„Ruf der Wildnis": Die brave Wildnis aus dem Computer

Disney hat Jack Londons Goldgräber-Abenteuer „Ruf der Wildnis“ neu verfilmt. Mit Harrison Ford und einem Hund aus Bits und Bytes.

An Fords Seite in „Ruf der Wildnis“: der animierte Hund „Buck“.
© Disney

Wien – Buck steht im Englischen für Dollar, also Geld. Mehr sieht der Hundedieb im verspielten kalifornischen Haushund namens Buck auch nicht. Er klaut und verkauft ihn in die Sklaverei. Im hohen Norden Nordamerikas tobt gerade der Goldrausch und starke Schlittenhunde sind gefragt. Doch mit dem „Ruf der Wildnis“ ist es so eine Sache: Wenn der Film ganz zivilisiert aus dem Studio und dem Computer kommt, verhallt der Ruf im Nirgendwo.

Regisseur Chris Sanders und sein Autor Michael Green adaptieren „Ruf der Wildnis“ von Jack London im familienfreundlich-fidelen Disney-Stil: knallbunt und mit ordentlich Druck auf der Tränendrüse. Buck lernt das Gesetz des Knüppels, doch gezeigt wird nur sein Schatten. Als Schlittenhund beim kanadischen Postler Per­rault (Omar Sy) wird er zum Alphatier der Truppe. Doch der Fortschritt in Form des Telegrafen macht ihn bald wieder arbeitslos. Gut, dass der depressive Tramper John Thornton (Harrison Ford) ihn vor einem manischen reichen Goldsucher rettet – und Buck ihn dafür vor dem Alkoholismus. Zusammen ziehen die beiden in die Freiheit der Wildnis.

Harrison Ford ist sympathisch-verloren in einer Rolle, die in früheren, erwachseneren Verfilmungen bereits Clark Gable, Charlton Heston und Rutger Hauer verkörperten.

📽 Video | Der Trailer zum Film

Romanautor Jack London hatte mit seiner berühmten Abenteuergeschichte 1903 einen ersten großen Erfolg. Zuvor war er selbst Teil des Goldrauschs in Kanada und Alaska. Er lebte in der berühmten Goldgräberstadt Dawson City, dem letzten Vorposten der Zivilisation, im Film komplett im kalifornischen Studio gedreht. In Dawson liegt im Übrigen auch der Ursprung des Vermögens eines gewissen Friedrich Trump, der dort mit Stundenhotels zu Gold und Dollars kam. Das lässt sich im faszinierenden Dokumentarfilm „Dawson City: Frozen Time“ in Archiv-Bildern nachverfolgen. Disney kümmert sich allerdings wenig um die spannende historische Welt am Yukon.

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Kulissen und Kamerabilder (von Oscar-Preisträger Janusz Kaminski) bleiben durchwegs der Vergnügungsparkästhetik verpflichtet. Hauptfigur Buck und seine großen ausdrucksstark-traurigen Augen stammen aus dem Computer. Zu erzählen haben aber weder Buck noch sein Film etwas. Sie bleiben stumm und brav. Keine Spur von Wildnis. Keine Spur von Abenteuer. (maw)


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