Tiroler als Botschafter in Berlin: „Probleme offen diskutieren“

Peter Huber ist österreichischer Botschafter in Deutschland. Als Tiroler kennt er die Transitproblematik „besonders gut“.

Österreich und Deutschland verbindet vieles. In einigen Punkten gibt es aber Gesprächsbedarf.
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Herr Botschafter, für Sie als Tiroler hat das Transitproblem wohl eine besondere Brisanz. Wie sehen Sie das Ganze?

Peter Huber: Als Tiroler aus dem Bezirk Kitzbühel kennt man die Problematik sowohl im Inntal und Wipptal als auch auf der bayerischen Seite besonders gut. Am Ende des Tages geht es darum, dass Deutschland, Österreich, Italien, Bayern, Tirol und Südtirol, gemeinsam mit der Europäischen Kommission eine Lösung für den Alpentransit finden, die auch zu einer spürbaren Entlastung für die betroffene Bevölkerung führt.

Es gibt Kritik, dass in Deutschland in Sachen Transit nichts weitergeht.

Peter Huber: Der gebürtige St. Johanner ist seit Dezember 2017 österreichischer Botschafter in Deutschland – zuvor war er Botschafter in Spanien. Der promovierte Jurist studierte an der Universität Innsbruck.
© ÖB Berlin

Huber: Es gibt seit dem Transitgipfel im letzten Sommer einen 10-Punkte-Plan, der jetzt umgesetzt werden muss. Wesentlich ist, dass der Verkehr von der Straße auf die Bahn verlagert wird und die damit verbundenen Infrastrukturprojekte vorangetrieben werden.

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Würden Sie sagen, dass das die größte Herausforderung in den österreichisch-deutschen Beziehungen ist?

Huber: Es ist im Moment eine der ganz großen gemeinsamen Herausforderungen. Es ist aber auch ein europäisches Anliegen gerade vor dem Hintergrund des „European Green Deal“ der Europäischen Kommission. Der Brennerbasistunnel ist Teil eines gesamteuropäischen Netzwerkes und soll dazu beitragen, den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen.

Die Transitthematik belastet also nicht die Beziehungen zwischen den beiden Ländern?

Huber: Nein. Beziehungen sind dann gut, wenn man über Probleme offen diskutieren kann. Dadurch, dass man sich so gut kennt, können all diese Gespräche vertrauensvoll und auf Augenhöhe geführt werden.

Sie sagten „eine der ganz großen“ Herausforderungen. Welche gibt es noch?

Huber: Da gibt es die Migrations- und Integrationsthematik – wir hatten ja kürzlich Integrationsministerin Susanne Raab in Berlin zu Gast. Zu den Herausforderungen gehört aber vor allem auch die Wirtschaft mit Deutschland als Partner Nummer eins. Die Transformation der Mobilität, mit Deutschland als dem größten Autobauer weltweit und Österreich als wichtigen Zulieferer oder die Digitalisierung beschäftigen uns intensiv. Über all diesen Themen steht der Klimawandel als globale Herausforderung.

Ministerin Raab erzählte, ihre deutsche Amtskollegin und der Innenminister waren an Best-Practice-Modellen aus Österreich interessiert. Was könnte sich Österreich von Deutschland abschauen?

Huber: Wichtig ist die gegenseitige Bereitschaft, voneinander zu lernen. Man muss allerdings berücksichtigen: Nicht alles, was bei einem Partner funktioniert, funktioniert deswegen auf der anderen Seite. Der regelmäßige persönliche Austausch auf allen Ebenen ist daher umso wichtiger.

Das Gespräch führte Serdar Sahin


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