Strache vs. Hofer: Fernduell der Ex-Parteifreunde am Aschermittwoch

Polit-Aschermittwoch: 14-mal hat Heinz-Christian Strache als FP-Chef in Ried gegen die Konkurrenz verbal ausgeteilt. Nun will er seinem Nachfolger Norbert Hofer die Show stehlen – bei der DAÖ-Sause in Wien.

Es war einmal ein FPÖ-Obmann Strache, der gegen die anderen Parteien wetterte. Nun wettert er gegen die vormals eigene Truppe.
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Von Karin Leitner

Wien – Zum 29. Mal sind die Blauen in der Rieder Jahn-Turnhalle zugange. An 14 Aschermittwochen stand Heinz-Christian Strache dort am Rednerpult – und attackierte zum Gaudium von biertrinkenden und heringschmausenden Parteigängern die Polit-Konkurrenten verbal. In den Jahren davor hatte der damalige FPÖ-Obere Jörg Haider rhetorisch geflegelt.

Nun ist Strache selbst einer der FPÖ-Widersacher. Ob der Ibiza- und der Spesen-Affäre ist er draußen aus der „freiheitlichen Familie“. In einer anderen ist er. Für die DAÖ, die „Allianz für Österreich“, engagiert sich der Ex-Vizekanzler. Drei vormalige FPÖ-Rathausmandatare haben sie Ende 2019 initiiert, einige Bezirksräte haben sich dazugesellt. Als „Gastredner“ ist Strache kommenden Mittwoch bei der DAÖ-Sause in der Wiener „Prater Alm“. Er dürfte kundtun, dass er für den FPÖ-Abspalter bei der Wien-Wahl (sie ist spätestens im Oktober) kandidiert.

Großes hat er sich dahingehend vorgenommen. SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig werde er herausfordern, sagt Strache. Mehr Zuspruch als die einstigen Gesinnungsfreunde vermeint er bekommen zu können: „Ich war die letzten 14 Jahre der Erfolgsfaktor der FPÖ in Wien. Und, sollte ich antreten, werde ich mit diesem Anspruch auch der Schmied und das Original sein.“ Schon in zwei Tagen will er seinem Nachfolger an der FPÖ-Spitze die Show stehlen. Norbert Hofer spricht in Ried – zeitgleich mit Strache in der Bundeshauptstadt – zu den Seinen. Die eigenen Themen werde er „spielen“, heißt es, sich nicht mit Strache beschäftigen. Er werde sich „nicht mit einer Kleinpartei messen“. Seine Gegner seien die rot-grüne Regierung in Wien und die türkis-grüne im Bund. Der oberösterreichische FPÖ-Obmann und Bundesparteivize Manfred Haimbuchner tritt ebenfalls auf; für ihn ist es kein Debüt. Von ihm gibt es schon seit Jahren sprachlich Deftiges statt Fastenkost. „Linke Bevormundungspropaganda“ ortete er 2019, „Migrationspaktierer“, „Sozialisten“, die „nicht grundsätzlich dumm“ seien, aber „Pech beim Nachdenken“ hätten.

Eine Gegenveranstaltung zu den Büttenreden in Blau gibt es. Die örtliche „Antifa“ lädt – traditionell – in Wels zu einer Zusammenkunft. Eine der anderen Art. Debattiert wird. Diesmal geladen ist der Vorzeigepolitiker der deutschen „Linken“, Gregor Gysi.

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Auch ein Roter zelebriert den Aschermittwoch. Der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer und nunmehrige Nationalratsabgeordnete Max Lercher hat in Judenburg den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Gewerkschafter, Rainer Wimmer, und die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik an der Seite.


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