„The New Pope“: Im Schatten des Vorvorgängers

Auf den jungen folgt der neue Papst – und den spielt in „The New Pope“ John Malkovich.

John Malkovich wird in „The New Pope“ vom Aristokraten zum Kirchenoberhaupt – bleibt aber auch als Papst seiner Liebe zum Lidstrich treu.

Wien – Was war das vor gut drei Jahren für ein Auftritt: Ein neuer Papst, noch keine fünfzig Jahre alt, US-Amerikaner und Kettenraucher, Sonnenbrillenträger, auf den eigenen Vorteil bedachter Kirchenreformer – und das alles in Gestalt von Jude Law. Dass diesem Lenny Belardo, der sich auf dem Heiligen Stuhl Pius XIII. nannte, irgendwann, also nach ziemlich genau 10 Folgen das Herz versagte, war tragisch. Aber konsequent: Oscar-Gewinner Paolo Sorrentino („La Grande Bellezza“) hatte „The Young Pope“ als Miniserie mit klarem Schlussstrich konzipiert. Doch der Erfolg schreibt eigene Gesetze. Deshalb geht es jetzt weiter. Und Papst Pius liegt von Maschinen am Leben gehalten im Koma. So beginnt „The New Pope“. Die Fortsetzung startet heute auf Bezahlsender Sky. Und wie sie startet: Mit einem Konklave, bei dem übel getrickst wird. Und trotzdem ein Blindgänger gewählt wird. Papst Franziskus II. (Marcello Romolo) wird vor den Massen auf dem Petersplatz vom Heiligen Geist attackiert – in Gestalt einer Taube, versteht sich –, öffnet den vatikanischen Schutzwall für Geflüchtete – und lässt der höchsten Geistlichkeit die Preziosen abnehmen. Diesmal scheint das „überraschende“ Herzversagen unausweichlich.

Die Suche nach dem Nachfolger vom Nachfolger wird zur Chefsache. Fündig wird Oberstrippenzieher Voiello (gespielt vom großartigen italienischen Komiker Silvio Orlando) beim britischen Aristokratenbischof John Bannox. John Malkovich spielt den in seiner ganzen John-Malkovich-Haftigkeit als Pfau mit Tendenz zum mysterienumrankten Trübsinn. Als Papst wird er sich – ganz programmatisch – Johannes Paul III. nennen, einen Weg der Mitte ankündigen – und seinen ganz eigenen gehen. Was mitunter ziemlich lustig sein kann, wenn er etwa Marilyn Manson – mit dem er sich die Liebe zum eleganten Lidstrich teilt – zur Audienz empfängt. Oder Sharon Stone basalere Instinkte herausfordert. Das Charisma seines Vorvorgängers erreicht Johannes Paul III. aber nicht. Kein Wunder also, dass die „Santo subito“-Fraktion die Heiligsprechung des komatösen Altpapstes fordert.

Inhaltlich bleibt „The New Pope“ bisweilen aber reichlich blass: Richtungsgerangel, Obsessionen, Oberflächenspannung. Optisch allerdings ist die Serie erneut ein Fest. Sorrentinos Kamera tanzt durch Prunkräume. Und adrett hergerichtete Nonnen tanzen mit. Allein der minutiöse Nachbau der Sixtinischen Kapelle – im einstigen Atelier von Federico Fellini – hätte sich die große, die ganz große Leinwand verdient. Drehgenehmigungen im Vatikan bekam Sorrentino für sein superschönes Schaulaufen hohler Riten wenig überraschen nicht. (jole)

Info

The New Pope. Ab heute immer donnerstags ab 20.15 Uhr auf Sky Atlantic. Online auf Sky X abrufbar.

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