Lienzer Jugendfeuerwehr: Freiwillig im Einsatz für die anderen

Die Lienzer Jugendfeuerwehr wurde vor 20 Jahren wiedergegründet. Inzwischen stammt ein Drittel der aktiven Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr aus der eigenen Jugendorganisation.

Noah Meissl, Dominik Mußhauser, Tobias Rienzner, Niklas Hauzenberger, Marco Mair, Jonas Mühlmann, Philipp Gander und Mario Holzer (v. l.) sind bei der Jugendfeuerwehr Lienz.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Wo sich heute das Kino CineX in Lienz befindet, haben im Jahr 1910 gut zwei Dutzend junge Burschen für ein Foto Aufstellung genommen. Denn die erste Jugendfeuerwehr Osttirols war am 19. Jänner als Knabenfeuerwehr gegründet worden, und damit eine der ersten in Österreich. „Wie ihre älteren Kollegen waren die jungen Männer bereits mit Uniformen vollständig ausgestattet“, weiß der ehemalige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Lienz, Walter Lamprecht, aus Archivberichten. In einem Zeitungsartikel des Jahres 1910 wurde die Schaffung der Jugendeinheit wie folgt begründet: „Durch diese Einrichtung glaubt man außer der erzieherischen Einwirkung auch zugleich den Keim zur Liebe für den Feuerwehrdienst in das Herz der Knaben zu legen und so der Feuerwehr einen gedeihlichen Nachwuchs zu sichern, da ja heute die große Mehrzahl der sich als besser wähnenden jungen Herren den Eintritt in die Feuerwehr als unter ihrer Würde stehend betrachten und der guten Sache fernbleiben.“ Als im Jahr 1938 alle möglichen Vereine von den Nationalsozialisten aufgelöst wurden, war auch das Ende der Knabenfeuerwehr für lange Zeit besiegelt.

Die Lienzer Knabenfeuerwehr im Jahr 1910.
© Archiv Feuerwehr Lienz

Jahrzehnte sind dann vergangen bis zum 19. Jänner des Jahres 2000. An diesem Tag hat Walter Lamprecht die Jugendfeuerwehr in Lienz mit 17 Buben wieder neu aufleben lassen. „Zehn von jenen damaligen Neulingen stehen heute noch im aktiven Dienst“, zeigte sich der Altkommandant bei einer 20-Jahr-Jubiläumsfeier stolz. „Ein Drittel unserer aktuellen Mannschaft stammt inzwischen aus unserer Jugendfeuerwehr.“

Konrad Moser ist Jugendbeauftragter und legte seinen Tätigkeitsbericht für das vergangene Jahr vor. „Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr bereiten sich in regelmäßigen Treffen auf Wissenstests vor, erlernen, wie man eine Meldung macht, und üben beispielsweise den Umgang mit Funkgeräten“, erläuterte Moser. Auch ein Grundkurs in Erster Hilfe gehört für einen angehenden Feuerwehrmann zum Rüstzeug. Alljährlich holt die Jugendfeuerwehr seit 20 Jahren das Friedenslicht nach Lienz und sammelt am 24. Dezember Spenden für einen Unterstützungsfonds.

Verantwortliche der Freiwilligen Feuerwehr und BM Elisabeth Blanik mit den Jugendlichen.
© Christoph Blassnig

„Dabei kommen Spiel und Spaß nicht zu kurz“, sagt der Jugendbeauftragte. So haben die älteren Kollegen im Vorjahr einen 24-Stunden-Aufenthalt im Feuerwehrhaus für ihre Schützlinge organisiert. Schon der Bettenbau im Lehrsaal wurde von einer Vermisstensuche unterbrochen. Um sechs Uhr früh war laut der Übungsannahme ein Unfallopfer unter einem Auto zu befreien. Später ging es zur Besichtigung der befreundeten Jugendfeuerwehr in Assling. Wie es wohl nicht nur der bloße Zufall eingefädelt hatte, brach dort in einem Container auf einem Holzlagerplatz ein Feuer aus. Die jungen Mannschaften beider Feuerwehren legten eine Schlauchleitung und löschten den Brand.

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„Wir sind stolz auf unsere Jugendfeuerwehr“, erklärte der Lienzer Feuerwehrkommandant Richard Stefan. „Die Erfolge unserer Buben und Mädchen bei Landes- und Bundesbewerben in den vergangenen 20 Jahren beweisen, dass die Wiedergründung ein richtiger Schritt war. Wir werden den erfolgreichen Weg, den Walter Lamprecht eingeschlagen hat, weitergehen.“

Spendenübergabe an Bezirks-Feuerwehrkommandant Herbert Oberhauser.
© Christoph Blassnig

Bürgermeisterin Elisabeth Blanik lobte den Einsatz der Jugend. „Wie wir gehört haben, war es auch früher nicht selbstverständlich, freiwillig für andere einzustehen, wenn die Not am größten ist. Dazu gratuliere ich euch.“

Buben und Mädchen willkommen

Ein Einstieg in die Jugendfeuerwehr der Stadt Lienz ist für Interessierte jederzeit möglich. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Mädchen und Buben sind über den Feuerwehrverband auch versichert. Die einzigen Voraussetzungen sind neben dem Einverständnis der Eltern die körperliche Eignung und ein Mindestalter von zwölf Jahren.

Nach einer dreistufigen Vorbereitung wechselt man mit 16 Jahren in den Aktivdienst und beginnt die Grundausbildung. Alle Aktivitäten und Kurse organisiert die Feuerwehr.

Auskunft unter 0664/4386901 oder per E-Mail an lienz@feuerwehr.tirol.


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