Gefahr im Internet nicht erkennbar: Jeder Zweite ist online unsicher

Bei der digitalen Sicherheit hapert es gewaltig. Fast die Hälfte der Bürger hält sich selbst im Netz für nicht kompetent. Polizei und Online-Schulungen sollen Wissenslücken bekämpfen.

Jeder zweite Österreicher erlitt schon einmal einen Schaden, weil er Opfer von Angriffen auf seine Geräte oder Daten im Internet wurde.
© Getty Images/iStockphoto

Von Nina Werlberger

Innsbruck, Wien – Wo im Internet Gefahren lauern, das ist für viele Österreicher nach wie vor ein Mysterium. Vier von zehn Landsleuten erreichten bei einer großangelegten Befragung nur die unterste Kompetenzstufe. Zugleich hat jeder zweite Österreicher, der das Internet nützt, schon einmal durch Attacken auf seine Geräte persönliche Daten verloren oder durch Betrugsversuche einen persönlichen Schaden erlitten.

Die Sicherheitsdefizite alarmieren auch die Regierung. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck von der ÖVP hat vor wenigen Tagen Maßnahmen angekündigt. Ab sofort bietet das Bundeskriminalamt unter anderem kostenlose Schulungen zur Cybersicherheit an.

Auf der vom Ministerium ins Leben gerufenen Plattform „fit4internet“ gibt es außerdem zwei Kurse für unterschiedliche Wissensstufen, mit denen die Österreicher ihre Wissenslücken verkleinern sollen.

Aber woran liegt es tatsächlich, dass das Internet auch im Jahr 2020 für so viele Menschen noch immer ein spanisches Dorf zu sein scheint? Einen alarmierenden Befund hat eine Umfrage auf der Seite „fit4internet“ ergeben, die zwischen Mai und Dezember 2019 die digitale Alltagskompetenz von 10.000 Österreichern erhoben hat.

Fast jeder Zweite über 16 Jahren schätzt sich beim Thema Sicherheit im Netz als wenig bis gar nicht kompetent ein. Frauen beurteilen ihr Wissen dabei schlechter, als Männer das tun. Interessant: Es existiert offenbar kaum ein Unterschied bei den Altersgruppen.

Schwer tun sich 40 Prozent der Befragten mit den Privatsphäreeinstellungen. Hier kommt mehr als ein Drittel nicht einmal über die niedrigste Kompetenzstufe hinaus. Vier von zehn Leuten haben Probleme, sichere Passwörter zu erstellen und zu verwahren.

Beim Erkennen von Phishing-Mails scheitern fast ebensoviele. Immerhin schützen 85 Prozent ihr Smartphone durch einen Code.

Nicht minder spannend sind die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter 500 Österreichern zum Thema „Sicherheit in der digitalen Welt“. Hier zeigt sich, wie oft das mangelnde Wissen zu konkreten Problemen führt. Denn die Hälfte der Internetnutzer hat durch Viren, Malware, Phishing Mails oder auch Spionagesoftware und Trojaner schon einmal persönlichen Schaden erlitten.

Ebenfalls 50 Prozent sind bereits auf gefälschte Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken hereingefallen oder wurden in eine Abofalle gelockt. Auch Fake-Anrufe, betrügerische Pop-ups oder gefälschte Online-Shops und Ähnliches mehr wurden ihnen bereits zum Verhängnis.

Wenn es um den Schutz der eigenen Daten im Netz geht, zeigt sich ein gemischtes Bild. Bei öffentlichen Wlan-Netzen, nicht vertrauenswürdigen Seiten, bei Gratis-Spielen und Werbung in sozialen Netzwerken ortet die Mehrheit jedenfalls ein großes oder sehr großes Risiko.

„Die Kriminalität verlagert sich zusehends ins Internet. Um der Internetkriminalität Herr zu werden, müssen wir Experten aufbauen“, sagte Michael Fischer, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts kürzlich in Wien. Die Dunkelziffer an Delikten sei sehr hoch, das Anzeigeverhalten der Bevölkerung ausbaufähig, meinte Fischer. „Sie melden Delikte aus Scham nicht, denken, eine Anzeige wäre den Aufwand nicht wert, oder erkennen so manches Delikt einfach nicht als solches. Es ist massive Aufklärungsarbeit nötig“, erklärte er.


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