Nicht nur Tourismus und Export: Auch Käufe und Fusionen treiben Mittelstand

Gelungene Unternehmens-Zukäufe seien ein Wachstumsmotor, betonten Experten.

Swarco-Vorstandssprecher Michael Schuch (l.) im Gespräch mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner.
© Foto TT/Rudy De Moor

Wattens – Tourismus und Export seien die zwei gut bekannten internationalen Säulen der Tiroler Wirtschaft. Aber auch Unternehmenszukäufe und Fusionen seien Wachstumstreiber nicht nur für „Große“, betonten Experten bei einer Veranstaltung von UniCredit Bank Austria, Industriellenvereinigung Tirol, der auf Unternehmensrecht spezialisierten Anwaltskanzlei CHG Czernich Rechtsanwälte und der Firma Swarco in Wattens.

„In Österreich ist der M&A-Markt vor allem für den Mittelstand interessant“, sagt Markus Sappl, Landesdirektor Firmenkunden Tirol der UniCredit Bank Austria. Rund 300 Transaktionen in diesem Bereich werden jährlich laut Zahlen des IMAA-Institute in Österreich verzeichnet. Das gesamte bekannt gegebene bewegte Volumen dürfte laut Mergermarket zwischen 6 und 11 Mrd. Euro liegen.

„Heimische Investoren kaufen in Österreich vor allem Technologie- und Konsumgüter-Unternehmen zu, aus dem Ausland holen sie sich durch Zukäufe Industrie- und Konsumgüterbetriebe. Internationale Investoren, die in Österreich zukaufen, sind mehrheitlich an Technologie- und Industrieunternehmen interessiert“, sagt Florian Potyka von der UniCredit Bank Austria. Der wichtigste Aspekt bei Käufen sei Wachstum – ob geografisch, um so neue Märkte zu erschließen, oder durch neue Produkte, Technologien oder Know-how.

Als Beispiel aus der Praxis war die mit über 60 Firmen und 3600 Mitarbeitern im Bereich Verkehrstechnik und Verkehrsmanagement tätige Swarco-Gruppe am Podium. Diese hat etwa 2014 die britische APT Group übernommen und dann 2016 bei der bisher größten Einzeltransaktion der Swarco-Geschichte die kalifornische McCain Inc. „Damit sind wir mit einem Schlag unter die Top drei der US-Anbieter intelligenter Verkehrssysteme aufgestiegen“, so Vorstandssprecher Michael Schuch. 2018 und 2019 habe man erfolgreich vier weitere Zukäufe getätigt. Wichtig sei, dass es bei Übernahmen keine Besiegten gebe, sondern einen kooperativen Stil, so Schuch.

Wichtig sei auch die optimale rechtliche Abwicklung, sagt Dietmar Czernich. „Idealerweise schottet ein guter Unternehmenskaufvertrag den Käufer vor den Risiken der Vergangenheit ab und sichert die Parameter für die Zukunft.“

Der globale Übernahme- und Fusionsmarkt hat mit rund 32.000 veröffentlichten Transaktionen ein Volumen von über 3300 Mrd. Euro. Zuletzt war die Tendenz leicht sinkend, die Kurve könnte bald nach oben zeigen. (TT)


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