Wirtshaus „Schöneck“: Das eigene „Kind und Hoamatl“ weitergegeben

Nachdem Alfred Miller „sein“ Schöneck übergeben hat, schmiedet er jetzt Zukunftspläne. Und die bleiben weiter in der Gastronomie.

Alfred Miller, Neo-Pensionist, in einem seiner Lieblingslokale, dem „Burenwirt“.
© Stegmayr Markus

Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Mit Ende 2019 hat der Innsbrucker Haubenkoch Alfred Miller sein Wirtshaus „Schöneck“ übergeben. Damit hat er auch, wie er selbst sagt, sein „Hoamatl“ und „Kind“ abgegeben. In die Wehmut über das Ende mischen sich aber auch Zukunftspläne.

Eine „seltsame Sache“ sei es gewesen, meint Alfred Miller, wenn man ihn auf die Situation anspricht, als er endgültig loslassen musste und sein „Kind“ Schöneck jemand anderem überlassen hat. „Das Schöneck war einfach mein Leben“, fügt er rasch und mit melancholischem Unterton hinzu. Wenn er von Leben spricht, dann meint Miller immerhin die fast 20 Jahre, die er als Wirt, Spitzenkoch und leidenschaftlicher Gastgeber dort verbracht hat.

Dass er sein „Baby“, als das er sein Ex-Wirtshaus im Gespräch ebenfalls immer wieder bezeichnet, irgendwann abgeben muss, war ihm schon seit Jahren bewusst. „Der Gedanke dazu wurde vor etwa fünf Jahren geboren“, erzählt er. In den vergangenen Monaten habe sich diese Idee aber stark intensiviert.

Der 29-jährige Innsbrucker Philipp Hortner, der mit Anfang Jänner übernahm und Mitte Jänner das „Schöneck“ nach kurzer Pause wieder aufgesperrt hat, war bereits in der Küche von Miller tätig. „Er hatte eigentlich schon im Winter 2018/2019 Interesse“, führt der frischgebackene Gastro-Pensionist aus. Problemlos war die Zusammenarbeit in der Küche aber nicht immer. Von „Generationskonflikten“ spricht der 71-jährige diesbezüglich.

Dass Hortner sein „Hoa­matl“ jetzt weiterführt, scheint für Miller zumindest von ambivalenten Gefühlen begleitet zu sein. Völlig loslassen konnte er bislang nicht. „Ich würde durchaus gerne weiterhin beim ‚Schöneck‘ beratend tätig sein“, streicht Miller hervor. Nur um dann nachzuschieben, dass er sich „nicht aufdrängen wolle“ und dass ihn Hortner einfach „jederzeit anrufen“ könne.

Doch auch mit 71 hat der Koch noch Zukunftspläne. Er habe jetzt endlich Zeit, „Idee­n zu spinnen“: Oftmals seie­n diese im Schöneck-Stress schlicht untergegangen. Soga­r ein „kleines Loka­l“, das er ganz ohne Druck führe­n und bei dem er sich einzig und allein auf das Kochen und Gastgeber-Sein konzentriere­n kann, spukt ihm schon im Kopf herum. „Zwei bis drei Jahre könnte ich das wohl noch machen“, so Miller.

Auch seinen Gastro-Kollegen mit gutem Rat unter die Arme zu greifen, kann er sich sehr gut vorstellen. „Ich schaue mir nach wie vor viele Lokale an und sage den Chefleuten, wenn sie es wollen, auch gerne meine Meinung“, sagt Miller.

Jedenfalls wird man ihn in nächster Zeit in dem einen oder anderen Lokal in und rund um Innsbruck antreffen. Jetzt, wo er dafür mehr Zeit hat. „Ich gehe gerne in gute Lokale, allerdings nicht mehr in die Spitzengastronomie“, sagt Miller lachend.


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