Tiroler Kriminalstatistik: Aufklärungsquote weiter hoch

Die jetzt veröffentlichte Rohfassung der Tiroler Kriminalstatistik stellt der Polizei erneut ein gutes Zeugnis aus. Trotz punktuell enormer Zuwächse bei Sexualdelikten.

In diesem Haus in Kitzbühel wurden im Oktober fünf Menschen getötet. Die Tat eines Einheimischen war wohl das schlimmste Verbrechen des vergangenen Jahres auf Tiroler Boden.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Im Frühjahr ließ sich Innenminister Herbert Kickl viel Zeit mit der Kriminalstatistik: Erst Anfang Mai – so spät wie noch nie – wurde die Öffentlichkeit über die Anzahl der Straftaten und die Aufklärungsquoten informiert. Heuer hat es Kickl – mittlerweile nur noch FPÖ-Klubchef – deutlich eiliger: Dank seiner parlamentarischen Anfrage ist die Rohfassung der Kriminalstatistik 2019 schon jetzt verfügbar.

Und die schaut für Tirol ähnlich gut aus wie die offizielle Statistik von 2018. Die Anzahl der Straftaten ist leicht gestiegen (von 40.139 auf 40.737). Die Aufklärungsquote – 2018 mit 58,6 Prozent so gut wie noch nie (in Tirol) – ist marginal um 0,1 Prozent gesunken. Wenn dieser Wert es auch in die offizielle Statistik schafft, wäre es das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten.

Für Stirnrunzeln sorgt zunächst der Anstieg der Sexualstraftaten in mehreren Bezirken. Vor allem Landeck scheint sich von 2018 auf 2019 zu Tirols Sündenbabel entwickelt zu haben. Die „strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung“ kletterten von 17 auf 104 Delikte im Vorjahr, was einer Zunahme von sagenhaften 511,8 Prozent entspricht. Aber auch in Schwaz und Reutte gab es in dieser Kategorie deutliche Zunahmen von 168 bzw 61 Prozent. Mit einer Erklärung tun sich die verantwortlichen Polizeibeamten schwer: „Wir haben die Zahlen der vorläufigen Kriminalstatistik ja nicht auf dem Tisch, daher können wir auch nichts sagen“, so der Tenor. Dennoch dürfte die Lösung des Rätsels recht einfach sein. Wie Recherchen ergaben, haben offenbar sowohl in Landeck als auch Schwaz Jugendgruppen durch das Verbreiten intimer Fotos bzw. Videos Gleichaltriger die Statistik in die Höhe getrieben – jedes einzelne Verschicken derartiger Dateien zählt als Straftat.

Bei den Gewaltdelikten weist die vorläufige Kriminalstatistik einen leichten Rückgang aus: von 8782 auf 8713 im Vorjahr. Bei den Eigentumsdelikten ist hingegen mit einem leichten Anstieg zu rechnen.

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Für Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger zeigen die durchaus guten, wenngleich vorläufigen Zahlen, dass „durch die Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen nachhaltige Maßnahmen gesetzt wurden“. In diesem Zusammenhang verweist Abwerzger auf die Waffenverbotszonen in Innsbruck: „Auch das Gewaltschutzpaket (höhere Strafen etc.) weist in die richtige Richtung.“


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