RoLa im Aufwind, Ruf nach mehr Förderung

Das sektorale Fahrverbot spült den ÖBB mehr Lkw auf die Rollende Landstraße. Deutsche Kritik irritiert.

Die Rollende Landstraße (hier der Verladeterminal in Wörgl) verzeichnet seit Jahresbeginn Zuwächse.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Wörgl –Auch bei den ÖBB liebt man Zahlenspiele. Allein durch die zwischen 1. Jänner und 15. Februar zwischen Wörgl und Brenner per Rollender Landstraße (RoL­a) hucke­pack genommenen Lkw sei in Tirol rund 1,45 Mio. CO2 eingespart worden, sagte gestern Bernhard Ebner, seines Zeichens Business Unit Manager Intermodal bei der ÖBB Rail Cargo Group. Zusammen mit LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) wurde gestern eine erste Zwischenbilanz der seit Jahresbeginn in einer ersten Etappe hochgefahrenen Kapazitäten gezogen. Wie bereits Anfang Februar berichtet, verzeichnet die RoLa auf besagter Strecke derzeit ein Plus von 32 Prozent. In Summe wurden bis 15. Februar 21.394 Lkw transportiert. Für Felipe ein „wichtiger Beitrag“ zur Verlagerungspolitik. Tirol habe die Vorgaben erfüllt.

Wir setzen unsere Kapazitäten nachfrageorientiert ein.
Bernhard Ebner (ÖBB Rail Cargo Group)
Wir schränken nicht die Warenfreiheit ein, sondern die Wahl des Verkehrsmittels.
Ingrid Felipe (LHStv.; Grüne)

Einerseits haben die ÖBB mit Jahreswechsel die Kapazitäten gemäß den Vorgaben des Berliner „10-Punkte-Plans“ auf 250.000 Lkw/Jahr gesteigert – mit April folgt die zweite Stufe auf 400.000 –, andererseits zeigt das verschärfte sektorale Lkw-Fahrverbot für die RoLa-Nachfrage Wirkung. Angesichts von rund 195.000 Lkw, die allein im Jänner trotzdem am Brennerkorridor unterwegs waren, verdeutlicht sich aber auch hier noch großes Potenzial.

Kritik des deutschen Bundesverbandes Güterkraftverkehr, die RoLa biete zu wenig Kapazitäten, leiste sich Verspätungen und sei im Vergleich zur Straße um 30 Prozent teurer, irritierte gestern Felipe wie Ebner. Man arbeit­e nachfrageorientiert, die Preise seien heuer nicht erhöht worden. Wiewohl Ebner darauf hofft, dass die EU die Fördermöglichkeiten für die RoLa ausbaut. Das hätte auch Auswirkungen auf den Preis. Selbige sind bereits jetzt gestützt. Mit welchem Prozentsatz – dazu hielten sich die ÖBB gestern freilich bedeckt.

Schallenberg wirbt für Transit-Verständnis

Berlin, Innsbruck – Auch wenn es so nicht gewollt war: Der barsche Auftritt samt Anmerkung, Österreich stünde auch der Austritt aus dem EU-Binnenmarkt frei, von EU-Verkehrskommissarin Adina Valean in Innsbruck haben dem Tiroler Transitkampf europaweit zu neuer Aufmerksamkeit verholfen.

Nach dem Protestbrief von LH Günther Platter (VP) an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem Unterstützungsbesuch von Kanzler Sebastian Kurz (VP) am Dienstag im Landhaus versuchen Tirol und die türkis-grüne Bundesregierung die Gunst der Stund­e auf allen politischen wie diplomatischen Ebenen zu nutzen. Anlässlich seines Antrittsbesuchs warb so auch Außenminister Alexander Schallenberg gestern am frühen Abend in Berlin beim deutschen Amtskollegen Heiko Maas (SPD) für mehr Verständnis in der Transitproblematik. Jedoch verlieh er auch der Forderung nach Umsetzung des „10-Punkte-Plans“ Nachdruck. Im Gespräch mit der TT betonte Schallenberg, dass die Regierung jede Gelegenheit nutzen wolle, die Transitproblematik anzusprechen: „Wir halten das auf der Tagesordnung.“ Allen müsse klar werden, dass der Transit eine „europäische Lösung benötigt“. Bereits in den kommenden Tagen stehe ein Rom-Besuch an. Auch dort will Schallenberg den Tiroler Transit thematisieren. (mami)

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