...–––..., die Titanic sinkt

„So fern – so nah“: Im Innsbrucker Zeughaus wird die Kulturgeschichte der Telekommunikation von der Postkutsche bis zum Handy nacherzählt.

Telekommunikation gestern und heute im Innsbrucker Museum im Zeughaus.
© lackner wolfgang

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Telekommunikation wäre in Zeiten von Internet und Social Media eigentlich ein höchst interessantes Thema. Die Macher der Ausstellung im Innsbrucker Zeughaus gehen die Sach­e allerdings streng kultur­geschichtlich an, was zwar ganz nett daherkommt, die Problematik zeit- und grenzenloser Vernetzung und Verfügbarkeit allerdings nur sehr, sehr leise aufwirft.

Ausstellungskuratorin Claudia Sporer-Heis hat dagegen das museale Depot geplündert, um jede Menge alte Telefone, Telegrafen, Morsegeräte, Briefkästen, Poststempel, Posthörner und Telefonbücher auszugraben. Nostalgisch anmutende Objekte, obwohl sie zum größten Teil nicht mehr als 100 Jahre alt sind. Womit klar wird, welch rasende Entwicklung die Technik in relativ kurzer Zeit durchgemacht hat. Was die Schau für den Besucher einigermaßen attraktiviert, ist, dass man einige der alten Geräte selbst bedienen darf, um etwa den SOS-Code (drei kurz, drei lang, drei kurz) auf einem ähnlichen Apparat zu morsen wie von jenem der sinkenden Titanic.

Installiert wurde in der Schau aber auch eine inzwischen weitgehend aus der Mod­e gekommene Rohrpost, deren in Röhren geführten, mit Botschaften gefüllten „Bomben“ quer durch den ganzen Ausstellungsraum sausen. Und im Hof des Zeughauses wurden zwei optische Telegrafen installiert, dazu da, um Nachrichten über verschlüsselte Zeichen zu übermitteln. Wie etwa den Befehl zur Hinrichtung von Andreas Hofer in Mantua gestern vor 210 Jahren. Aber auch eine gute alte Telefonzelle, die in einer Zeit, in der praktisch jeder ein Hand­y hat, aus dem Straßenraum fast verschwunden ist, wurde für die Dauer der Ausstellung aufgestellt.

Zum Einstieg taucht die Schau tief in die Geschichte der Telekommunikation ein, deren Wurzeln sehr viel mit Tirol zu tun haben. War es doch Kaiser Maximilian I., der den ersten regelmäßigen Postverkehr per Kutsche zwischen Innsbruck und Mechelen eingerichtet hat. Wenn das Posthorn erklang, wusste jeder, trara, die Post ist da.

Davon, dass das Briefeschreiben noch im frühen 20. Jahrhundert formal strengen Formen zu entsprechen hatt­e, erzählen floskelreich aufgeladene Briefvorlagen. Wer es nicht so kompliziert haben wollte, schrieb da lieber eine Postkarte bzw. eine Ansichtskarte, die besonders seit dem Aufkommen des Tourismus im frühen 20. Jahrhundert ihre erste Blütezeit erlebte. Sie wurd­e ausschließlich per Hand geschrieben, im Gegensatz zu Geschäftsbriefen, die seit dem Aufkommen der Schreib­maschine meist mit solchen getippt wurden.

Das schnurlose und mobile Telefonieren gibt es seit den 1980er-Jahren. Die im Vergleich zu heute riesigen Apparate von damals muten fast urzeitlich an. Ob einige von ihnen in der Handy-Sammelstation, die im Vorraum der Schau eingerichtet worden ist, landen werden, wird sich zeigen. Dass das Funken noch immer aktuell ist, zeigt ein weiteres Kapitel. Um klar zu machen, dass das weltweite Kommunizieren eingeschworener Amateur­funkerInnen nicht nur ein feines Hobby ist, sondern in Not- und Katastrophenfällen durchaus von Nutzen für die Allgemeinheit sein kann. Wie das geht, wird jeden ersten Samstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr vorgeführt.

Obwohl soziale Netzwerk­e wie Facebook, Twitter und Instagram heute weltweit von Milliarden Menschen genutzt werden, spielen sie in der musealen Schau nur eine Nebenrolle. Etwa in der Vernetzung von drei Schulen in Innsbruck, Wien und im taiwanesischen Tainan. Deren SchülerInnen per Handy über die Zukunft der Welt diskutieren. Ein Thema, zu dem sich die AusstellungsbesucherInnen per Instagram ebenfalls aktiv einbringen können.


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