Kein Abschiebestopp für Asylwerber in Pflegeschule

Ausnahmen wird es laut Kanzler Sebastian Kurz und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck nicht geben. Sie verweisen auf geltende Asylgesetze.

Applaus für die Klettersportler in Innsbruck: LH Günther Platter, Tirols Wirtschaftskammerchef Christoph Walser, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Weltmeister Jakob Schubert, Ministerin Margarete Schramböck und Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer (v. l.) wollen auch mit der Lehre in die Höhe klettern.
© Rachlé

Innsbruck –Im Kletterzentrum Innsbruck ging es gestern nicht um den Sport, sondern um die Lehre. Vielleicht sollten die Kletterwände eine gewisse Symbolik ausdrücken, wie schwer es doch die Lehrlinge in Österreich hatten, sich in den vergangenen Jahren einen Stellenwert zu erklettern. Die ÖVP-Granden, angeführt von Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Landeshauptmann Günther Platter, Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer und dem Tiroler Wirtschaftskammerchef Christoph Walser, freuen sich jedoch über eine Trendwende.

Mit dem neuen Berufsausbildungsgesetz wolle man die Lehre aufwerten, den Wirtschaftsstandort Österreich absichern und damit dem Fachkräftemangel entgegenwirken, sagte Kurz. 34.000 Personen hätten heuer eine Lehre begonnen, „damit ist uns ein Umschwung gelungen“. Mahrer verwies stolz darauf, dass man 2020 bewusst zum Jahr der Lehre ausgerufen habe. „Mit Beginn meiner Amtszeit war es mir ein Anliegen, die Lehre in den Mittelpunkt zu rücken. Sie ist das Rückgrat der Fachkräfteausbildung“, ergänzte auch Walser.

Nahmen Franz Hörl (2. v. l.) nicht in die Zange, sondern freudig in die Mitte: Platter, Walser und Kurz gratulierten dem wiedergewählten Obmann.
© Wirtschaftsbund

Insgesamt absolvieren derzeit 110.000 Personen in Österreich eine Lehre, Wirtschaftsministerin Schramböck geht es vor allem um eine Wertschätzung gegenüber den Auszubildenden. Aus ihrer Sicht ist deshalb eine zeitgemäße Sprache für mehr Wertschätzung und Anerkennung von Lehrlingen notwendig. „Wir sprechen jetzt von Lehrlingseinkommen und Beschäftigung und nicht mehr von Lehrlingsentschädigung oder Verwendung.“

Den zuletzt auch von AK-Präsident Erwin Zangerl, den Tiroler Grünen und NGOs geforderten Abschiebestopp betreffend zwei Asylwerber mit negativem Bescheid, die aktuell eine Ausbildung zur Pflegeassistenz absolvieren, unterstützen Kurz und Schramböck hingegen nicht. Beide verweisen auf die geltende Gesetzeslage, Ausnahmen könne es nicht geben. Im Gegensatz dazu können Asylwerber in einem Lehrberuf ihre Lehre beenden. Schramböck legt den Schwerpunkt auf die Integration von 30.000 Asylberechtigten in den Arbeitsprozess. „10.000 von ihnen sind jünger als 25 Jahre. Sprachkenntnisse und Arbeit sind der Schlüssel für die Integration.“

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Kein Verständnis hat jedoch der grüne Integrationssprecher LA Georg Kaltschmid für die „Ignoranz“, die Bundeskanzler Kurz hinsichtlich der von Abschiebung bedrohten Asylwerber an den Tag legt. „Statt bestens integrierte und arbeitsfreudige Menschen wie Rabiatu Yusufu und Mohammad Haroon abzuschieben, sollten wir ihnen vielmehr die Möglichkeit geben, ihr hier erlerntes Wissen auch nach ihrer Ausbildung für pflegebedürftige Menschen einzusetzen.“

Freuen durfte sich am Abend wiederum ÖVP-Wirtschaftsbundchef NR Franz Hörl. Er wurde als Obmann von 96,63 Prozent der 178 Delegierten wiedergewählt. Hörl streicht die positive Stimmung im Wirtschaftsbund hervor. Nicht nur wegen der guten Ergebnisse bei Wahlen, sondern „weil wir für die Tiroler Unternehmer prägend bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Land mitwir ken“. (pn)


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