Nach Kritik: Stadt Schwaz lehnt Pflastersteine aus Indien ab

Das Material für die Neupflasterung der Schwazer Altstadt war in Stein gemeißelt, stieß aber auf breites Unverständnis. Nun muss umgeplant werden.

Derzeit sieht der Belag der Schwazer Altstadt eher nach einem Fleckerlteppich aus. Das soll sich noch heuer ändern.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Die Schwazer Innenstadt soll neu gepflastert werden – ein Großprojekt mit einem Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro. Doch dass dafür indische Steine angeliefert werden sollen, stieß bei einigen Schwazern auf Unverständnis – die TT berichtete. Beim Faschingstreiben nahm man die Entscheidung für die Steine aufs Korn. Als Inder verkleidet tauchte ein Bautrupp am Stadtplatz auf und brachte das neue Pflaster mit. Viele Zuschauer kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus.

Auch die Politiker schmunzelten auf der Tribüne. Doch an diesem Tag wussten sie schon: Der indische Stein wird nicht kommen. Aber nicht, weil man sich gegen den weiten Transportweg entschieden hat. Das Nein zum Stein kam, weil der indische Anbieter den Stein nicht schneiden kann. „Und Gebrochene kann man nicht so eng aneinanderlegen. Das bedeutet größere Fugen und das ist nicht so fein zum Gehen, gerade für die Frauenwelt mit Stöckelschuhen“, erklärt VBM und Baureferent Martin Wex. Die Pflastersteine von Indien anliefern und dann irgendwo schneiden zu lassen, das wollte man nicht. Der Aufwand spreche nicht dafür.

Daher habe man Alternativen gesucht. „Wir wollten ja keinen Porphyr-Stein mehr, wie bis jetzt, da dieser unter schwerem Gewicht leichter bricht als andere“, sagt Wex auf Anfrage der TT und erklärt weiter: „Es gibt aber einen so genannten Kern-Porphyr mit einer anderen Härte und besseren Eigenschaften.“ Zudem könne man diesen Stein aus Oberitalien, in der Trienter-Gegend, beziehen. „Das bedeutet kürzere Lieferwege und wir bekommen die Steine aufbereitet und geschnitten“, sagt Wex. Ein weiterer Vorteil sei, dass man diesen Stein nicht wie bisher in den Boden „betonieren“ müsse, sondern auf Sand verlegen könne. Das bedeutet, dass man bei einem Tausch nicht auch alle umliegenden Pflastersteine herausschremmen müsse, sondern auf einfachere Weise einzelne Steine tauschen könne.

Der indische Stein wurde übrigens vor allem aufgrund seiner rötlichen Färbung und der Härte ausgewählt. Auch die neue italienische Variante soll rötlich sein und ins Stadtbild passen. Daher wolle man laut Wex nun auch den Beirat des Stadt- und Ortsbildschutzgesetzes hinzuziehen. Vor allem wenn es dann auch um den Belegungsplan gehe. „Erst dann bestellen wir“, sagt Wex.

Bisher hat man die Neupflasterung mit 1,85 Mio. Euro budgetiert. „Gegenüber dem indischen Stein sind wir bereit, nun tiefer in die Tasche zu greifen“, sagt Wex. Wie tief genau, wollte er nicht verraten, aber das Gesamtprojekt komme auf über zwei Millionen Euro.

Für Verunsicherung sorgt nun der Zeitplan. Wann wird die Franz-Josef-Straße durch die Altstadt aufgerissen? Wann ist das neue Pflaster fertig? In welchem Zeitraum ist keine Zufahrt zu den Geschäften möglich? Dazu solle es laut Wex noch präzise Infos für alle Betroffenen geben. Auch beim Stadtforum Ende März wolle man einen Zeitplan präsentieren.


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