Pensionsantritt ist meist früher als gedacht

Seit Wochen gibt es in Frankreich Streiks gegen die Pensionsreform. Das Antrittsalter soll von 62 auf 64 Jahre angehoben werden.
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Von Cornelia Ritzer

Wien – Diskussionen über das Thema Pensionen verlaufen oft laut und emotional – wie etwa derzeit in Frankreich, wo seit mehreren Wochen gegen Reformpläne auf die Straße gegangen und protestiert wird. Um eine Schieflage zwischen Wahrheit und bloßen Meinungen rund um das Thema Pension zu erkennen, haben sich das Meinungsforschungsunternehmen Gallup und das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo zusammengetan. 1000 Männer und Frauen wurden befragt – mit teilweise überraschenden Ergebnissen. So erwarten die Österreicher, künftig deutlich später in Pension gehen zu können, als die Politik es verspricht. Wifo-Chef Christoph Badelt spricht dabei von einem „hohen, aber manchmal falschen Informationsstand“ bei den Pensionen. Der Ökonom sieht diese Befragung der Österreicher als „Beitrag zur Versachlichung der Politik“, in den nächsten Monaten werden außerdem Checks zu den Themen Abgabenquote, Ökosteuern und Pflege folgen.

Realistisch sind die Befragten, wenn sie die Höhe der aktuellen Durchschnittspension schätzen sollen. 45 Prozent – und damit die größte Gruppe – verortet sie bei 1000 bis 1500 Euro. Tatsächlich liegt sie bei 1324 Euro. Dafür werden die Befragten überrascht sein, dass der durchschnittliche Bruttolohn bei fast 3200 Euro im Monat liegt. Denn gleich 70 Prozent hatten angenommen, dass er unter 2500 Euro liegt.

Relativ klar ist den Österreichern, dass das gesetzliche Pensionsalter von 65 bei Männern bzw. derzeit 60 bei Frauen vor allem von männlichen Beschäftigten kaum eingehalten wird. Bei den Männern gehen zwei Drittel und bei den Frauen die Hälfte der Befragten davon aus, dass durchschnittlich früher der Ruhestand angetreten wird. Tatsächlich liegt der Antritt bei 61,5 (Männer) bzw. 59,4 Jahren (Frauen). Frauen gehen derzeit zu drei Viertel erst mit dem gesetzlichen Alter in Pension, Männer aber zu drei Viertel vorzeitig. Gestiegen ist das faktische Antrittsalter in den vergangenen 20 Jahren bei beiden Geschlechtern nicht einmal um ein Jahr. Dass das gesetzliche Antrittsalter in den letzten 40 Jahren gar nicht nach oben ging, wusste übrigens nur ein Viertel der Befragten.

Das Wifo geht in seiner Langzeitprognose davon aus, dass die Pensionsausgaben in den kommenden 40 Jahren von 28 auf 30 bis 34 Prozent der Staatseinnahmen wachsen werden. Zum Vergleich: Für Gesundheit werden aktuell 15 Prozent aufgewendet. Dass die Österreicher ein höheres Antrittsalter erwarten, liege laut Badelt wohl daran, dass die Bürger der Politik starke Reformen zutrauen würden. Trotz steigender Lebenserwartung habe die vergangene Regierung jedoch keine Anpassungen geplant.

In Österreich gibt es aktuell rund 2,2 Millionen Pensionisten. In 40 Jahren könnte diese Zahl laut Prognose auf rund 2,9 Millionen ansteigen.


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