Gold und Silber vor 60 Jahren: Ein Glückstag in Squaw Valley

Vor nun 60 Jahren holten die Kitzbüheler Ernst Hinterseer und Hias Leitner Gold und Silber bei den Olympischen Spielen. Dieser eine Tag veränderte das Leben der beiden komplett.

Vor 60 Jahren haben Ernst Hinterseer (l.) und Hias Leitner Gold und Silber geholt.
© Angerer Harald

Kitzbühel – Sie sind Skilegenden und aus Kitzbühel nicht wegzudenken. Als Mitglieder des Ski-Wunderteams waren sie bereits bekannt, doch der 24. Februar 1960 ließ sie in die Sportgeschichte eingehen. Beim Olympia-Slalom in Squaw Valley holte sich Ernst Hinterseer die Goldmedaille. Hias Leitner machte daraus einen Kitzbüheler Doppelsieg und holte sich Silber. Ein Glückstag, der ihr Leben veränderte. Mit der Tiroler Tageszeitung sprechen die beiden über die Tage in Squaw Valley.

Welche Erinnerung haben Sie noch an diesen einen Tag?

Ernst Hinterseer: Es war ein wunderschöner, wolkenloser Tag. Der Schnee war perfekt. Dieser trockene Schnee in Amerika kam uns sehr gelegen. Es waren schöne olympische Spiele. Für uns war das dort ja wirklich beeindruckend, wir hatten alle eine Dusche im Zimmer.

Hias Leitner: Es hat einen gewissen Druck gegeben, da es der letzte Tag war und wir noch keine Goldmedaille hatten. Aber dadurch, dass es sehr ruhig und familiär abgelaufen ist, hat uns der nicht sehr beschäftigt. Es war sehr familiär.

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Haben Sie am Morgen schon gefühlt, dass heute etwas geht?

Hinterseer: Bei mir war das nicht so. Ich hatte ja schon eine Bronzemedaille und war schon etwas lockerer. Eigentlich war ich ja nur Ersatz beim Slalom. Aber als sie dann den Karl Schranz und den Molterer herausgenommen haben, bin ich dann im Slalom angetreten.

Welche Bedeutung hatten die Olympischen Spiele für Sie?

Hinterseer: Amerika war damals für uns ja Neuland und der Skisport war in Amerika ziemlich klein. Aber organisatorisch hat alles gepasst. Es waren zu der Zeit schon viele Skilehrer aus Österreich und Frankreich drüben. In Squaw Valley waren die Franzosen stark. Also war es ein Kampf gegen die Franzosen, die hatten damals auch eine sehr starke Mannschaft. Zudem waren die USA zu der Zeit für Österreich wirtschaftlich sehr wichtig.

Leitner: Zuschauer hat es damals bei den Rennen noch nicht viele gegeben, aber das Fernsehen war schon vor Ort und das hat es sehr gut gemacht.

Wie war das mit dem Material damals?

Leitner: Wir hatten nur vier, maximal fünf Ski und mit denen sind wir alle Bewerbe gefahren. Das waren damals noch die Holzski mit Riemenbindung und dazu die Lederskischuhe.

Hinterseer: Heute lacht man darüber, aber ich bin damals mit dem Riesenslalomski den Slalom gefahren.

Leitner: Da hat er mich etwas ausgetrickst (lacht). Aber daran lag es nicht, er ist an dem Tag sehr gut gefahren. Aber der Riesenslalomski hatte schon verdeckte Kanten, der Slalomski noch die breiten.

Hinterseer: Das habe ich erst kurz davor entschieden. Wir sind damals nicht mit 2,10-m-Ski den Slalom gefahren. Und Schuhe hatten wir noch vom Haderer in Kitzbühel. Man kann aber den Slalom von damals mit heute nicht mehr vergleichen.

Wie haben Sie die Siegerehrung erlebt?

Leitner: Es war eine kleine Ehrung im Ziel nach dem Rennen, aber die Medaillen hat es dann erst am Abend in der Nähe des Stadions gegeben.

Hinterseer: Bei der Siegerehrung ist mir dann erstmals bewusst geworden, dass das kein normaler Sieg war. Damals war auch eine Abordnung aus Innsbruck drüben. Es war der letzte Tag und sie haben die Fahne abgeholt. Da sind dem Innsbrucker Bürgermeister Lugger die Tränen gekommen. Der wusste, dass das wichtig war.

Wie war damals der Empfang zu Hause?

Hinterseer: Das war wunderschön. Die Skilehrer haben uns hereingetragen, wie beim Toni Sailer 1956. Es waren 16.000 Menschen in Kitzbühel, die uns empfangen haben.

Leitner: Da war dann bei mir die Begeisterung richtig groß, als wir zu Hause waren. Drüben war es schön, auch für einen selbst. Aber so richtig bewusst ist es mir erst zu Hause geworden.

Ist zu Hause das Ansehen gestiegen oder hat man Sie auch schon vorher gekannt?

Hinterseer: Der Sailer hat uns natürlich überstrahlt, aber das ist halt so. Wir waren halt der Ernst und der Hias. Aber dann sind wir ganz vorne gestanden, das war schon schön, das erleben zu dürfen. Ich bin dann auch noch Sportler des Jahres in Österreich geworden, das war ein großes Erlebnis im Prater-Stadion.

Zweiter zu werden ist nicht schön. Wie ist das, wenn man dann den Sieger ein Leben lang vor Augen hat?

Leitner: Vor dem Rennen hat jeder an sich selbst gedacht, aber als das Rennen vorbei war, haben wir Karten gespielt. Er war halt besser als ich und aus. Ich bin kein Typ, der hier immer nachtrauert.

Warum sind Sie nicht wie andere in Amerika geblieben, sondern wieder zurückgekommen?

Leitner: Ich war kein Typ für Amerika. Ich bin kein Schauspieler und wenn man drübenbleiben wollte, musste man sich verkaufen. Da haben sich dann einige verkauft, die nichts waren. Plötzlich waren Leute in der Mannschaft, die ich nicht einmal kannte.

Hinterseer: Ich habe dann meine Frau geheiratet und ich war – ich muss es ganz ehrlich sagen – einer, den es sehr nach Hause gezogen hat.

Gibt es eine Feier zum Jahrestag?

Hinterseer: Ich hätte da selbst gar nicht so daran gedacht, vor allem weil ich am 27. Februar Geburtstag habe. Das ist wichtiger.

Leitner: Wichtig ist, dass wir noch alles tun können und gesund sind.

Hinterseer: Wir sehen weniger, wir hören weniger, aber sonst sind wir pumperlgesund, was will man mehr?

Das Gespräch führte Harald Angerer


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