Je älter, desto unruhiger: Peter Umfahrer im Porträt

Umtriebig ist Peter Umfahrer Zeit seines Lebens. Doch mit 58 Jahren zieht es den Naturfotografen immer länger in die Welt hinaus, um seine Träume noch zu verwirklichen.

Wenn der Berg ruft, kann das bei Naturfotograf Peter Umfahrer auch ein Vulkan sein.
© Vanessa Rachlé

Von Susann Frank

Aldrans – Immer wieder wechselt Peter Umfahrer seine Sitzposition. Auch wenn sich der gebürtige Innsbrucker in seinem Wohnzimmer mit Blick auf den Garten am Rande von Aldrans wohlfühlt, ist der Naturfotograf einfach kein Stubenhocker. Der Arbeit am Schreibtisch kann der 58-Jährige trotz fortschreitenden Alters immer noch wenig abgewinnen.

„Ich werde sogar unruhiger, weil ich ja noch alles sehen will, was auf meiner Liste steht“, erzählt der reiselustige Tiroler. Die Liste ist lang. Auch wenn er schon auf allen Kontinenten war und die abenteuerlichsten Expeditionen hinter sich hat, gehen dem passionierten Bergsteiger die Ziele nicht aus. Im Gegenteil. Sie werden sogar imposanter.

Derzeit bereitet sich Umfahrer auf eine Mountainbiketour von Island bis nach Italien vor. „Ich will die spektakulärsten aktiven Vulkane besteigen und fotografieren. Die meisten davon befinden sich nun einmal in diesen zwei Ländern“, erläutert Umfahrer. In den Satteltaschen steckt dann natürlich seine Kamera. Jedoch nicht nur.

Mit 58 Jahren zieht es den Naturfotografen immer länger in die Welt hinaus, um seine Träume noch zu verwirklichen.
© Vanessa Rachlé

Umfahrer ist umgestiegen. „Ich nehme auch eine Drohne mit. Das Fotografieren aus der Luft macht mir richtig Spaß.“ Um den Mini-Flugkörper sicher steuern und atemberaubende Bilder damit schießen zu können, hat er sogar einen Kurs belegt. Das erzählt der Tiroler begeistert, während er kurz mit seinem Hund vor die Türe geht, um sich die Füße zu vertreten.

Per Multivisionsvortrag wird Umfahrer diese Fotos dann seinem Publikum zeigen, um den Menschen die Natur aus einer „irren Perspektive“, wie er meint, näherzubringen. Eingespielte Geräusche, die Umfahrer an den bereisten Orten eingefangen hat, sollen den Zuschauern zusätzlich das Gefühl geben, mittendrin zu sein. „Das geht von Tierlauten über die Musik des Landes bis hin zu Menschen, die sich in ihrer Sprache unterhalten“, berichtet der Tiroler, den auch die verschiedenen Kulturen interessieren: „Ich mag den Buddhismus, weil er die Menschen sein lässt.“

Die mit persönlichen Eindrücken gespickten Vorträge sind nur eine seiner Einnahmequellen. Zudem verdient Umfahrer, der mit 24 Jahren seinen Büroberuf aufgab, sein Geld mit Landschaftsaufnahmen für Kalender und Postkarten. „Doch kaum jemand schreibt noch Karten. So habe ich noch die Ausbildung zum Bergwanderführer gemacht.“

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Mehr über Peter Umfahrer erfahren Sie auf seiner Hompage.

Auf exklusiven Touren bringt der Naturliebhaber Interessierten Flora und Fauna der jeweiligen Region näher – im Winter mit Schneeschuhen. Viele Routen führen durch Nord- und Südtirol. Er, der schon die größte Wüsten-Sanddüne mit Ski hinabgewedelt ist, hohe Berge (u. a. Himalaya) bestiegen und an die 2500 Skitouren unternommen hat, ist immer wieder aufs Neue von den Dolomiten fasziniert. „Sie sind etwas Besonderes“, schwärmt Umfahrer, der jedoch die Tourenski inzwischen an den Nagel gehängt hat. „Es sind zu viele Tourengeher unterwegs.“ Gegenden, wo Menschen wie die Ameisen Berge erklimmen, meidet der 58-Jährige.

Landschaften genießt er lieber alleine. Besonders angetan ist der Bergfex von Gestein, was durch einen Blick auf seinen Wohnzimmerschrank ersichtlich wird. Da liegt unter anderem ein Lavabrocken, den er von der hawaiianischen Insel Big Island mitgebracht hat. Auf einen Fund, der mehr als ein Stein ist, zeigt Umfahrer stolz: „Der ist aus Eritrea. Das ist ein Mammutknochen, das habe ich von der Universität Innsbruck bestätigt bekommen.“

Doch so sehr es Umfahrer, dessen Lieblingskontinent Afrika ist, auch in die Ferne zieht – er weiß, dass das Gute sehr nahe liegt: „Ich hatte großes Glück, in Tirol geboren worden zu sein. Und ich freue mich immer wieder darauf, heimzukommen.“ Um dann erneut aufzubrechen. Zukünftig will Umfahrer vermehrt im neu angeschafften Lastwagen leben und damit herumreisen. Trotzdem möchte er in Tirol immer ein Domizil haben. Um sich ausruhen zu können. Was für Umfahrer aber auf keinen Fall bedeutet, still zu sitzen.


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