Triumph in New Hampshire: Die Stunde von Bernie Sanders

Der linksgerichtete US-Senator profitiert von einem Vierkampf am moderaten Parteiflügel.

Bernie Sanders triumphierte in New Hampshire.
© AFP

Von Floo Weißmann

Washington –Die Vorwahl der US-Demokraten in New Hampshire hat einen klaren Sieger und einen klaren Verlierer ergeben. Und die Gewissheit, dass das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur noch lange offen bleibt.

Der (für amerikanische Verhältnisse) linksgerichtete Senator Bernie Sanders konnte in New Hampshire den prognostizierten Sieg einfahren. Im Mittel der US-weiten Umfragen hat er bereits die Führung übernommen. Dank seiner treuen Fans, der meisten Spenden und der Struktur des Vorwahlrennens gilt er ab sofort als jener Bewerber, den es zu schlagen gilt. „Dieser Sieg hier ist der Anfang vom Ende für Donald Trump“, jubelte Sanders vor Anhängern.

Ex-Vizepräsident Joe Biden hingegen erlebt ein Debakel. Über Monate hatte er die Umfragen angeführt. Doch dann landete er vorige Woche in Iowa nur auf dem vierten und diese Woche in New Hampshire nur auf dem fünften Platz. Der vermeintliche Favorit ist angezählt. Er wird aber vorerst weitermachen, weil das Rennen jetzt in Bundesstaaten weiterzieht, die ihm besser liegen dürften.

Bidens Debakel verschärft den Kampf um die Führung des moderaten Parteiflügels. Der Kleinstadt-Bürgermeister und Überraschungsmann von Iowa, Pete Buttigieg, landete in New Hampshire nur knapp hinter dem favorisierten Sanders auf dem zweiten Platz. Als entscheidende Frage gilt nun, ob er auch Minderheiten ansprechen kann.

New Hampshire brachte zugleich einen möglichen Durchbruch für Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota, die weit vor dem übrigen Feld auf dem dritten Platz landete. Am Horizont wartet auch noch der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Der Multimilliardär lässt die ersten Vorwahlrunden aus und flutet stattdessen die größeren Bundesstaaten, die erst später abstimmen, mit selbstfinanzierter TV-Werbung. Damit ist er im Mittel der landesweiten Umfragen bereits auf den dritten Platz vorgestoßen.

Für die Demokratische Partei bedeutet dies womöglich quälend lange Unklarheit. 2008 und 2016 hatte sich das Rennen bereits nach Iowa und New Hampshire auf ein Duell zugespitzt, das lange vor dem Parteitag entschieden war. Doch diesmal rittern mit Biden, Buttigieg, Klobuchar und Bloomberg weiterhin vier Bewerber um die Stimmen des moderaten Flügels. Davon profitiert Sanders, dessen Rhetorik und Positionen bei vielen Kritikern als nicht mehrheitsfähig gelten. Im Extremfall bleibt die Präsidentschaftskandidatur noch bis zum Parteitag offen.


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