„We dance what you think“: „imagetanz“-Festival in Wien

„We dance what you think“, ist das Motto des diesjährigen imagetanz-Festivals, das vom 7. bis 28. März vom Wiener Koproduktionshaus brut veranstaltet und sich in vielfältiger Weise „den drängende Fragen der Gegenwart stellen“ wird. brut-Geschäftsführerin Kira Kirsch versicherte bei der heutigen Programmpräsentation: „Die ästhetische und inhaltlichen Zugänge dabei sind vielfältig.“

Das Festival werde an verschiedenen Location „all over Vienna“ stattfinden, sagte Flori Gugger, Dramaturg und imagetanz-Kurator. Der frühere brut-Hauptstandort im Künstlerhaus ist ja aufgrund der laufenden, vom Unternehmer Hans Peter Haselsteiner finanzierten Renovierungsarbeiten stark gefährdet. Das gelte jedoch nicht für die Institution brut, versicherte Kirsch: „Egal, was passiert, wir werden weiterarbeiten.“ Man sei als inhaltlich kapitalismuskritische Kulturinstitution mit einer typischen Auswirkung von kapitalistischen Vorgängen konfrontiert: Eine Immobilie in bester Lage ist nach ihrer Renovierung für die Nutzer kaum mehr leistbar. „Die letzten Monate waren nicht leicht. Das macht wütend, und der Blick zurück macht traurig. Das Künstlerhaus wird nie wieder sein, wie es einmal war.“ Wie es konkret weitergehen werde, stehe noch nicht fest, man befinde sich aber weiter in Gesprächen über den Standort Augarten, so Kirsch.

Das Festival „imagetanz“ stellt seit 1989 die florierende junge Tanz- und Performance-Szene ins Zentrum. Im heurigen Programm finden sich fünf Uraufführungen lokaler Künstler und fünf Österreichische Erstaufführungen, sowie Studio-Visits, Diskussionen, Partys und ein offener Workshop. Es geht um „gesellschaftliche Spannungsfelder der Gegenwart“, die aus den unterschiedlichsten Perspektiven ausgelotet werden sollen.

Gestartet wird am 7. März im Ankersaal der Favoritener Brotfabrik mit zwei internationalen Gastspielen. „Beide Produktionen beschäftigen sich mit den Wechselwirkungen von Tanz und Musik auf der Bühne“, sagte Gugger. Die norwegische Choreografin Ingrid Berger Myhre und der Musiker Lasse Passage zeigen ihr Duett „Panflutes and Paperwork“, die isländische Tänzerin Inga Huld Hakonardottir und der französische Soundkünstler Yann Leguay verbinden in „Again the Sunset“ Konzert und Performance, Bewegliches und Skulpturales. Von 13. bis 15. März zeigt die in Wien lebende finnische Choreografin und Performerin Lau Lukkarila die Uraufführung „Nyxxx“ im Ankersaal, angekündigt als eine „postromantische Dämmerung mit emotionalen Choreografien und absurden Live-Acts, deren Zusammenspiel eine erregend-gruselige Atmosphäre erzeugt“.

Das „Zwischennutzungsareal Am Kempelenpark“, der ehemalige Siemens-Campus in Wien-Favoriten, wird am 14. und 15. März von Dominik Grünbühel und Charlotta Ruth im Rahmen eines Rundgangs mit fünf Live-Installationen bespielt („Living Documents I-V“). Danach geht es in das studio brut („Die große M.I.N.T.-Show“ sowie „protect.“ von Inge Gappmaier), das Kosmos Theater („Soft Skills“ von Claudia Lomoschitz), in die Erbsenfabrik Wien, das ehemalige „Brick5“ in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus („The way of ink“) und in den KunstBOGEN in Wien-Mariahilf, wo am 28. März nach der Aufführung von „We come bearing gifts“ auch die Abschlussparty gefeiert wird.

Nach „imagetanz“ warten im brut-Programm bis Juni u.a. zwei Museumsbesuche: Von 22. bis 24. April werden die Besucher des Naturhistorischen Museums während der normalen Öffnungszeiten in der anthropologischen Abteilung mit einer Live-Performance von Doris Uhlich „in einer Art Reagenzglas“ (Kirsch) konfrontiert („TANK“), am 13. und 14. Juni gastiert Alix Eynaudi mit „Noa & Snow - Poem #3“ im Volkskundemuseum. „Exit Ghost - Staffel II“ von irreality.tv mit zwei „Drehphasen“ im April und Mai wurde als „Mischung aus Truman Show, Dschungelcamp und Ghostbusters“ angekündigt, toxic dreams nehmen sich einen Roman von George Perec vor.

In der Szene wird fix davon ausgegangen, dass das brut nicht mehr ins Künstlerhaus zurückkehren wird. Ist für Kira Kirsch eine Überführung der Interims-Zeit, in der verschiedenste Institutionen in der ganzen Stadt bespielt wurden, in eine dauerhafte brut-Zukunft ohne zentralen Standort denkbar? Kurze, klare Antwort: „Nein.“

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