Agrarhaus in Landeck-Perfuchsberg: Ansichten auch beim Thema Steuern konträr

In Landeck-Perfuchsberg geplantes Agrarhaus ist nach LVwG-Erkenntnis auf Eis gelegt. Der Vorsteuerabzug spielt bei den Projektkosten eine wichtige Rolle.

Experte Alois Pircher ortet Zweifel an der Vorsteuerabzugsberechtigung der Projektbetreiber.
© Wenzel

Landeck – Nach der zweiten juristischen Niederlage beim Landesverwaltungsgericht (LVwG) Ende 2019 hat die Zehentschaft Landeck-Stanz ihr Projekt Wirtschaftsgebäude vorerst auf Eis gelegt. Das bestätigte der Obmann der Agrargemeinschaft, Josef Raggl, am Mittwoch.

Ob das umstrittene Agrarhaus in Perfuchsberg (die TT berichtete) rund 300.000 Euro kostet oder fast 380.000 Euro, hängt von steuerlichen Aspekten ab. Doch die Meinungen der Steuerexperten klaffen weit auseinander.

Der in Landeck aufgewachsene Univ.-Prof. Dr. Alois Pircher zeigt in seiner gutachterlichen Stellungnahme im Auftrag der Beschwerdeführer (zwei Mitglieder der Zehentschaft) auf: „Was das geplante Bauvorhaben betrifft, ist zu erkennen, dass die Investitionen offensichtlich den Agrarmitgliedern zugutekommen.“ Werden, so Pircher, Grundstücke ausschließlich für unternehmensfremde Zwecke genutzt, stehe kein Vorsteuerabzug zu. Wenn das Objekt nicht von Beginn an unternehmerisch genutzt wird, gebe es auch bei späterer Nutzung keine Vorsteuerabzugsberechtigung. Schlussfolgerung des Experten: „Da ein Vorsteuerabzug nicht zusteht, verteuert sich dieses Investitionsvorhaben um 20 Prozent.“

Eine Gegenstellungnahm­e im Auftrag der Agrargemeinschaft hat Steuerberater-Berufsanwärter Johannes Piegger ausgearbeitet: „Die Einschätzung von Prof. Pircher, wonach die Investitionen nur den Mitgliedern zugutekommen, wird nicht geteilt.“ Piegger sieht einen unternehmerischen Anteil in Zusammenhang mit dem Wirtschaftsgebäude von 91 Prozent. „Dass eine nachhaltige Einnahmenerzielung aus den Investitionen geplant ist, war für Pircher auf Grund der Aktenlage nicht erkennbar.“ Wenn die Agrar ihre Maschinen vermietet und Hackschnitzel verkauft, liege der Anteil an unternehmerischer Tätigkeit, zurückhaltend beurteilt, bei 90 Prozent.

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Obmann Raggl sagte, unabhängig davon werde man nächste Woche über die weitere Vorgangsweise mit dem Projekt beraten. (hwe)


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