„Bombshell“: Gegen den grindigen Fuchs und seine Freunde

Jay Roachs starbesetzter Spielfilm „Bombshell“ erzählt von Sexismus und Belästigung bei Donald Trumps liebstem Nachrichtenkanal.

Mit geballter Star-Power gegen Sexismus: Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie (von links) spielen in „Bombshell“ Journalistinnen beim konservativen US-Sender Fox News, die ihren Boss zu Fall bringen.
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Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Wahre Geschichten sind oft die interessantesten, zumindest wenn sie gut erzählt werden. Im Fall von „Bombshell“ ist das alles andere als leicht. Es geht um sexuelle Belästigung bei Trumps rechtem Lieblingssender Fox News. Vor wenigen Jahren noch undenkbar als Spielfilm auf der Kinoleinwand, ist es gewissermaßen der Film der Stunde nach und mitten in der #MeToo-Debatte.

Die Moderatorinnen Megyn Kelly und Gretchen Carlson wehren sich erfolgreich gegen den grindigen Boss Roger Ailes – so liest sich die Geschichte im Nachhinein recht einfach. Doch für die Heldinnen dieser Geschichte ist zunächst nichts einfach. Zu den beiden berühmten Protagonistinnen, die ihre realen Namen tragen, gesellt sich noch die gerade erst frisch eingestellte Kayla Pospisil, die mehrere Vorbilder in einer Figur vereint. Das Star-Ensemble bringt Charlize Theron als Megyn Kelly, Nicole Kidman als Gretchen Carlson und Margot Robbie als Kayla Pospisil zusammen, die allesamt viel Charisma in ihre recht flüchtig gezeichneten Figuren legen. Zusammen repräsentieren die drei die Stadien im Belästigungs-Kreislauf: Gretchen wird aus der Hauptshow „Fox and friends“ verbannt, bald darauf gefeuert und klagt. Megyn ist am Höhepunkt ihrer Karriere und moderiert die republikanische Vorwahldebatte. Kayla ist die Neue, die niemand vor dem Machtmissbrauch des exzentrischen alten Chefs warnt. Roger Ailes wird von John Lithgow durchaus passend verkörpert, nicht als teuflischer Bösewicht, sondern im Fettanzug eher als manipulativer, armseliger, kranker Mann.

Regisseur Jay Roach und Drehbuchautor Charles Randolph übersetzen die Chronologie der Ereignisse in einen Ausflug in den Mikrokosmos des Fernseh-Alltags.

Abseits der berechtigten Frage, warum zwei Männer ausgerechnet diese Geschichte verantworten, haben beide bereits Geschick für moralisch aufgeladene reale Dramen bewiesen: Jay Roach hat nach drei „Austin Powers“-Klamotten mit der Film-Biografie „Trumbo“ im ernsten Erzählkinofach reüssiert. Charles Randolph zeichnete zuletzt für das oscarprämierte Buch der giftig-genialen Doku-Fiktion „The Big Short“ von Adam McKay mitverantwortlich.

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Mit recht hohem Tempo versuchen sie alles, um „Bombshell“ vom Nimbus des Problem-Dramas zu befreien. Angesichts der Relevanz des Themas zwar ein durchaus ehrenwerter Zugang, um ein breites Publikum zu erreichen. Anders als etwa im Skandal-Aufdecker-Drama „Spotlight“ wird dadurch aber leider zuweilen die emotionale Schwere vom locker-leichten Erzählen an die Seite gedrängt.

Die Fakten lassen sich längst in Dokumentationen wie „Divide and Conquer: The Story of Roger Ailes“ nachvollziehen. „Bombshell“ geht es, wie der doppeldeutige Titel verrät, um etwas anderes. Gerade im Rechtsausleger der US-Medienlandschaft ist Sexismus Teil des Geschäfts. Die erfolgreichen Frauen stehen vor der Kamera und in der eigenen Redaktion in einem Spannungsfeld. Das wird deutlich, als Megyn Kelly den „Pussygrabber-in-Chief“ Trump bei der Wahl-Debatte auf dessen Übergriffshistorie anspricht. Senderchef Ailes ist nicht gewillt, seine Star-Moderatorin vor der Vergeltung Trumps und seiner Fans zu schützen. Als skrupelloser Fernsehmacher erkennt er, dass Trumps Wähler seine Zuschauer sind. Und umgekehrt.

📽 Trailer| „Bombshell“


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