Erster Europäer in Italien am Coronavirus gestorben

In Italien ist der erste Europäer am neuartigen Coronavirus gestorben. Bei dem Opfer handle es sich um einen 78-jährigen Italiener, sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza am Freitag. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zeigte sich die Weltgesundheitsorganisation WHO wegen neuer Infektionsherde in und außerhalb Chinas alarmiert. Südkorea meldete einen rasanten Anstieg der Infektionsfälle.

Der verstorbene Italiener sei zuvor positiv auf das Virus getestet worden, sagte Speranza. Der Mann war dem Minister zufolge wegen einer anderen Krankheit vor etwa zehn Tagen in einem Krankenhaus in der Region Venetien im Norden Italiens behandelt worden. Am Samstag meldeten die Gesundheitsbehörden einen Fall in Dolo nahe Venedig, der dritte Fall in Venetien. In der Lombardei wurden mindestens weitere 16 Fälle gemeldet.

„Wir möchten die Bevölkerung beruhigen. Wir haben alle Personen unter Quarantäne gestellt, die mit den infizierten Menschen in Kontakt gekommen sind“, erklärte Premier Giuseppe Conte. Er leitete am späten Freitag ein Gipfeltreffen mit Speranza und mit Zivilschutzchef Angelo Borrelli.

Zehn Gemeinden in der Provinz Lodi mit insgesamt 50.000 Bürgern, aus denen die Infizierten stammen, riefen ihre Bürger auf, zu Hause zu bleiben und auf „soziale Kontakte“ zu verzichten. Beschlossen wurde die Schließung der Schulen, der Gemeindebüros und aller öffentlichen Lokale wie Restaurants und Diskotheken. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars und Sportzentren sollen in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilte Gesundheitsminister Speranza nach der Krisensitzung mit.

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Die lombardische Stadt Cremona schloss ihre Schulen. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in dem Dorf in der Provinz Padua ergriffen, aus dem das Todesopfer stammte. Die lombardische Bahngesellschaft Trenord beschloss, nicht mehr in der Kleinstadt Codogno zu halten, in der ein 38-Jähriger positiv auf das Virus getestet worden war. Der Mann, der in kritischem Zustand im Krankenhaus liegt, soll seine schwangere Frau angesteckt haben. „In Codogno ist keine Seele mehr auf der Straße. Alle Geschäfte sind geschlossen. Es ist, als wären wir in Wuhan“, kommentierte ein Bewohner.

Das Verteidigungsministerium stellte eine Reihe von Strukturen in der Lombardei und in der Emilia Romagna zur Verfügung, die Personen unter Quarantäne aufnehmen sollen. 130 Plätze wurden in einer Militäreinrichtung in Piacenza bereitgestellt, in Mailand gibt es circa 60 Plätze. „Italien ist gut vorbereitet, um mit dem Coronavirus-Notstand umzugehen. Wir haben bereits in den vergangenen Wochen einen Plan entworfen, den wir jetzt auf effiziente Weise umsetzen wollen“, sagte Gesundheitsminister Speranza.

In Italien war das Virus erstmals am 30. Jänner bei einem älteren Touristen-Paar aus China nachgewiesen worden. Das Urlauberpaar aus der chinesischen Krisenstadt Wuhan wurde auf eine Isolierstation im Institut für Infektionskrankheiten „Lazzaro Spallanzani“ in Rom gebracht. Die beiden befinden sich nach Angaben der Ärzte dort auf dem Weg der Besserung.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte indes, das „Zeitfenster“ zur Eindämmung der Epidemie schließe sich. Zuvor waren neue Infektionsherde sowohl aus China als auch aus mehreren anderen Ländern gemeldet worden. So starben im Iran bereits vier Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. „Wir sind immer noch in einer Phase, wo die Eindämmung möglich ist“, sagte Ghebreyesus. Wenn die Welt jetzt nicht „hart“ gegen das Virus vorgehe, werde sie vor einem „schwerwiegenden Problem“ stehen.

Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südkorea, wo die Zahl der Neuinfizierten am Samstag sprunghaft anstieg. Die Behörden des Landes meldeten 142 neue Erkrankungsfälle, die Gesamtzahl stieg damit auf 346 - die zweithöchste außerhalb Chinas. Ausgangspunkt ist die Shincheonji Church of Jesus. Die Verbreitung des Virus in der christlichen Sekte ging nach Behördenangaben von einer 61-jährigen Anhängerin aus, die Virustests zunächst verweigert hatte und weiter zu Gottesdiensten in der Stadt Daegu ging.

Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. Sechs deutsche Passagiere wurden am Freitag an Bord einer italienischen Maschine aus Japan ausgeflogen, wie das Auswärtige Amt im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.

Aus China, dem Epizentrum des Virusausbruchs, meldeten die Behörden am Samstag hingegen erneut sinkende Ansteckungszahlen und Todesfälle: 109 Menschen starben demnach seit Freitag an dem Virus, was die Zahl der Todesopfer auf über 2.300 steigen lässt. Insgesamt sollen den Behörden zufolge nun rund 76.000 Menschen mit dem Virus infiziert sein.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei „noch nicht gekommen“, vor allem die Lage in der Provinz Hubei sei weiterhin „düster und kompliziert“. In Hubei war im Dezember der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 erstmals bei Menschen festgestellt worden. In etwa 25 weiteren Ländern wurden insgesamt rund 1.100 Infektionen nachgewiesen. 14 Infizierte starben bisher außerhalb von China.


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