Nach Brand in Wildschönau: „Glaube, der Herrgott hat uns geweckt“

Die Erinnerungen an die Brandnacht vor mehr als zwei Wochen sind bei den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft in der Wildschönau noch sehr präsent. 20 Personen haben ihr Zuhause verloren – und trotzdem einen Grund zur Freude.

Die Firmgruppe aus Auffach sammelte für die Betroffenen Hygieneartikel und Dinge des alltäglichen Lebens.
© Silberberger

Wildschönau – Keine drei Wochen sind vergangen, seit die 20 Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft in Wildschönau vom Lärm lodernder Flammen aus dem Schlaf gerissen wurden. Die Angst sitzt bei den Betroffenen noch tief im Nacken – und gleichzeitig ist man von der Hilfsbereitschaft in der Gemeinde gerührt.

Wie berichtet, hatte in einem Schuppen abgelegte Asche aus einem Ofen nach mehr als einem Tag ein Feuer entfacht – der Brand breitete sich rasch aus und erreichte wenige Minuten später das Wohnhaus. Die Feuerwehr konnte alle Personen rechtzeitig bergen, doch es war ein Kampf gegen die Zeit, erinnert sich Elmar Kohler, Obmann der Gemeinschaft, an die dramatischen Minuten in dieser Nacht: „Ich saß im Bett, irgendetwas hat mich geweckt – ich glaube, es war der Herrgott. Und dann erblickte ich plötzlich das gelbe Licht von draußen, bin dann auf den Balkon und sah, dass der Schafstall lichterloh brannte.“

Das Feuer war in der Nacht auf den 9. Februar in einem der Holzhäuser im Garten ausgebrochen. Die Flammen griffen dann auf das Wohnhaus über, in dem 20 Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft schliefen.
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Sofort weckte er die Schäferinnen, die einen Stock höher schliefen, und setzte den Notruf ab. Christl Gwiggner wurde durch die zerberstenden Fenster geweckt: „Durch den Lärm der Glassplitter bin ich munter geworden. Man glaubt im ersten Moment gar nicht, was da passiert.“ Der Überlebensinstinkt sagte ihnen, was zu tun war: „Unser erster Gedanke galt jenen Bewohnern, die nicht mehr so flott auf den Beinen sind“, erklärt Kohler und spricht gleichzeitig der Landesleitstelle ein großes Lob für die Unterstützung am Telefon aus: „Schaut, dass ihr erst mal die Leute aus dem Haus bringt“, habe die „ruhige und sachliche“ Anweisung aus Innsbruck gelautet. Kurz nachdem Gwiggner das Haus verlassen hatte, traf auch schon die Feuerwehr ein, dankt die Dame den Einsatzkräften.

Ein Mitglied der Gemeinschaft habe sich beim Befreien der Schafe eine kleine Brandwunde zugezogen. „Das war alles – wir hatten einfach Riesenglück“, sagt Gwiggner. Die vier hochträchtigen Schafe wurden zwischenzeitlich bei einem Landwirt in Mühltal untergebracht und werden dort versorgt.

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Die Welle der Hilfsbereitschaft, die den nunmehr Obdachlosen am Sonntag entgegenkam, sei unglaublich gewesen. Und das, obwohl die Gruppe nur wenig Kontakt zu den Dorfbewohnern pflegte. Gwiggner: „Wir standen ja da ohne Dach über dem Kopf, aber Bürgermeister Hannes Eder und vor allem Gemeinderätin Maria Gwiggner zogen alle Register.“ Einen Tag später konnte die 20-köpfige Glaubensgemeinschaft in eine stillgelegte Pension in Oberau einziehen.

© Silberberger

Am Dienstag warteten Firmlinge aus dem Ortsteil Auf- fach der Gruppe mit einer Überraschung auf: Gemeinsam mit ihren Tischmüttern Johanna Fill, Kristel Silberberger und Martina Hohlrieder sammelten sie praktische Dinge des täglichen Lebens und übergaben diese mit Pfarrer Paul Rauchenschwandter an die Betroffenen.

„Wir waren dieser Tage mehrmals zu Tränen gerührt“, freut sich Gwiggner über die Spenden. „Wir sind von der Hilfsbereitschaft einfach überwältigt und möchten uns bei allen ganz herzlich bedanken.“

Noch wartet die Wohngemeinschaft auf die Untersuchungsergebnisse, ob das Haus abgerissen werden muss. Die Schäden durch Feuer und Löscharbeiten sind beträchtlich. Man wolle so schnell wie möglich ins normale Leben zurück, gegebenenfalls mit dem Neubau des Hauses beginnen. (ts, jazz)


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