Spiel uns das Lied von Oasis, Mr. Gallagher

Liam Gallaghers erstes Solo-Konzert in Wien bescherte den Fans sehr viel Oasis-Nostalgie und nur wenig Neues.

Der Parka sitzt, die Pose stimmt – Liam Gallagher machte die Fans mit Oasis-Hits glücklich.
© APA

Von Barbara Wohlsein

Wien – Keine zehn Sekunden steht Liam Gallagher auf der Gasometer-Bühne, dann gibt’s auch schon Krawall. Ein halbvoller Bierbecher landet knapp neben ihm, er bricht sofort das Intro ab und weist den Becherwerfer mit diversen „Dickhead“-Tiraden in die Schranken. Es gab auch schon Abende, an denen das Konzert an diesem Punkt vorbei war. In Wien zum Glück nicht, vielmehr wirkt Gallagher, als wäre er jetzt auf Betriebstemperatur. Mit dem Oasis-Hit „Rock’n’Roll Star“ geht’s los und man denkt sich: Ja, so klingt es, wenn jemand seinen Job in einem Lied beschreibt.

Anlass der aktuellen Tour ist das zweite Soloalbum von Liam Gallagher „Why Me? Why Not.“, das im September veröffentlicht wurde. Auch wenn die Kritiken verhalten positiv waren, ist natürlich niemand nur aufgrund des neuen Albums gekommen. Liam Gallagher ist das Beste (und Einzige), das Oasis-Fans derzeit in die Finger kriegen. Seit der Bandauflösung 2009 wird zwar regelmäßig über eine Wiedervereinigung spekuliert, genauso regelmäßig richten sich die Brüder Gallagher aber über die Medien und soziale Netzwerke aus, dass der jeweils andere ein Volltrottel sei.

Das Problem ist: Nur gemeinsam waren sie genial. Liam, der prollige, aber charismatische Sänger mit dem John-Lennon-Faible, Noel, der hochtalentierte Songwriter, der trotz Working-Class-­Attitüde auch mal einen klugen Satz sagt. Zusammen waren sie Oasis – die erfolgreichste Band der Britpop-Ära. Die Solokarrieren haben die Stärken und Schwächen der Gallaghers schonungslos offengelegt: Noe­l fehlt das Rockstar-Gen, Liam das Songwriter-Talent und die emotionale Intelligen­z.

Die Fans wollen die alten Hits und bekommen sie von Liam. Fast zwei Drittel der Setlist in Wien sind Oasis-Songs, das Solo-Werk wird in zwei Kurzblöcken abgefertigt. Schlecht sind die eigenen Lieder freilich nicht, trotzdem gibt es gerade einmal einen Song – das traurig-schöne „For What It’s Worth“ –, den das Publikum komplett mitsingt.

Wie es Liam Gallagher dabei geht, dass er hier quasi eine „Remember Oasis“-Tour mit Solo-Einlagen durchzieht, lässt sich nur erahnen. Der 47-Jährige steht im Halbdunkeln, sein Gesicht und seine Mimik erspäht die ausverkaufte Halle nur, wenn die Beleuchtung kurz auf die Bühne dreht. Was man sieht, ist, was man kennt: der weite Parka (diesmal in Weiß), die verschränkten Arme am Rücken, die leicht schiefe Körperhaltung. Dazu noch das berühmte gedehnte „Sunshiiiiine“ und schon schlägt das Oasis-Fanherz schneller.

Vor zwei Wochen musste Liam Gallagher ein Konzert in Hamburg abbrechen, weil seine Stimme krankheitsbedingt versagte. Auch in Wien klingt er immer noch angeschlagen, vermeidet die hohen Lagen, lässt bei „Acquiesce“ das Publikum den Refrain singen und streicht bei der zweiten Zugabe sogar „Wonderwal­l“. Immerhin werden die Nostalgiker unter anderem mit „Mornin­g Glory“, „Live Foreve­r“, „Champagne Super­nova“ und „Supersonic“ beglückt und schließlich mit „Cigarettes & Alcohol“ heimgeschickt.


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