Gesperrte Geschäfte in Kufstein: Für die Mieter geht es um die Wurst

Die wegen Einsturzgefahr gesperrten Geschäfte dürfen nicht mehr öffnen. Eine Imbisslokal-Betreiberin steht jetzt vor dem Ruin und hofft auf Unterstützung der Vermieterin – der Stadt Kufstein.

Sonja Lindenmaier und Christian Ebster vor der geschlossenen Wurstkuchl. Imbisse dürften hier künftig nicht mehr serviert werden.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Das Geschäft lief gut, Wurst für Wurst wurde der Imbiss am Oberen Stadtplatz in Kufstein beliebter. Bei Schülern wie Arbeitern gehörte die „Wurstkuchl“ zur Mittagspause dazu. Und auch Nachtschwärmer trafen sich hier auf einen Happen.

Aber vor knapp drei Wochen war Schluss mit dem Verzehr von Currywurst und Bosna. Die Stadt Kufstein sperrte das Imbisslokal und weitere vier Geschäfte in der direkt an bzw. in die alte Stadtmauer gebaute Häuserzeile zu (die TT berichtete). „Wir mussten praktisch zwei Kunden bitten, ihre halben Würste stehen zu lassen und zu gehen“, erinnern sich Sonja Lindenmaier und Christian Ebster an den schwarzen Tag in ihrer Firmengeschichte. Gefahr in Verzug – so lautet salopp zusammengefasst der Befund eines Statikers, der ein anderes leer stehendes Geschäftslokal untersucht hatte. Zumindest gilt das für den hinteren Teil des Hauses. Da man davon ausging, dass auch die anderen Gebäude gleich gebaut sind, wurde vorsorglich von der Stadtgemeinde, die gemeinsam mit der Kirche auch Vermieterin der Räume ist, ein Betretungsverbot für alle ausgesprochen.

Ein Schmuckgeschäft konnte zwischenzeitlich wieder öffnen. Aber Lindenmaier bangt seither um ihr wirtschaftliches Überleben. Ein Mitarbeiter bezieht nunmehr Arbeitslosengeld, hofft aber, wieder zurückkehren zu können. „Aber lange kann ich nicht mehr warten“, sagt er zur TT. „Der Schaden ist groß“, fügt Ebster an. Ware, die man noch angekauft habe, ist verdorben. „Wir haben die vor den Augen der städtischen Mitarbeiter ausgeladen, bevor uns die die Sperre mitgeteilt haben. Da hätte man gleich etwas sagen können“, ärgert sich der Partner von Lindenmaier. Zwar habe man bei Gesprächen zuvor seitens der Stadt angedeutet, dass es Probleme geben könnte, aber die Schließung kam dann doch überraschend.

Die Situation für die Unternehmerin ist finanziell angespannt. Die Bezahlung von Lieferungen ist noch offen, auch ein Kredit müsste bedient werden. Den hat man benötigt, als Sonja Lindenmaier den Imbiss vor einigen Jahren übernommen hat. Bislang zeigen Lieferanten und die Bank Verständnis, „nur wie lange geht das noch?“, fragt sich das Paar. „Und wenn ich Insolvenz anmelden muss, darf ich kein Unternehmen mehr eröffnen“, befürchtet die Frau. Daher warte man ungeduldig auf die Entscheidung, wie es weitergeht. Aber es gebe Stillschweigen aus dem Amt, hadern die zwei mit der Stadt. Auch die Wirtschaftskammer hat daher dort urgiert.

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Bürgermeister Martin Krumschnabel hatte dann auf Anfrage der TT am Freitag eine echte Hiobsbotschaft für die beiden: Die Geschäfte bleiben zu. So wie es ausschaut für immer. Das war das ernüchternde Ergebnis einer Besprechung am Donnerstagabend im Stadtamt. Die Fachleute hätten ihm, Krumschnabel, mitgeteilt, „dass das Haus in den 60er-Jahren falsch gebaut wurde. So würde man das heute nicht mehr machen.“ Da man beim Schmuckgeschäft eine zusätzliche Betondecke eingezogen hat, wäre die Situation nicht so gefährlich. Aber auch dort müssten zusätzliche Maßnahmen gesetzt werden. Das Fatale bei den anderen Geschäftslokalen: „Mir wurde gesagt, dass es keine Setzungen geben wird. Wenn es zusammenbricht, passiert das ohne Vorwarnung“, zeigt Krumschnabel auf, wie gefährlich die Situation ist.

Der Stadtchef weist entschieden zurück, dass man nicht den Kontakt zu den Mietern gesucht habe. Es hätte eine Reihe von Gesprächen gegeben und er selbst hatte Lindenmaier und Ebster mitgeteilt, „dass es nicht gut ausschaut“. Damals seien auch Alternativen besprochen worden, „wie ein mobiler Würstelstand, das hat der Unternehmerin gut gefallen“. Er erwartet sich von ihr, „dass sich die in einer solchen Situation nicht zurücklehnt und wartet, was passiert. Sondern selbst aktiv wird.“ Übrigens auch von der Wirtschaftskammer: „Urgieren ist da zu wenig.“ Die Stadt werde aber auf alle Fälle die Frau nicht im Regen stehen lassen.

Wie es nun mit den Gebäuden weitergeht, wird sich zeigen. Der hintere Teil der Häuser und damit der einsturzgefährdete gehört der Kirche, daher muss die mit ins Boot. Und der Denkmalschutz will auch mitreden.

Die Mietverträge laufen nach und nach aus, die Wurstkuchl hätte bis Ende 2021 Zeit gehabt, ihn mit der Stadt und der Kirche zu verlängern. So wie es jetzt ausschaut, wird es dazu nicht mehr kommen.


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