„Einzig sinnvoller Weg“: Ein Posten für den Klimaschutz in Kufstein

Die Stadt Kufstein hat eine eigene Nachhaltigkeitsbeauftragte bestellt. Die 32-jährige Biologin soll die Abteilungen der Stadt vernetzen und die Gemeinde klimafit machen.

Umweltreferent Stadtrat Stefan Hohenauer, Nachhaltigkeitsbeauftragte Natalie Ismaiel und Bürgermeister Martin Krumschnabel (v. l.) sehen für die Gemeinde eine Vorbildfunktion in Sachen Umweltschutz.
© Stadt Kufstein

Kufstein – Im Juli vergangenen Jahres hatte die Stadt Kufstein als erste Tiroler Gemeinde den Klimanotstand ausgerufen und sich damit selbst freiwillig die Pflicht auferlegt, künftig bei der Stadtentwicklung möglichst umweltschonend vorzugehen. Seit 1. Jänner beschäftigt die Stadt eine eigene Nachhaltigkeitsbeauftragte, die Verbesserungspotenziale in der Gemeinde aufzeigen soll.

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich, Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und mit den Ressourcen der Erde effizient umzugehen“, sagt die neue Gemeindebedienstete Natali­e Ismaie­l. Die aus Wörgl stammende 32-Jährige studierte Biologie in Salzburg und Innsbruck, seit Dezember ist die Festungsstadt ihr Domizil.

Den Klimaschutz in der Region will sie in mehreren Bereichen forcieren. Grundlegend dafür sei die Bewusstseinsbildung. Diese beginne bereits in den Kindergärten und Schulen, die Bevölkerung solle jedenfalls verstärkt über Maßnahmen und Projekte der Stadt informiert werden. „Die Stadt selbst wird sich darum bemühen, mit gutem Beispiel voranzugehen, um diese Überzeugungsarbeit zu unterstützen“, meint dazu Bürgermeister Martin Krumschnabel.

In puncto Abfallwirtschaft will die Gemeinde präventiv arbeiten, sprich vermehrt Müll vermeiden. „Abfallvermeidung spart Energie, Rohstoffe und Kosten, schont Grundwasser und Boden und ist dadurch ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz“, erklärt Ismaiel.

Man arbeite an einem neuen Mobilitätskonzept, auch Veranstaltungen sollen „grüner“, also nachhaltiger werden. Ismaiel hebt einmal mehr die Bedeutung von ökologischen Gestaltungskonzepten hervor: „Grünflächen filtern Lärm und Staub, dämpfen Temperaturschwankungen, sorgen an Hitzetagen für Abkühlung und erhöhen das Wohlbefinden der Bürger.“

Derzeit arbeitet Ismaiel an einem Leitfaden zur Umsetzung konkreter Maßnahmen. Die Biologin würde sich für Kufstein etwa einen Unverpackt-Laden, mehr Secondhand-Angebote und eine offene Werkstatt wünschen. Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden sind ebenso Visionen, wie die Biodiversität in der Innenstadt zu erhöhen. Der lokale Klimaschutz soll ausgebaut werden: Heimische Pflanzenarten sollen Dächer zieren, Hecken statt Mauern zum Einsatz kommen und die Bodenversiegelung verhindert werden. In bestehenden Siedlungsgebieten sei es außerdem sinnvoll, die Einwohnerdichte zu erhöhen und eine weitere Zersiedelung zu verhindern.

„Durch das Verständnis, dass wir Teil des Systems Erde sind und jeder Bereich unseres Lebensstils Auswirkungen auf sie hat, können wir diese bewusst reduzieren. Gemeinsam. Es ist der einzige realistische und sinnvolle Weg, unsere Zukunft zu sichern, denn es geht um unsere Lebensgrundlage“, erklärt Ismaie­l. So soll es künftig mehr faire, regionale, vegan­e und biologische Werbematerialien der Stadt geben, dasselbe gilt für Büromaterial, Verpflegung und Einrichtung. Bevorzugt werden Drucksorten aus zu 100 Prozent recycelte­m Papie­r, alle Kaufentscheidungen werden generell darauf untersucht, wie langlebig und reparaturfähig ein Produk­t ist.

Als Nachhaltigkeitsbeauftragte soll Ismaiel alle für Kufstein tätigen Abteilungen vernetzen, erklärt Umweltreferent Hohenauer. „Europaweit werden Fördergelder ausgeschüttet, mit denen weitreichende Umweltschutzprojekte finanziert werden können. Diese Fördergelder ‚anzuzapfen‘ gehört genauso zum Aufgabengebiet wie die Koordination des e5-Energieteams“, so der Stadtrat. (TT)


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