Bargeld bleibt, Euro und Dollar mit Wurzeln in Tirol

Große Mehrheit der Österreicher ist strikt gegen eine Abschaffung des Bargelds. Die Notenbank will 1- und 2-Cent-Münzen vehement verteidigen.

Für Nationalbank-Direktor Eduard Schock (links) und den früheren EU-Kommissar Franz Fischler ist der Euro „ein starkes Symbol Europas“.

Innsbruck – Vor 25 Jahren wurde Österreich EU-Mitglied, vor 18 Jahren wurde erstmals Euro-Bargeld ausgegeben. Heute haben 340 Menschen in 19 EU-Staaten den Euro in Händen, weitere haben 60 Länder ihre Währung an den Euro gekoppelt. Neben der Europa-Hymne und der Fahne sei der Euro eines der ganz wenigen, aber dafür umso wichtigeren Symbole für ein gemeinsames Europa, sagt­e der frühere EU-Kommissar Franz Fischler anlässlich der gestrigen Eröffnung der Ausstellung „EUROpaVISION“ im Kassensaal der Nationalban­k in der Inns­brucker Adamgasse. Diese widmet sich noch bis 5. Februar 2021 mit 130 Objekten diversen euro­päischen Münz- und Währungsunionen von der Römer- bis zur Jetzt-Zeit.

Tirol habe hier seit dem Mittelalter eine große Rolle gespielt, so Fischler. 1486 sei der Guldiner als erste kompatible, weil wertgleiche Silbermünze zum Gulden (aus Gold) in Hall geprägt worden. Von hier lasse sich dann über den Joachimstaler die Ursprünge zu Taler und Dollar ziehen. „Sowohl der Eur­o als auch der Dollar haben ihre Wiege in Tirol“, betonte Fischler.

Für Nationalbank-Direktor Eduard Schock wird Bargeld entgegen mancher Unkenrufe auch in Zukunft „das Zahlungsmittel Nummer 1“ bleiben. Über 70 Prozent der Bevölkerung wollen laut einer Umfrage wie bisher am Bargeld festhalten. 24 Prozent sehen eine leicht sinkende Bedeutung, wollen aber trotzdem nicht auf Bares verzichten. Nur 5 Prozent könnten problemlos darauf verzichten. Derzeit seien im Euroraum 1320 Mrd. Euro als Bargeld im Umlauf, davon 31 Mrd. Euro in Österreich. Trotz verstärkter Kartenzahlungen steige der Bargeldumlauf jährlich um 4 bis 6 Prozent an. „Bargeld ist stets verfügbar, man hat einen guten Überblick und es ist gedruckte und geprägte Freiheit“, sagte Schock mit Hinweis auf digital­e Spuren, Überwachbarkeit und wachsende Cyberattacken. Bargeld sei zudem weit sichere­r, da im Schnitt unter 79.000 Banknoten lediglich eine Blüte sei. In Österreich sei im Vorjahr durch Fälschungen gerade einmal ein Schaden von 550.000 Euro aufgetreten (in Tirol 35.000 Euro), durch Kartenbetrug aber über 20 Mio. Euro.

Dass nach dem Aus für die 500-Euro-Scheine jetzt auch die 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft werden könnten, sorgt für ein klares Nein aus Österreich. „Wir sind strikt gegen eine Abschaffung, auch weil so etwas das Vertrauen in den Euro zu beschädigen droht“, betonte Schock. (va)

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