Von Bildung bis Arbeit: Welche Mängel Jugendliche auf dem Land orten

Es hapere bei Arbeit, Infrastruktur und Bildung, hat eine Umfrage der Bundesjugendvertretung unter 3300 Österreichern unter 30 ergeben.

Ein besseres Ausbildungs- und Arbeitsangebot für junge Menschen auf dem Land sei nötig, befinden die Bundesjugendvertreter.
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Wien – Jugendliche wollen gerne auf dem Land leben, sehen aber Mängel bei Arbeit, Infrastruktur und Bildung. Das geht aus einer Umfrage der Bundesjugendvertretung (BJV) hervor. Sie hat im vergangenen Jahr 3300 Österreicher unter 30 zu den Themen ländlicher Raum, Arbeit und Jugendarbeit befragt.

92 Prozent haben angegeben, gute Jobs und Arbeitsmöglichkeiten seien ihnen wichtig, wenn sie auf dem Land leben wollen. Die Realität sieht ihrem Urteil zufolge aber anders aus. Weniger als ein Drittel glaubt, im ländlichen Raum hochwertige Arbeit finden zu können. Vor dem Hintergrund der Landflucht sieht die Bundesjugendvertretung diese Zahlen als Alarmsignal. „Um der Abwanderung vom Land entgegenzusteuern, ist ein innovatives und besseres Ausbildungs- und Arbeitsangebot für junge Menschen nötig“, sagt Derai Al Nuaimi, einer der vier BJV-Vorsitzenden. Besonders Fachkräfte und Lehrstellen müssten gefördert werden.

Und wie bewerten die Jugendlichen die Infrastruktur im ländlichen Raum? Nur 28 Prozent finden, es gebe genügend öffentliche Verkehrsmittel, die den ländlichen Raum mit den nächstgelegenen Städten verbinden. „Junge Menschen wollen nicht vom Auto ihrer Eltern abhängig sein“, sagt BJV-Vorsitzende Isabella Steger. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, auf dem Land einen Zugang zu hochwertiger Bildung zu haben. 94 Prozent meinen, der Zugang zu guter Bildung sei ihnen wichtig, wenn sie auf dem Land leben wollen.

Unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt leben, sehen sich viele junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. 35 Prozent sind den Ergebnissen zufolge nicht der Meinung, dass ihre Generation Zugang zu guten Jobs mit fairen Arbeitsbedingungen hat. Was die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt anlangt, sagen 36 Prozent, keine guten Informationen oder angemessene Unterstützung zu erhalten. 64 Prozent der Befragten orten Chancenungleichheit unter jungen Menschen. Sie sagen, nicht alle hätten die gleichen Möglichkeiten, Fähigkeiten zu entwickeln, die für den Arbeitsmarkt notwendig sind.

Die Umfrage ist Teil des EU-Jugenddialogs. Dieser sieht Befragungen dieser Art in allen Mitgliedsländern vor. Die Ergebnisse werden am Ende des Prozesses auf EU-Ebene diskutiert, auf der gemeinsame Ziele erarbeitet werden. Die vorherige, sechste Version des Jugenddialogs – in den Jahren 2017/18 – hat elf Jugendziele hervorgebracht, darunter die Stärkung der Jugend im ländlichen Raum, aber auch gute Arbeit, psychische Gesundheit und Wohlbefinden.

Die aktuelle, siebente Version des Jugenddialogs hat im Jänner 2019 begonnen. Teile der Befragung in Österreich waren eine Online-Umfrage sowie Dialoge in Kleingruppen. Die Bundesjugendvertretung trägt die Resultate in die zweite Österreichische Jugendkonferenz – von 4. bis 6. März in Vorarlberg – weiter.

Bei dieser kommen 60 – von der BJV in einem Bewerbungsverfahren ausgewählte – Jugendliche mit den Jugendreferenten der Bundesländer zusammen. Was die Auswirkungen der Umfrage auf politische Aktionen betrifft, sieht Steger noch viel Spielraum: „Die Meinung von jungen Menschen muss noch viel ernster genommen werden.“ Sie meint aber, dass jungen Menschen die Angst vor der politischen Beteiligung genommen werde. (APA, TT)


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