Zwei Todesfälle durch das Coronavirus in Norditalien

Italien hat zwei Todesfälle durch das neuartige Coronavirus gemeldet. Bei den Opfern handelt es sich um einen 78-jährigen Italiener aus der Nähe von Padua sowie um eine 75-jährige Lombardin. Die Frau, die tot in ihrer Wohnung aufgefunden und positiv auf das Coronavirus getestet wurde, soll sich in der Nothilfe des Krankenhauses von Codogno infiziert haben.

In derselben Notaufnahme soll sich auch der 38-jährige Mann angesteckt haben, der am Donnerstag als erster Infektionsfall in Norditalien gemeldet wurde. Er hatte auch seine im achten Monat schwangere Frau infiziert.

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Norditalien wuchs indes weiter. Am Samstag wurden von den Gesundheitsbehörden 39 Fälle in der Lombardei - vor allem in den Provinzen Lodi und Pavia - und zwölf in der Gegend von Padua (Region Venetien) gemeldet.

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Viruserkrankung hatten die Behörden am Freitag bereits in mindestens zehn lombardischen Städten die sofortige Schließung von Schulen, Behörden und sonstigen öffentlichen Gebäuden angeordnet. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars, Diskotheken sowie Sportzentren sollten in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilte Gesundheitsminister Roberto Speranza nach einer Krisensitzung mit. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste oder Sportevents wurden untersagt. In Venetien wurden ähnliche Maßnahmen vorbereitet.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

In der Kleinstadt Vo‘ Euganeo bei Padua, in der der am Freitag verstorbene Patient wohnte, wurden strikte Maßnahmen ergriffen, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern, teilte der Präsident Venetiens, Luca Zaia, mit. Auf welche Weise sich die Menschen dort angesteckt haben, sei unklar. Es habe keinen Kontakt zu den Infizierten in der Lombardei gegeben.

300 Patienten und 150 Mitarbeiter eines Krankenhauses in Schiavonia bei Padua wurden vorsichtshalber Kontrollen unterzogen und dürfen seit Freitag nicht das Spital verlassen. In Norditalien wurden die Apotheken von besorgten Bürgern gestürmt, die sich Atemschutzmasken als Vorbeugung für die Infektion beschaffen wollten. In vielen Städten standen keine Masken mehr zur Verfügung.

Der italienische Premier Giuseppe Conte versicherte auf Facebook, dass seine Regierung entschlossen auf den Notstand reagieren werde. Er schloss nicht aus, dass das Kabinett weitere Maßnahmen zur Eingrenzung der Epidemie in Norditalien ergreifen könnte, nachdem am Freitag zehn Gemeinden in der Lombardei mit rund 50.000 Menschen isoliert wurden.

Italien befürchtet schwere Auswirkungen der Epidemie auf die Wirtschaft. Der Präsident des Handelsverbands Confcommercio, Carlo Sangalli, warnte, dass die Epidemie in Norditalien vor allem die Gastronomie und Lokale belasten könnten. Auch der Tourismus sei betroffen. In den Mailänder Hotels sei ein bis zu zehnprozentiger Rückgang der Besucherzahlen während der Mailänder Modewoche gemeldet worden, die Tausende Menschen in die lombardische Hauptstadt lockt.

In Japan wurde bei einer zunächst negativ auf das neue Coronavirus getesteten Passagierin des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ nachträglich das Virus SARS-CoV-2 festgestellt. Das berichtete der japanische Fernsehsender NHK. Die Regierung in Tokio hatte der Frau erlaubt, das Schiff nach Ende der zweiwöchigen Quarantäne zusammen mit Hunderten anderen negativ getesteten Passagieren am Mittwoch zu verlassen. Sie durften mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Diese Entscheidung war unter Experten auf Unverständnis gestoßen.

Nach dem Ausbruch des Coronavirus in Norditalien gelten in Österreich erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht, aber es gibt nach wie vor keinen Grund zur Panik. „Wir haben in Österreich bisher bei 181 Verdachtsfällen Testungen durchgeführt, alle waren negativ“, hieß es Samstagmittag aus dem Gesundheitsministerium.

„Wir sind über das ‚Early Warning and Response System‘ der EU rund um die Uhr mit allen Ländern der EU vernetzt und können damit unmittelbar nach dem allfälligen Auftauchen des Verdachts einer Verbindung nach Österreich sofort Maßnahmen ergreifen. Österreich ist sicher eines der am besten vorbereiteten Länder der EU“, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Am Sonntag sollen in Wien die vor zwei Wochen aus China zurückgekehrte Frau und ihre drei Kinder nach einer Abschlussuntersuchung aus der Quarantäne entlassen werden, hieß es am Samstag aus dem KAV. Auch die letzten Tests seien bei ihnen negativ gewesen.

Auch aus der Sicht von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) ist die Lage „weiterhin stabil“, es bestehe kein Grund zur Panik. Es gelte nach wie vor, wachsam zu sein und die Situation sehr genau zu beobachten, teilte der Minister am Samstag per Aussendung mit. Österreich sei gut vorbereitet. „Der Einsatzstab des Innenministeriums unter der Leitung von General Franz Lang tagt am kommenden Montag erneut, um über die aktuelle Lage zu beraten“, kündigte Nehammer an. Der Stab befasse sich vor allem auch damit, die Aktivitäten aller Behörden, die rund um das Coronavirus im Einsatz sind, zu koordinieren und eng abzustimmen, hieß es.

Die US-Regierung wirft Russland unterdessen vor, hinter einer groß angelegten Desinformationskampagne rund um das neuartige Coronavirus zu stehen. Tausende von Russland gesteuerte Nutzerkonten auf Online-Plattformen verbreiteten Falschinformationen und Verschwörungstheorien rund um das Virus und behinderten damit den Kampf gegen die Epidemie, sagten US-Regierungsvertreter.

Zu der Desinformationskampagne gehöre eine Verschwörungstheorie, wonach die USA hinter der Epidemie steckten. Betreiber gefälschter Nutzerkonten auf Twitter, Facebook oder Instagram verbreiteten dabei die Behauptung, der US-Geheimdienst CIA habe das Virus in die Welt gesetzt.


Kommentieren


Schlagworte