Streik im Altenheim Kitzbühel: „Es geht uns nicht ums Geld“

Mit einem Streik im Altenheim Kitzbühel haben die Pflegebediensteten auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

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Von Harald Angerer

Kitzbühel – Die Mitarbeiter des Altenwohnheims Kitzbühel (AWH) haben gestern für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt, um auf die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich aufmerksam zu machen. Grund dafür ist der Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen im SWÖ-Bereich (Sozialwirtschaft) am Montag.

„Wir haben heuer nur eine Forderung, und die heißt 35 Stunden“, unterstreicht AWH-Betriebsrätin Margit Luxner im Rahmen einer Pressekonferenz zu dem Streik. Die Pflegebediensteten fordern eine Absenkung von 38,5 Wochenstunden auf 35. Es gehe dabei um eine Entlastung der Mitarbeiter. „In der dritten Verhandlungsrunde gab es sogar schon eine Annäherung, dass wir bis 2023 stufenweise auf die 35 Stunden kommen. Am Montag war dann alles wieder anders, da wurde uns nur noch eine Lohnerhöhung angeboten“, schildert Luxner.

Der Druck auf die Pflegebediensteten sei aber sehr hoch. Es brauche Zeit, um sich von den intensiven Arbeitstagen zu erholen. „Es geht uns nicht ums Geld, sondern um bessere Bedingungen“, betont die Betriebsrätin. Dabei seien die Mitarbeiter und die Heimleitung auch nicht Gegner. „Wir ziehen am selben Strang“, sagt dazu Altenwohnheim-Geschäftsführer Wolfgang Zeileis.

In Kitzbühel sei man bemüht, das Arbeitsumfeld so gut wie möglich zu gestalten. „Das ist aber nur möglich, weil auch die Stadt Kitzbühel dahintersteht und es sich etwas kosten lässt“, sagt Zeileis. In Kitzbühel sind derzeit 34 Vollzeitbedienstete und 92 Pflegekräfte im Einsatz. „Es ist also nicht so, wie uns immer vorgerechnet wird, dass die Hälfte Vollzeit sind und sich die 35 Stunden nicht ausgehen würden“, hält Luxner fest. Wenn man das 35-Stunden-Modell auf das AWH Kitzbühel anwenden würde, dann würden 2,91 mehr Vollzeitstellen gebraucht.

Einen großen Vorteil würde die 35-Stunden-Woche vor allem für Teilzeitkräfte bringen und das sind hauptsächlich Frauen, wie Luxner berichtet. Für sie würde die Änderung im Kollektivvertrag eine Lohnerhöhung von 8,6 Prozent bringen. „Weiters müssen wir uns überlegen, wie wir den Pflegeberuf in Zukunft attraktiv halten“, sagt Luxner. Schon jetzt würden die jüngeren Mitarbeiter nur noch 75-Prozent-Stellen bevorzugen. Die Zeit habe sich gewandelt, die Freizeit sei wichtiger geworden. „Wenn man aber momentan nach einem Zehn-Stunden-Tag aus dem Haus geht, ist man fertig“, so Luxner.

Klar ist für sie auch, dass eine Lösung nur über die 35 Stunden führen wird. Von dieser Forderung werde man nicht abgehen. „Das ist ein Arbeitskampf, dem wir uns gerne stellen“, erklärt die Betriebsrätin und kündigt bereits weitere Kampfmaßnahmen an. Mehr zu dem Thema lesen Sie auch im Wirtschaftsteil, Seite 18.


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