Schönborn übergibt sein Amt: Bischöfe küren Chef in Tirol

Bei der Frühjahrstagung der Bischöfe geht eine Ära zu Ende. Ein neuer Vor-sitzender der Bischofskonferenz wird gewählt, Kardinal Schönborn tritt ab.

Bei der Frühjahrstagung in Tirol wählen die Bischöfe einen neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn tritt zurück.
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Von Peter Nindler

Innsbruck, Pfons – Die Frühjahrstagung der österreichischen Bischöfe ist wie jene im Herbst ein Ritual. Es werden die Herausforderungen für das heurige Jahr besprochen und brennende Themen diskutiert. Die Nachbetrachtung der Amazonas-Synode mit der Frage des Zölibats dürfte die Bischöfe inhaltlich beschäftigen, wie auch die Debatte zu Missbrauch in kirchlichen Institutionen. Doch von 16. bis 19. März werden die Oberhirten auch eine zentrale personelle Weichenstellung vornehmen. Nach 22 Jahren tritt der Wiener Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz ab.

Damit geht eine Ära zu Ende. Zuletzt hat Papst Franziskus den 75-jährigen und gesundheitlich angeschlagenen Schönborn noch bis auf Weiteres im Amt belassen. Kirchenintern wird jedoch damit gerechnet, dass spätestens bis Jahresende Schönborn auch als Erzbischof von Wien in den wohlverdienten Ruhestand treten kann. 1995 folgte er nach dem Skandal um Kardinal Hans Hermann Groër diesem nach.

In der nächsten Woche dürfte Christoph Schönborn die Vorgangsweise bis zur Bischofskonferenz bekannt geben. Fest steht jedoch, dass die Bischöfe bei der Frühjahrstagung den Nachfolger wählen werden. Der Kardinal wird wohl die Tagung eröffnen und sie dann als einfaches Mitglied wieder verlassen.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hat lediglich eine koordinierende Funktion, gilt aber allgemein als „Chef“ der Bischöfe, weil er schließlich ihr Sprachrohr ist. Über die Nachfolge wurde in den vergangenen Wochen viel spekuliert. Möglicherweise entscheiden sich die Bischöfe für eine pragmatische Lösung und wählen Schönborns Stellvertreter in der Bischofskonferenz, den Salzburger Erzbischof Franz Lackner, zum neuen Vorsitzenden. Lackner dürfte diese Funktion dann wohl nur zeitlich befristet ausüben.

Denn es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass mit der Kardinalswürde in Österreich auch der Vorsitz in der Bischofskonferenz einhergeht. Doch das dürfte noch dauern. Zuerst erhält Wien einen neuen Erzbischof, nach einer gewissen Zeit wird ihm die Kardinalswürde verliehen. Welche Alternativen gibt es zu Franz Lackner? Der Linzer Bischof, Manfred Scheuer, zählt zu den anerkanntesten, profiliertesten und erfahrensten kirchlichen Würdenträgern in Österreich. Ihm wird das Amt des Vorsitzenden von vielen zugetraut. Die geographische Nähe zu Wien würde ebenfalls für Scheuer sprechen.


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