Österreichs siebenter Coronavirus-Fall in der Steiermark

Beim siebenten bestätigten Coronavirus-Fall in Österreich handelt es sich um eine ungefähr 50 Jahre alte Frau in der Steiermark. Sie war aus einem Risikogebiet in Oberitalien zurückgekehrt. Die Frau befand sich am Samstag mit einer leichten Infektion im Krankenhaus, hieß es am Samstag bei einer Pressekonferenz des Landes Steiermark.

Alle Kontaktpersonen wurden verständigt und aufgefordert, zu Hause zu bleiben, sagte die steirische Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Dabei handelt es sich um ihre Angehörigen. Laut dem Mediziner Karlheinz Tscheliessnigg ist die Frau „psychisch und gesundheitlich gefasst“ und befindet sich „in guter Umgebung, wo sie kontrolliert und monitoriert wird“. „Alle notwendigen Vorbereitungen wurden getroffen, die Bevölkerung kann sich sicher fühlen“, betonte die steirische Sozialreferentin Doris Kampus (SPÖ).

Erst Freitagnachmittag wurde bekannt, dass ein Wiener Jugendlicher ebenfalls an der neuartigen Infektion erkrankt ist. Es handelt sich um den Sohn eines bereits infizierten Wiener Paares. Die Tochter ist hingegen nicht infiziert. Der Jugendliche aus Wien ist Schüler am Erzbischöflichen Gymnasium Hollabrunn.

Die Bezirkshauptmannschaft habe umgehend Maßnahmen zur häuslichen Quarantäne eingeleitet, teilte Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Freitagabend mit. Betroffen seien vier Lehrkräfte sowie 23 Schülerinnen und Schüler der Geburtsjahrgänge 2003 bis 2005. Die verfügte „Absonderung in den eigenen Räumlichkeiten“, also häusliche Quarantäne, bedeute, dass der eigene Wohnbereich nicht verlassen werden dürfe, und bei Auftreten von Symptomen die Gesundheitsbehörde (Bezirkshauptmannschaft) zu verständigen sei. Die Maßnahmen blieben bis 11. März aufrecht, teilte das Land mit.

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Bei dem 72-jährigen Patienten in Wien handelt es sich nach APA-Informationen um einen renommierten Anwalt. Dass er Kanzleimitarbeiter angesteckt haben könnte, ist nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen. Demgegenüber sind 181 Spitalsmitarbeiter, die mit dem Mann womöglich Kontakt hatten, negativ auf eine Infektion getestet worden. Wo sich der 72-Jährige selbst angesteckt hat, steht nach wie vor nicht fest.

Bis Freitag, 16.30 Uhr, wurden laut Gesundheitsministerium 763 Tests durchgeführt. Darunter waren auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) und seine Delegation, die nach einem Besuch im Iran negativ getestet wurden. In der Delegation befand sich zudem ein Journalist, der nach der Rückkehr am Montag Symptome einer Virusinfektion aufwies und daher als Verdachtsfall zunächst am Donnerstag im Kaiser-Franz-Josef-Spital aufgenommen worden war. Am Abend wurde er dann mit einem Infektionstransport nach Hause gebracht. Am Freitag lag dann auch sein Ergebnis vor: Er war ebenfalls negativ getestet worden.

Wien hat am Freitag seinen Notfallplan vorgelegt. Ein zentraler Punkt ist die Ausweitung des Ärztefunkdienstes. Von einem Besuch von Ordinationen und Ambulanzen wird dringend abgeraten. Menschen mit Infektionsverdacht sollten die Hotline 1450 anrufen. Betroffene werden dann vom - personell deutlich aufgestockten - Ärztefunkdienst besucht. Der medizinische Krisenstab der Stadt Wien hat am Freitag indes die Entscheidung getroffen, vorerst keine Einschränkungen für Kongresse, Tagungen, Sportveranstaltungen und ähnliche Veranstaltungen auszusprechen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) präsentierten außerdem eine Informationskampagne, um die Bevölkerung über das neuartige Coronavirus aufzuklären. Vorgestellt wurde auch eine Task Force, die im Gesundheitsministerium einen medizinischen Beirat rund um SARS-CoV-2 bildet. „Wir ziehen die Kompetenzen in Österreich zusammen“, betonte Anschober.

Recht allgemeine Empfehlungen traf Österreichs Nationaler Sicherheitsrat (NSR) am Freitagabend. Der Bundesregierung wurde einerseits ein intensiver Austausch der für die Eindämmung zuständigen Stellen der öffentlichen Verwaltung empfohlen, andererseits eine umfangreiche Information der Bevölkerung.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bedankte sich Freitagabend via Social Media bei allen Helfern in der aktuellen Corona-Krise. „Sie alle bilden gemeinsam so etwas wie das ‚Team Gesundheit Österreich‘ und tragen mit aller Kraft dazu bei, dass wir möglichst gesund bleiben“, würdigte er Pfleger, Ärzte, Apotheker, Polizisten, Rettungsdienste, aber auch das Bundesheer und die Einsatzstäbe. „Auch Sie, liebe Bürgerinnen & Bürger, können einen Beitrag leisten, indem Sie die empfohlenen hygienischen Schutzmaßnahmen beachten“, so der Bundespräsident weiter.

Mit Symptomen, die potenziell auf eine Infektion hindeuten, soll man für medizinische Auskünfte die Telefonnummer 1450 wählen, mit Fragen und Sorgen allgemein die Hotline unter 0800-555-621.

Anschober kündigte zwei Erlässe und drei Verordnungen an, damit zentrale Vorgaben rechtsverbindlich in allen Bundesländern umgesetzt werden. Der Gesundheitszustand des mit dem Coronavirus infizierten italienischen Pärchens in Innsbruck ist nach wie vor unverändert gut. Der Zulauf zur eigens an der Innsbrucker Klinik eingerichteten Screening-Ambulanz für Coronavirus-Fälle hielt sich indes in Grenzen. In ganz Tirol werden im Kampf gegen das Coronavirus nun mobile Screening-Teams eingerichtet. Damit können die für eine Coronavirus-Testung notwendigen Abstriche in ganz Tirol in Zukunft auch zuhause durchgeführt werden, teilte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Freitag mit. Alle 40 am Freitag am Virologischen Institut untersuchten Testergebnisse waren indes negativ.

Oberösterreich weitet unterdessen seine Corona-Tests aus. Derzeit gibt es „eine zweistellige Zahl“ an Verdachtsfällen, verteilt auf das ganze Land. Das Land Kärnten verlängerte das ursprünglich bis Sonntag geltende Verbot von Schüleraustauschprogrammen mit Friaul-Julisch-Venetien und Veneto bis auf Weiteres.

Das Coronavirus könnte sich in Zukunft wie Influenza-Viren dauerhaft etablieren. „Es ist nicht anzunehmen, dass SARS-CoV-2 völlig verschwinden wird“, sagte Heinz Burgmann, Leiter der klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin an der MedUni Wien, im Gespräch mit der APA. Noch sind jegliche Szenarien über den weiteren Verlauf Spekulation, warnte der Experte.

Die EU-Gesundheitsminister kommen am 6. März wegen der Ausbreitung des Coronavirus zu einer Sondersitzung zusammen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet damit, dass es in einigen Wochen erste Ergebnisse zu Impfstoffen und Medikamenten gegen das neuartige Coronavirus gibt. Derzeit seien weltweit mehr als zwanzig Impfstoffe in der Entwicklung, sagt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Seit dem 31. Dezember 2019 wurden 83.365 Fälle von COVID-19 (gemäß den in den betroffenen Ländern geltenden Falldefinitionen) gemeldet. Bis zum 28. Februar wurden 2.857 Todesfälle aus China registriert, 26 aus dem Iran, 17 aus Italien sowie 13 aus Südkorea, berichtete die Europäische Behörde ECDC zu Covid-19. Zwei Tote gab es bisher in Frankreich.


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