Ein traumhafter Aussichtsberg: Auf die Spitzina

Auf die Pezinerspitze in Kappl führt diesmal der Tourentipp. Ein Berg, der einst Tod und Schrecken gebracht, nun aber mit massiven Lawinenverbauungen gezähmt worden ist.

Ein Orientierungspunkt bei dieser Tour sind die mächtigen Lawinenverbauungen der Pezinerspitze.
© Irene Rapp

Von Irene Rapp

Kappl – Eines gleich vorweg: Die Pezinerspitze in der Verwallgruppe ist ein traumhafter Aussichtsberg. Vor allem im Sommer finden sich auf der 2549-Meter-Erhebung daher viele Sonnenaufgangs-Gäste, die auf zwei Holzbänken unter dem Gipfel angenehm den gewaltigen Rundumblick genießen können – etwa hinein ins hinterste Paznauntal, hinunter nach Landeck und Zams–, garniert von rundherum beeindruckenden Gipfeln wie Parseierspitze (3036 m) oder Hoher Riffler (3168 m).

Aber auch im Winter kann die Pezinerspitze punkten: Die weitläufigen Südhänge sind vor allem bei höheren Temperaturen ein firniger Genuss. Und auch im Winter lockt es so manchen Skitourengeher zum Sonnenaufgang auf den Gipfel, heißt es aus der Gemeindestube Kappl.Die Einheimischen nennen den Berg übrigens Spitzina – was uns auch besser gefällt. Die Tour auf die Pezinerspitze mit den Ski ist technisch nicht sehr anspruchsvoll, allerdings braucht man ein gutes Auge für das Gelände vor allem im oberen Bereich, wo man zwischen mächtigen Lawinenverbauungen dem Gipfel zustrebt.

So kommt man hin: Ins Paznauntal und nach der Gemeinde See rechts abbiegen auf die Straße nach Langes­thei, einem Ortsteil von Kappl. Auf einer schmalen Straße hinauf bis zur am Hang klebenden Kirche von Langesthei, kurz davor links halten und durch Stockach. Einige Meter nach dem letzten Haus, im Bereich des Moosbaches, parkt man dann das Auto am Straßenrand.

Das Gipfelkreuz zeigt sich allerdings erst ziemlich spät.
© Irene Rapp

Zunächst geht es rechts vom Moosbach auf einer Lichtung zum Waldrand hinauf und in den Wald hinein. Man kommt an einer kleinen Kapelle vorbei und nach rund 15 Minuten erreicht man ein weitläufiges, liebliches Almgelände, die Langestheialpe. Ins Auge stechen die zahlreichen Stadel, denn im Sommer wird hier Heu produziert und zwischengelagert. In kleinen Stufen im nicht sehr steilen Gelände geht es nun hinauf, als Orientierungspunkt dient die schon weithin sichtbare Lawinenverbauung der Pezinerspitze. Ende Jänner 1951 waren von hier gewaltige Lawinen abgegangen, zahlreiche Häuser wurden weggerissen, Menschen starben. Nicht so Katharina Ladner: Die damals 21-Jährige hatte 27 Stunden in einem Hohlraum unter Balken eines zerstörten Bauernhauses ausgeharrt, wo sie fast unverletzt überlebte.

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In den Jahrzehnten danach wurde die Pezinerspitze massiv verbaut. Zwischen den Lawinenverbauungen muss man auch durch, will man den Gipfel erreichen. Man hält sich also immer östlich-rechts, kommt an einem Jägerhüttchen vorbei und sieht dann von der Ferne eine Kapelle, an der man aber links vorbei hinaufzieht.

Als grober Orientierungspunkt dient am rechten Rücken der Pezinerspitze eine markante Felswand (siehe roter Pfeil großes Bild): An deren Vorderseite zieht sich eine pistenähnliche Schneise hinab – und auf der geht es hinauf zum Gipfel. Dazu in der zweiten Reihe der Verbauungen über der Kapelle durch eine Lücke hindurch und hier erkennt man, wie steil das Gelände wirklich ist.

Ein Traum: die Ausblicke u. a. ins Paznauntal
© Irene Rapp

Das steilste Stück steht allerdings noch bevor: Nach Erreichen besagter Felswand biegt man nämlich quasi ums Eck und erreicht einen Kessel. Auch hier fallen wieder Lawinenverbauungen ins Auge und erstmals sieht man das Gipfelkreuz der Pezinerspitze. Hier hält man sich zunächst links und nun ist gute Spitzkehrentechnik gefragt.

Das Gipfelkreuz verschwindet wieder aus dem Gesichtsfeld und dass dieses noch weiter entfernt ist, als man vermuten würde, zeigt sich, wenn das steile Stück überwunden ist. Nun steht man nämlich auf einem Rücken, der am Sonntag, als wir die Tour gegangen sind, relativ abgeblasen war. Hier genießt man jedoch zunächst die traumhaften Tiefblicke auf das Paznauntal und macht wohl jede Menge Fotos. Dann geht es über den Rücken hinauf zum Gipfel, den man schließlich von rechts kommend erreicht.

Am höchsten Punkt angekommen beeindruckt zu allererst die Aussicht auf Verwall, Lechtaler und Samnauner Berge. Zahlreiche neue, noch unbekannte Tourenziele tun sich da auf. Das Gipfelkreuz auf der Spitzina wurde übrigens 1981 von den Jungbauern errichtet, leider fehlt ein Gipfelbuch, um sich einzutragen. Hätte der Wind am Sonntag nicht so geblasen, dann hätten wir auch noch ein wenig länger die traumhafte Aussicht genossen. So aber ging es relativ bald entlang der Aufstiegsspur wieder ins Tal. Schön war’s, bei Firn wäre diese Abfahrt aber wohl ein wahrer Traum gewesen.

© TT

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