Frauenhaus notwendig: Kein Schutz im Oberland

Eine Gewaltschutzeinrichtung sucht man im Oberland vergebens. Der Bedarf ist unumstritten, an der Umsetzung haperte es bisher.

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Von Matthias Reichle

Landeck –„Im Oberland gibt es nichts.“ Gabi Plattner, Leiterin der Tiroler Frauenhäuser, sieht in den drei westlichsten Bezirken Imst, Landeck und Reutte noch viel Luft nach oben. Während es im Unterland und in Osttirol zumindest Notwohnungen gebe, in denen von Gewalt betroffene Frauen Zuflucht finden, suche man entsprechende Schutzeinrichtungen im Oberland vergeblich.

Dabei ist die Forderung nach einem Frauenhaus über die Parteigrenzen hinweg unumstritten. Bisher passiert ist allerdings nichts.

Die Reuttener VP-Nationalrätin Liesi Pfurtscheller hat immer wieder die Wichtigkeit einer solchen Einrichtung betont: „Sie steht ganz oben auf der Agenda“, erklärte die ÖVP-Frauensprecherin kürzlich bei einer Bilanzpressekonferenz. „Zunächst brauchen wird aber Geld“, unterstreicht sie. Man müsse schauen, wie man das Oberländer Frauenhaus finanziell auf den Weg bringen kann, sprach sie die anstehenden Budgetdebatten an. Das Thema sei wichtig. „Von Innsbruck-Land aufwärts gibt es keine Möglichkeit für Frauen, Schutz zu finden – das ist ein blinder Fleck.“ Die Versorgung sei hier nicht gewährleistet.

Auch die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende, Nationalrätin Selma Yildirim, hat immer wieder ein Frauenhaus fürs Oberland gefordert. Sie spricht von „Lippenbekenntnissen“ der Verantwortlichen und einem guten Thema für PR. „Wenn man das Thema aufgreift, sind alle Fraktionen für Gewaltschutz, wenn es um die Umsetzung geht, passiert nichts“, kritisiert sie. Laut Yildirim würden selbst nach der Eröffnung des neuen Frauenhauses im Raum Innsbruck im vergangenen Jahr weitere 20 Schutzplätze benötigt. Laut ihr ist das Land zuständig, hier würde kein Geld im Budget vorgesehen, beklagt sie.

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Der Bedarf ist laut Frauen­haus-Geschäftsführerin Plattner jedenfalls in Tirol gegeben. Mit der neuen Unterbringung sei die Zahl der Plätze in ihrem Haus verdoppelt worden. Trotzdem sei man bereits voll, es gebe eine Warteliste. Sie kennt den langen Kampf um den Bau einer solchen Einrichtun­g nur zu gut. „Wir haben 18 Jahre für ein neues Gebäude gekämpft, bei uns hat es immer geheißen, dass es wichtig sei – trotzdem hat es lange gedauert“, so Plattne­r.


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