Ministerin Raab im Gespräch mit Mansour: „Integration ist Bringschuld der Zuwanderer“

Integrationsministerin Raab mit Autor Mansour auf Lokalaugenschein in Berlin. Innenminister Seehofer informiert sich über Arbeit mit Grünen.

Ministerin Raab und Mansour erörtern in Wedding Herausforderungen im Integrationsbereich.

Von Serdar Sahin

Berlin – Ein morgendlicher Spaziergang durch den Berliner Stadtteil Wedding zeigt: Viele Migranten leben hier. Ahmad Mansour berichtet von Kindergärten, in die fast ausschließlich Kinder mit Migrationshintergrund gehen. Der deutsche Psychologe und Autor prangert öffentlich Parallelgesellschaften an. Er kritisiert Islamisten. Damit macht er sich in Deutschland nicht nur Freunde. Bei einem Treffen mit Integrations- und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) begleiten ihn mehrere Personenschützer.

Doch Mansour will sich nicht einschüchtern lassen. Der Ministerin erzählt er, dass Österreich in Sachen Integration ein Vorbild für Deutschland sei. In seiner Integrationsarbeit habe er sich die Wertekurse abgeschaut, erzählt er Raab. Das Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 Jahre lobt er, das sollte es auch in Deutschland geben. Denn die Kopfbedeckung sei keine Religion, sondern Zwang, konstatiert Mansour.

Raab und Mansour sind sich in diesem Punkt einig, so wie bei vielem. Raabs erste Auslandsreise als Integrationsministerin führte sie in die Hauptstadt Deutschlands. Mit Mansour tauscht sie sich aus.

Klar kommunizieren müsse man die europäischen Werte wie Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Ablehnung von Antisemitismus, sagt Mansour. Die Ministerin sieht das auch so: Man müsse die Menschen bei ihrer Integration unterstützen, aber auch Integration fordern. Eine klare Sprache sei vonnöten, befindet Raab.

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„Ich bin fest davon überzeugt, dass Integration eine Bringschuld (der Zuwanderer) ist“, sagt Mansour. In Schulen gebe es große Probleme beim Schwimmunterricht, weil Eltern ihren Töchtern die Teilnahme verwehren. Manche Schulen hätten diesen sogar abgeschafft, erzählt der Extremismusforscher. Der Umgang mit dem anderen Geschlecht werde massiv beeinträchtigt. Das Thema werde in der Öffentlichkeit kleingeredet, beklagt Mansour. Nicht so in Österreich, meint er.

Einig sind sich die beiden auch darin, dass Frauen ein Integrationsmotor in der Familie sein könnten. Mansour plädiert dafür, patriarchalische Strukturen aufzubrechen und Frauen besser zu schützen. „Wir haben immer noch Ehrenmorde.“ Intensive Arbeit sei notwendig, sagt Mansour.

Auch über den politischen Islam wird gesprochen. Dieser sei gefährlicher, weil er unsichtbarer sei als etwa der Salafismus, erklärt Mansour, der als Sohn arabischer Eltern in Israel auf die Welt kam.

Am Nachmittag traf Raab ihre Amtskollegin Annette Widmann-Mauz (CDU) und den deutschen Innenminister Horst Seehofer (CSU). Im Mittelpunkt der Gespräche standen Integration und der Kampf gegen Extremismus.

Widmann-Mauz sei mit Blick auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr an Vorzeigeprojekten in Sachen Integration interessiert gewesen. So ging es unter anderem um das ehrenamtliche Engagement in den Gemeinden, berichtete Raab. Seehofer habe mehr über die „Wechselseitigkeit der restriktiven Migrations- und der konsequenten Integrationslinie“ in Österreich erfahren wollen. Gesprochen wurde zudem über Extremismusprävention. Auch wollte Seehofer laut Raab wissen, wie die ÖVP „den Weg (in der Integrationspolitik) mit dem (grünen) Koalitionspartner geht“.

Die Tiroler Tageszeitung war auf Einladung des Integrationsministeriums in Berlin.


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