Bautag 2020: Kann Wohnbau in Tirol billiger werden?

Wohnraum in Tirol ist nur schwer leistbar, darüber herrschte am Bautag 2020 Einigkeit. Zu viele Faktoren würden eine Lösung des Preisproblems behindern.

Zu wenig bzw. teurer Baugrund lassen die Baukosten in Tirol immer mehr in die Höhe schnellen.
© TT / Thomas Böhm

Innsbruck – „85.000 Personen mehr brauchen in Tirol bis 2050 Wohnraum“, rechnet Franz Jirka, Innungsmeister und Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Tirol vor. Geld sei auch da und werde – wegen der aktuellen Niedrigzinspolitik – in Grund oder Wohnungen angelegt.

Wohl auch aus diesen Gründen ist Baumeister Anton Rieder am Bautag 2020 optimistisch. Zum sechsten Mal in Folge erwartet er eine „steigende Baukonjunktur“. Schwierig für die Baubranche sei aktuell nur der Facharbeiter- und Technikermangel. Grund in Tirol sei knapp, in Kufstein würde er, Rieder, daher etwa zweistöckige Gebäude, die der Stadt gehören, einfach um zwei Stockwerke erhöhen. Das würde 80 bis 100 neue Wohnungen bringen. Alexander Nußbaumer, Vorstand und Inhaber der ZIMA-Unternehmensgruppe, sieht Wohnen als ein Grundrecht jedes Einzelnen. Und damit auch jeder sich eine Wohnung leisten kann, müsse an der „Kostenschraube gedreht werden“. Die demografischen Gründe, die zu erhöhtem Wohnbedarf in den Städten führen (laut Prognosen werden 2050 drei Viertel der Bevölkerung in Städten wohnen), seien so zu akzeptieren. Billiger könnte Wohnen aber durch eine „Industrialisierung“ des Wohnbaus werden, er wünscht sich Holzbauten aus fixen Modulen. Der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi (Grüne) betont, Wohnungen als Geldanlage zu kaufen und nicht zu vermieten, sei ein ethisches Problem, für die Politik aber schwer zu lösen. Er sei auch mit seinem Plan, in Innsbruck Vorbehaltsflächen für sozialen Wohnbau zu schaffen, gescheitert. Landesrat Johannes Tratter (ÖVP) sagt, jeder Eingriff in die Raumordnung zeige seine Wirkung erst in fünf bis 15 Jahren, deshalb stehe er aktuell zu Förderungen, um „Mietwohnbau und Eigentum zu fördern“. Wichtig sind für ihn sowohl hochpreisige Wohnungen, als auch der klassische soziale Wohnbau.

Ein Problem sieht Karl Wurm, Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Neue Heimat vor allem in den niedrigen Einkommen junger Menschen in Österreich. Er plädiert für den Bau von Mietwohnungen, denn die „Generation Erasmus“ sei zudem auch mobiler als noch vergangene Generationen. „Wer für einen Job umziehen muss, überlegt sich die Anschaffung einer Wohnung.“ Der Wunsch nach Eigenheim sei zwar auch bei Jungen da, finanziell sehe es allerdings schlecht aus. (ver)

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