Stationäre Pflege blockiert Einigung bei Sozialwirtschaft

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft hat sich am Montagabend noch keine Einigung abgezeichnet. Als Stolperstein dürfte sich eine Vereinbarung für den Bereich der stationären Pflege erweisen. Die Arbeitnehmer hätten gerne eine 35-Stunden-Woche für die gesamte Branche, von den Arbeitgebervertretern gab es ein klares Nein zur Arbeitszeitverkürzung, vor allem bei der Pflege.

Die Arbeitnehmer hätten den Arbeitgebern der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) eine Etappenlösung vorgeschlagen, berichtete Michaela Guglberger, Chefverhandlerin für die Gewerkschaft vida, aus den Beratungen. „Eine Etappenlösung auf vier Jahre“, konkretisierte sie - ein Jahr Lohnerhöhung, ein weiteres Jahr Arbeitszeitverkürzung plus Inflationsabgeltung, im dritten Jahr wieder eine Lohnerhöhung, im vierten noch eine Arbeitszeitverkürzung plus Inflationsabgeltung. „Aber auch dazu kam ein klares Nein, speziell für den Bereich der stationären Pflege“, sagte Guglberger.

Als Argument wurde von den SWÖ-Arbeitgebern der Personalmangel im Pflegebereich angeführt, so die Verhandlerin. „Das ist die Katze, die sich selbst in den Schwanz beißt“, analysierte sie und fragte sich, woher das Personal kommen solle, wenn es nicht ausreichend gewürdigt werde. Die Pflege aus einer möglichen Einigung auszunehmen, ist für Guglberger keine akzeptable Variante. „Wir sind eine Branche“, demonstrierte sie Geschlossenheit.

Von den Arbeitgebern hieß es, das von der Gewerkschaft vorgeschlagene Modell sei „nicht finanzierbar“ - zumindest nicht unter diesen „verschärften Bedingungen“, sagte Walter Marschitz, Verhandlungsführer der Sozialwirtschaft Österreich. Deswegen wurde das Angebot abgelehnt, berichtete er.

Der Ton in den Verhandlungen werde nun „ein bisschen rauer“, erzählte Gewerkschafterin Guglberger am Montagabend. Den Vorwurf der Arbeitgeber, die Branche schlechtzureden, ließ sie nicht auf sich sitzen. „Es ist eine schwere, aber auch eine sehr schöne Branche“, verteidigte sie ihre Zunft. In Sachen Einigung zeigte sie sich zwar nicht gerade überschwänglich, sagte aber: „Es kann dann auch schnell gehen!“

Die Arbeitgeber wollen nun ein neues Angebot vorlegen. „Wir bieten eine Lohnerhöhung an“, so Marschitz. Das Angebot liege noch einmal über der zuletzt angebotenen Anpassung, ließ er sich noch nicht ganz in die Karten blicken. Er sprach aber von einem „ordentlichen Gehaltsangebot“.

Die Stimmung sei weiterhin gut, so Marschitz. In der Sache liege man zwar auseinander, aber die Gesprächskultur sei „in Ordnung“. „Wir sitzen ja alle im gleichen Boot“, sagte er. Würden als Reaktion auf die angebotene Lohnerhöhung nun positive Signale kommen, könne man konstruktiv weiterreden, hoffte der Arbeitgeber-Verhandler. Ein nächster Verhandlungstermin sei bisher jedenfalls nicht anberaumt.


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