Abschied vom Leben und gefeierte Natur

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck und Nancy Weißbach unter Lukas Beikircher mit Strauss und Bruckner.

Sopranistin Nancy Weißbach und Dirigent Lukas Beikircher vor dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck im 4. Saisonkonzert.
© chó

Innsbruck – Die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss sind der Abschied des 84-jährigen, zu Ruhe und Gelassenheit gelangten Komponisten vom Leben. Er vollzieht ihn in einem ausschwingenden Klangmeer für Sopran und Orchester und in subtiler Textbehandlung der Gedichte von Joseph von Eichendorff und Hermann Hesse.

Landestheater-Chefdirigent Lukas Beikircher holte dafür die Sopranistin Nancy Weißbach, die 2017/18 bei den letzten Erler Sommerfestspielen unter Gustav Kuhn Wagners Brünnhilde und 2018 auch die Elisabeth in „Tannhäuser“ gesungen hat. Er holte sie vor, nicht in das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, wo sich die Singstimme immer wieder mit dem Orchester verschmelzen sollte. Weißbachs reicher, sicher geführter Sopran hätte die Möglichkeiten, sich subtil in das Farbenmeer zu setzen, musste sich aber durch Beikirchers forschen, diesseitigen Zugriff behaupten, und es gelang ihr auch in der Expansion ohne zu forcieren. Annedore Oberborbeck hat mit ihrem Violinsolo frei von Sentimentalität den goldenen Ton dieser Lieder getroffen, Strauss’ Abgeklärtheit, das Schimmern, die transzendentale Erweiterung. Leider steckte sie nicht an.

Anton Bruckners Vierte Symphonie, die „Romantische“ in Es-Dur, gelang dann groß und überzeugend. Noch mit einigen zu kompakten, undurchlässigen Stellen im Kopfsatz, dann aber ausgewogen auch im Brucknerschen Überschwang der Naturfeier, spannend in den Aufbauten, deutlich in der thematischen Verarbeitung, austariert in der Vielfalt der Ereignisse. Vor allem aber prachtvoll gespielt in den Soli und den auffallend differenzierten Gruppeneinsätzen. (u.st.)


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