Wax Wreckaz: Alte Hasen sind stolz auf ihr Handwerk

Mit eklektischem Mix und ohne billigen Beat prägten Wax Wreckaz nicht nur Tirols Clubkultur. Nun wird die DJ-Crew 20 – und feiert mit einer neuen Single.

Die DJ-Crew Wax Wreckaz (von links): Claudio Blassnig (Busy Fingaz), Sebastian Arman (Sensay), Jakob Winkler (Juwee) und Armin Fuchs (Fu).
© Sautner

Innsbruck – Manche Dinge passieren einfach. Dass Innsbruck Ende der 1990er-Jahre zum Hotspot wintersportlicher Widerstandskultur wurde, war kein Plan findiger Tourismusstrategen, sondern vornehmlich geografischen Gegebenheiten geschuldet. Und dass sich damals an einer Innsbrucker Grafik-HTL zunächst drei und bald vier Heranwachsende zusammenfanden, die sich nicht nur fürs Snowboarden, sondern auch für den Sound dazu begeisterten, nimmt sich in der Rückschau als eine besonders folgenreiche Zufälligkeit aus: Seit ziemlich genau 20 Jahren zählt die DJ-Crew Wax Wreckaz, bestehend aus Claudio Blassnig (Busy Fingaz), Jakob Winkler (Juwee), Armin Fuchs (Fu) und Sebastian Arman (Sensay), zur Speerspitze der heimischen Bass-Music-Szene.

Bekannt machte sie nicht zuletzt die bisweilen eklektische Mischung von Hip-Hop-Beats, karibischen Klängen und einem Schuss Unverfrorenheit. 2007 sampelten sie für „Go Wax Wreckaz“ „I Can’t Dance“ von Genesis – und landeten damit einen FM4-Hit. 2013 schaffte es ihre Nummer „High Grade“ auf den Soundtrack des Videospiels „NBA Live“ und in die Serie „What would Diplo do?“ mit James Van der Beek („Dawson’s Creek“). 2015 folgte mit „Heavyweight Sound“ eine millionenfach gestreamte Zusammenarbeit mit Dynamite MC.

📽 Video | Wax Wreckaz - Heavyweight Sound (feat. Dynamite MC & Singer Blue)

Dazwischen gab es immer wieder produktive Pausen. „Anstatt nach den ersten Erfolgen neue Nummern zu produzieren, haben wir uns auf die Auftritte konzentriert“, sagt Claudio Blassnig. Dazu kamen Solo-Projekte. Sebastian Arman ist mittlerweile weltweit gefragter Songwriter. Blassnig vertrat Österreich 2016 bei der DJ-Weltmeisterschaft in Chile. Auch Armin Fuchs machte sich als Club-DJ einen Namen. Und Jakob Winkler wechselte das Genre. Zuletzt brachte er das Wimmelbuch „Fatimas fantastische Reise“ heraus.

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„Auch wegen dieser Pausen ist es immer etwas Besonderes, wenn wir wieder gemeinsame Sache machen“, sagt Armin Fuchs. Wobei das inzwischen auch heißt, dass ein Track schon mal via Skypekonferenz seine finale Form findet. „Man baut einen Beat, schickt ihn an die anderen und alle können dran weiterarbeiten“, erklärt Blassnig. Die Digitalisierung der vergangenen Jahre habe auch zu einer Demokratisierung des Produzierens geführt. Allerdings: „Inzwischen ist die Anzahl an Instagram-Followern für bestimmte Clubs wichtiger als die Musik. Früher gab es Promi-DJs: Dann kam Naddel und nudelte eine Playlist herunter. Jetzt gibt es DJ-Influencer. Die tun im Grunde dasselbe“, sagt Blassnig.

Vier Plattenspieler, zwei Mixer und „zwei Stunden Gänsehaut“: „Wax Wreckaz“ feiern ihren Geburtstag am Samstag im Innsbrucker Dachsbau.
© Wax Wreckaz

Damit wollen die Wax Wreckaz – davon zeugt schon der Name: „Wax“ steht für Vinyl, im „Wreckaz“ klingt die Wucht der Abrissbirne an – nichts zu tun haben. „Als alte Hasen sind wir stolz aufs Handwerk. Wir wissen, was eine Party braucht. Es geht nicht nur ums Plattenauflegen, sondern darum, dass man weiß, wann man welche Nummer spielt. Und wie. Als DJ kann man einen Abend so steuern, dass er wirklich einmalig wird.“

Einmalige Abende habe es in knapp zwanzig Jahren viele gegeben: Bei Festivals, beim Frequency oder dem Schweizer freestyle.ch, stand die Crew vor Tausenden Zuhörern auf der Bühne. „Zwei Stunden Gänsehaut“, sagt Fuchs. Doch auch in intimerem Rahmen passierte Außergewöhnliches.

Im Hamburger Club „Kleiner Donner“ zum Beispiel. Claudio Blassnig: „Da haben wir vor vielleicht 150 Leuten gespielt – und jeder Einzelne wusste, was Sache ist. Denen kannst du keinen Käse auftischen. Wenn es da funkt, passiert etwas Unbeschreibliches.“ Apropos Clubkultur: Da, sagt Claudio Blassnig, sei gerade in Tirol zuletzt viel verloren gegangen. Er wolle das, was war, nicht verklären, aber eine Location wie der Innsbrucker Couch Club, der schon vor Jahren dichtgemacht wurde, fehle einfach. Auch im Weekender haben Wax Wreckaz oft gespielt. „Inzwischen gibt es in unserer Nische zwischen Hip-Hop, Dancehall und Elektro nur noch den Dachsbau“, sagt Armin Fuchs. Dort feiern Wax Wreckaz am Samstag, 22. Februar, ihren runden Geburtstag. Ihre neue Single „Bun Dung“ – eine Kooperation mit dem jamaikanischen Sänger Javada – erscheint bereits an diesem Donnerstag. (jole)


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