„Die Gerechten“ mit Courage gegen Naziregime in Linz

Das OÖ. Landesmuseum zeigt die Ausstellung „Die Gerechten - Courage ist eine Frage der Entscheidung“ ab Dienstagabend bis 24. Mai im Linzer Schloss. Sie berichtet über Menschen, die von der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem dafür geehrt wurden, dass sie während des Naziregimes jüdischen Mitbürgern ohne Gegenleistung geholfen haben zu überleben oder auszuwandern.

Unter den weltweit über 27.000 Personen, die bisher mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurden, befinden sich rund 110 österreichische. Die vom Verein „Die österreichischen Freunde von Yad Vashem“ initiierte und in Zusammenarbeit mit der Linzer Kepler Universität gestaltete Schau wurde bereits in mehreren Städten Österreichs gezeigt und auch von zahlreichen Schulklassen besucht. Die wissenschaftlichen Leiter, die Universitätsprofessoren Michael John und Albert Lichtblau, haben sie für Linz um einen Oberösterreich-Schwerpunkt ergänzt.

Unter anderem wird die Bauernfamilie Schatz in St. Georgen an der Gusen im Bezirk Perg vorgestellt, an deren Tür im Frühjahr 1945 das aus dem einige Kilometer entfernten KZ Mauthausen geflüchtete und total entkräftete Mädchen Ester Zychlinski klopfte und um Wasser bat. Maria und Johann Schatz versteckten sie unter Lebensgefahr bis Kriegsende.

Zychlinski emigrierte nach Israel und gründete eine Familie. Sie begann später nach ihren inzwischen verstorbenen Helfern zu suchen. Ein neuer, bis heute andauernder Kontakt zwischen den beiden Familien entstand. 2009 wurden das Ehepaar posthum als „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet. Die 2019 geborene Urenkelin von Ester Zychlinski erhielt im Gedenken an Johann Schatz den in Israel ungewöhnlichen Vornamen Johanna.

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Die Ausstellung führt zu Beginn in das Naziregime und sein System ein, in dem alle Gräueltaten stattfinden konnten. Prominente österreichische Täter werden vorgestellt und auch das Denunziantentum. Denen stehen „Die Gerechten“ gegenüber, die allesamt ihr Leben riskierten, um Juden zu helfen. Unter ihnen gibt es Prominente wie die Burgschauspielerin Dorothea Neff oder den Komponisten Gottfried von Einem, aber auch einfache Menschen wie Arbeiter oder Bauern. Dass Österreich im Vergleich zu den Niederlanden, Polen und Frankreich wenige „Gerechte“ hat, hängt laut den Ausstellungsverantwortlichen damit zusammen, dass es gemeinsam mit Deutschland zu den „Täterländern“ zählte.

Es gibt aber auch Personen, die - etwa aus Angst vor Aggressionen oder weil sie ihre Courage als nicht außergewöhnlich empfanden - nicht ausgezeichnet werden wollten. Neben diesen werden auch Menschen vorgestellt, die im sogenannten „Rettungswiderstand“ waren und beispielsweise Deportierten auf deren Todesmärschen halfen. Ebenso werden andere Formen von Zivilcourage auch aus der jüngeren Zeit angesprochen.


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