Persönlichkeit im Land und blieb es. Musikstudenten spielen seine Noten. Ö1-Hörer vermissen seine Signations. Österreichs typisches Crossover ist ohne ihn undenkbar. Die Quelle ist nicht versiegt. Pirchner ist präsent. Happy Birthday!

Kammermusikfestival feiert Pirchner

Das von Thomas Larcher geleitete Kammermusikfestival Musik im Riesen findet heuer von 21. bis 24. Mai in Wattens und Innsbruck statt. Zwei der sechs Konzerte sind Werken von Werner Pirchner gewidmet.

Auftakt. Im Eröffnungskonzert am 21. Mai, 20 Uhr, im Haus der Musik Innsbruck dirigiert Kasper de Roo, ein Wegbegleiter Pirchners, das Ensemble Windkraft und I Virtuosi italiani. Auf dem Programm stehen unter anderem Pirchners „Kammer-Symphonie – Soirée Tyrolienne“ und die „Birthday-Serenade“. Am Klavier: Michael Schöch. Moderation: Nina Hoss.

Matinee. Das Eggner Trio setzt Pirchners „Wem gehört der Mensch ...?“ in Beziehung zu Kompositionen von Bedrˇich Smetana, Haimo Wisser und Robert Schumann. Sonntag, 24. Mai, 11 Uhr, im Geschäftsgebäude von Swarovski in Wattens.



Details: kristallwelten.com/musik


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