Auto fuhr in Karnevalsumzug: 18 Kinder unter Opfern, Motiv weiter unklar

Am Montag fuhr ein Mann mit einem Auto in einen Rosenmontagsumzug im deutschen Bundesland Hessen. Dabei wurden mehr als 60 Menschen verletzt. Das Motiv ist weiter unklar.

Ermittler am Tatort in Volkmarsen.
© INA FASSBENDER

Kassel – Nach dem Vorfall beim Rosenmontagszug in Volkmarsen melden sich nach Polizeiangaben noch immer verletzte Menschen. Aktuell habe sich die Zahl auf fast 60 Verletzte erhöht, teilte die Polizei am Dienstag mit. Das Polizeipräsidium bat alle Menschen, die Verletzungen davongetragen haben - „auch wenn keine ärztliche Behandlung notwendig war“ -, sich zu melden. Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18. Wie stark die Kinder verletzt sind und ob unter den Opfern auch Schwerverletzte sind, konnte eine Polizeisprecherin zunächst nicht sagen.

Zum Motiv des 29 Jahre alten Mannes, der in der nordhessischen Stadt bei einem Rosenmontagszug mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren ist, werde es zunächst keine Angaben geben, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Es werde auch keine Angaben zum Aussageverhalten des Mannes geben. Derzeit gehe um eine Bestandsaufnahme.

Später gab ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bekannt, dass der Lenker nicht alkoholisiert war. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest. Ein sogenanntes Gaffervideo hat zu der zweiten Festnahme – neben dem Lenker – geführt. Gegen den Festgenommenen werde wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ ermittelt, sagte der Sprecher. Ob es darüber hinaus einen Zusammenhang zur Tat gegeben habe, müsse noch ermittelt werden.

Daneben hätten sich bereits Zeugen gemeldet, die während des Rosenmontagszuges Handyfotos oder Videos gemacht hatten, um ihre Aufnahmen den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. „Das hilft natürlich für die Ermittlungen der Gesamtsituation“, sagte der Sprecher.

Der Tatort in Volkmarsen wurde am Dienstag wieder freigegeben. Die Straße in der Innenstadt werde noch gereinigt und sei dann wieder für Fußgänger und Autofahrer nutzbar, sagte ein Polizeisprecher vor Ort.

In Nordhessen fuhr ein Mann mit einem Auto in einen Karnevalsumzug. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.
© ELMAR SCHULTEN

Ermittlungen wegen versuchten Tötungsdelikts

Hessens Innenminister Peter Beuth hatte zunächst von etwa 30 Verletzten gesprochen, rund ein Drittel davon Kinder. Der 29-jährige deutsche Staatsbürger, der aus Volkmarsen kommt, wurde festgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Noch am späten Montagabend hatte die Polizei vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters gewarnt. „Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter“, schrieb die Polizei Nordhessen bei Twitter. „Teilen Sie keine Falschnachrichten!“, hieß es. Dazu stellte sie ein Bild, auf dem mehrere Menschen zu sehen sind, die neben einem Auto stehen. Ihre Gesichter wurden unkenntlich gemacht. Es würden derzeit Fotos kursieren, die angeblich die Festnahme des Täters zeigen sollen, hieß es in dem Tweet.

Eine Absage der Karnevalsumzüge in ganz Hessen war am Dienstagmorgen noch offen. Die Sicherheitsexperten des Landeskriminalamtes werden in Absprache mit den Veranstaltern zeitnah eine Entscheidung treffen, wie ein Sprecher des hessischen Innenministeriums sagte.

In Nordrhein-Westfalen gibt es weiterhin keine landesweite Absage von Karnevalsumzügen am Veilchendienstag. Etwa der große Zug in Mönchengladbach solle stattfinden, sagte eine Polizeisprecherin. Das Sicherheitskonzept solle nochmals angeschaut werden, aber: „Wir machen unseren Karneval“, betonte sie. (dpa)

📽 Video | Motiv nach Vorfall bei Rosenumzug nach wie vor unklar


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