Gläserne Todesfalle für Vögel in Zams entschärft

Der Landesumweltanwalt zog gegen ein Projekt mit riesiger Glasfassade vor Gericht. Der Bauwerber rüstet nun freiwillig mit Vogelschutzglas nach.

Für Vögel sind Glasflächen oft nicht zu erkennen – und damit tödlich.
© Dmitry Maslov

Von Matthias Reichle

Zams, Landeck – Genickbrüche oder Hirnblutungen mit späterer Todesfolge – Glasfassaden können für Vögel zu einer regelrechten Todesfalle werden. Einen Aufprall mit 30 bis 60 km/h überleben viele nicht.

Die Landesumweltanwaltschaft kritisierte kürzlich einen Fall im Bezirk Landeck – und zog damit vor das Landesverwaltungsgericht. Das Handelshaus Kofler baut in Zams eine neue Firmenzentrale für das Unternehmen, das vor allem die Gastronomie beliefert. Ein dreigeschoßiger Aufbau des nunmehr 34,5 Meter hohen Gebäudes sollte verglast werden. „Wenn sich die Natur darin spiegelt oder Vögel hindurchsehen können, fliegen sie direkt hinein“, erklärt Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Dazu komme die Lage direkt neben dem Auwald mit zahlreichen geschützten Arten wie Meise, Mönchsgrasmücke und Zilp­zalp.

Trotz entsprechender Empfehlungen des naturkundlichen Amtssachverständigen schrieb die Behörde allerdings kein so genanntes Vogelschutzglas vor, um derartige Kollisionen zu vermeiden.

Für Kostenzer unverständlich: Das sei bei großen Glasfassaden im Freiland inzwischen „Stand der Technik“. Man nehme absichtlich ein „erhöhtes Tötungsrisiko für geschützte Vogelarten“ in Kauf. Er zog vor Gericht – muss aber dessen Entscheidung gar nicht abwarten. Der Projektwerber setzt den Vorschlag nun freiwillig um. „Wir freuen uns, dass der Betreiber das Vogelschutzglas einsetzt und damit den Wert des Lebensraums schätzt.“ Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack: „Das hätte man auch gleich haben können“, kritisiert Kostenzer in erster Linie die Behörde, die die Maßnahme nicht bescheidmäßig vorgeschrieben hatte. Derartiges sei inzwischen üblich.

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Manuel Wolf, Leiter der Umweltabteilung Landeck, betont, dass die Empfehlung nicht verpflichtend gewesen sei, weil es sich um keinen geschützten Lebensraum handle. Für Kostenzer ist diese Argumentation wiederum nicht nachvollziehbar.

Nun hat der Bauwerber seinen Antrag geändert – es gibt eine so genannte Beschwerdevorentscheidung von Seiten der Bezirkshauptmannschaft. Für Kostenzer ist der Fall damit positiv abgeschlossen.

Seitens des Handelsunternehmens Gebr. Kofler äußerte man sich gestern nicht zu den Nachbesserungen zum Vogelschutz. Das Bauprojekt, für das die alte Mülldeponie am Grundstück entsorgt wird, werde voraussichtlich bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen werden, betonte Geschäftsführer Anton Kofler.


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