Massive Kontrollen: Erneut weniger illegale Einreisen nach Tirol

Mit massiven internationalen Kontrollen wurde die Migrationsbewegung gestoppt. Das Abflauen der Flüchtlingsbewegung wird auch bei der Anzahl der Asylanträge deutlich.

Güterzüge wurden im Vorjahr kaum noch von Migranten verwendet. Wie das Foto zeigt, war das 2017 noch anders.
© Thomas Böhm

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –„Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir zufrieden sein können.“ So beschrieb Landespolizeidirektor Edelbert Kohler am Donnerstag die aktuelle Situation hinsichtlich illegaler Migration. Tatsächlich ist die Anzahl der in Tirol aufgegriffenen Flüchtlinge erneut massiv zurückgegangen. 5014 unrechtmäßige Einreisen waren es noch 2018, 3450 im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 31 Prozent und dem Stand von 2012/13. Noch deutlicher wird der Rückgang beim Vergleich mit dem Höhepunkt der Migrationswelle: 2016 ertappten Tiroler Polizisten 11.800 Personen bei der illegalen Einreise.

Das Abflauen der Flüchtlingsbewegung wird auch bei der Anzahl der Asylanträge deutlich. Nur noch 339 Personen aus 40 Staaten beantragten im Vorjahr eine Aufenthaltsgenehmigung. 574 waren es vor zwei Jahren, fast 1900 stellten 2016 einen Asylantrag. Die Rückgänge begründet Kohler mit der weitgehenden Schließung der Mittelmeerroute. Nur noch 11.500 Flüchtlinge trafen im Vorjahr auf dem Seeweg in Italien ein, über 180.000 waren es 2016. „In Italien wird sehr diszipliniert kontrolliert“, lobte Tirols Polizeichef. Aber auch in Bayern wird streng kontrolliert, was im Vorjahr zur Abschiebung von 2047 Personen nach Tirol führte.

70 Prozent der widerrechtlichen Einreisen stoppte die Polizei auf Tirols Straßen, 30 Prozent in den Zügen. Güterzüge sind inzwischen out, nur noch vier Personen wurden dort ertappt. Die Beamten erwischten im Vorjahr auch 37 Schlepper, die Migranten nach oder durch Tirol brachten.

„Wir müssen aber wachsam bleiben“, warnt Kohler: „Das Thema Migration wird mittelfristig wieder brisanter werden.“ Aber auch schon kurzfristig ist mit einer neuen Reisewelle zu rechnen – aber auf der Balkanroute.

Fakten

Nationen: Die meisten illegal eingereisten und aufgegriffenen Personen kamen im Vorjahr wie schon 2018 aus Nigeria (426). Auf Rang zwei liegen die Marokkaner (306) vor den Albanern (293). Neu unter den Top Ten der Herkunftsländer ist Ghana mit 110 Aufgriffen.

Geschlecht: Nach wie vor sind es vor allem Männer (2804), die die verbotene Reise ins Ungewisse wagen. Frauen (521) und Kinder (125) waren auch 2019 deutlich in der Unterzahl.

Schmuggel-Bus: 316 Migranten nutzten im Vorjahr Fernreisebusse für den widerrechtlichen Grenzübertritt. Die stärksten Reisemonate waren mit je 31 Festnahmen der März, der Juli und der Oktober, der schwächste der Dezember (11).


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