Zu wenig Nachwuchsköche im Ötztal: Klare Botschaft an die Jugend

Bei nur 16 Kochlehrlingen im Tal herrscht Handlungsbedarf: Ötztaler Genussbotschafter nehmen sich der regionalen Produkte an und bringen diese gekonnt auf den Teller.

Philipp ­Stohner coachte bereits das ­Nationalteam zu Gold, nun gibt er sein Wissen jungen Ötztalern weiter.
© Franz Oss

Von Thomas Parth

Ötztal – Der Ötztal Tourismus fungiert als Projektträger der so genannten „Genussbotschafter“. Dazu wurden bereits die ersten heimischen Gastronomielehrlinge ausgebildet. Sie lernten Ötztaler Produzenten und deren Arbeitsweise sowie die regionalen Spezialitäten kennen, um sie am Ende bewusst in Szene setzen zu können. Die Spange soll Landwirtschaft und Tourismus besser zusammenhalten bzw. zusammenführen.

Im Ötztal haben wir zirka 50 Lehrlinge in der Gastronomie und davon nur 16 Köche.
Dominik Linser (Ötztal Tourismus)

Mit im Boot sind von Sozialpartnern über Gastronomen und Banken bis hin zu Agrarmarketing und Regio Imst etliche Projektpartner, wie Dominik Linser von Ötztal Tourismus hervorheben kann. „Man möchte glauben, es sei ein Leichtes, die im Ötztal hergestellten Spezialitäten auch dort an die Konsumenten zu bringen. Aber weil die Dienstleistungskette mitunter Umwege nimmt oder weil in den Küchen die Skills fehlen, landen Top-Produkte nicht bei uns auf der Speisekarte und auf den Tellern der Gäste. Genau das wollen wir ändern!“, bekräftigt Linser.

„Das Auge isst mit“: Heimische Gerichte werden inszeniert.Fotos: Franz Oss
© Franz Oss

Bereits acht Genussbotschafter konnten die Ausbildung erfolgreich durchlaufen und die Stimme des Ötztals in die Welt tragen. „Insgesamt gehören die Berufsbilder in der Gastronomie und Hotellerie diesbezüglich nachgeschärft und aufgewertet. Den Köchen, Kellnern und Rezeptionisten wollen wir Wissen vermitteln und ihnen eine Bühne bieten, auf der sie glänzen können“, schildert der Tourismusmanager.

Produkte mit Geschichte oder eingebunden in ein – auf Neudeutsch – „Story-telling“ sollen dem Gast von der Art und Weise, wie ein Lebensmittel erzeugt wird, erzählen. „Die erste Stufe war die Ausbildung. Diese stärkt die Fähigkeiten der einzelnen Akteure. Es gibt unzählige tolle Produkte, die uns das Tal schenkt – diese gehören ins Rampenlicht. Gleichzeitig sollen die Lehrlinge direkt von den Bauern, Fischzüchtern oder Winzern erfahren, mit wie viel Liebe und Herzblut diese ihre Arbeit verfolgen“, schildert Linser. Aber auch das „Handwerk“ kommt nicht zu kurz. „Gezeigt wird, direkt vor Ort bei uns im Ötztal, wie Fleisch richtig geschnitten und portioniert wird, wie Obst erzeugt wird, wie man Schnaps oder auf der Alm Käse herstellt“, zeigt Linser die Bandbreite auf.

Dominik Linser.
© Parth

Nicht vergessen wird dabei auf die historischen Hintergründe, wie das Tal besiedelt wurde, welche Traditionen und welche Kultur dahinterstecken. Hier arbeite man z. B. mit den Ötztaler Museen intensiv zusammen, um auf die „Wurzeln“ nicht zu vergessen. Die zweite Stufe beschäftigt sich mit den Produktionskreisläufen, den Anforderungen der Hotellerie an den Handel und mit der Logistik. Stufe drei befasst sich mit Vermarktungsstrategien. Wie wertvoll das Bemühen um eine Imagepolitur und wie wichtig die Arbeit der Genussbotschafter ist, zeigen die nackten Zahlen: Im gesamten Ötztal finden sich nur noch 16 Kochlehrlinge, verteilt über drei Lehrjahre. In Summe hat eine der stärksten Tourismusregionen Österreichs lediglich etwas über 50 Lehrlinge in Gastronomie und Hotellerie (inklusive Koch, Kellner, Rezeption etc.) vorzuweisen. Mitte Juli startet jedenfalls das zweite Ausbildungsmodul „Almwirtschaft“. Anfang September folgt das Finale mit „Foodhunting“. Linser definiert sein Bemühen um die Genussbotschafter klar mit den Worten „Open End“. Auf www.oetztal-genussbotschafter.at finden sich ­Zusatzinfos.


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