Stiftungsprofessur als Rezept, Medical School liegt „auf Eis“

Land, Med-Uni und Gesundheitskasse wollen der Allgemeinmedizin neuen Schub geben. LH Platter: Keine offenen Kassenstellen mehr ab 2025.

Die Stiftungsprofessur – ein Meilenstein, sagten sie alle: Arno Melitopulos-Daum (ÖGK), LR Bernhard Tilg, LH Günther Platter, Wolfgang Fleischhacker (Rektor Med-Uni) und Peter Loidl (Vizerektor; v. l.)
© Land Tirol

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Es sei die Kunst, all jene, die in die Allgemeinmedizin gehen wollen, nicht während des Studiums zu verlieren. Das sagt nicht die Politik. Das ist der unwidersprochene Befund des für Lehre zuständigen Vizerektors an der Medizinischen Universität Innsbruck, Peter Loidl. Das Thema Haus- und Landarztmangel ist nicht neu. Die Zahlen seien das eine, sagte gestern LH Günther Platter (VP). Von 321 allgemeinmedizinischen Kassenstellen seien aktuell sechs nicht besetzt. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung sei aber eine andere: „Gerade wenn in einem Tal eine Stelle aber einmal nicht besetzt werden kann, dann ist die Aufregung groß.“ Auch das sei verständlich.

Die hausärztliche Versorgung flächendeckend in Tirol sicherstellen – das ist das erklärte Ziel von Land, Med-Uni und Sozialversicherungen. Schaffen will man das nun auch durch eine Attraktivierung der Ausbildungsschiene. So wurde gestern die Finanzierung einer Stiftungsprofessur für Allgemeinmedizin an der Med-Uni präsentiert. Sie soll künftig das bereits 2019 gegründete Institut für Allgemeinmedizin leiten. Das Land lässt in der Anfangsphase für den Lehrstuhl 100.000 Euro, die Gesundheitskasse (ÖGK) für Institutsmitarbeiter rund 60.000 Euro springen, rechnete ÖGK-Landesstellenleiter Arno Melitopulos-Daum vor.

Wir warten die Situation ab. Vorerst ist die Medical School auf Eis gelegt.
Günther Platter (Landeshauptmann, ÖVP)

Die Ausschreibung der Professur werde bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen, so Med-Uni-Rektor Wolfgang Fleischhacker, bis zum Wintersemester 2020/21 wolle man sie besetzen.

Noch in Vorbereitung und ab 2021 Realität soll das Angebot eines Ergänzungs- und Erweiterungsstudiums für Allgemeinmedizin sein. Dieses wird in das bestehende Diplomstudium Humanmedizin eingebettet, so Loidl. Das neue Institut könne hier nötige Ressourcen liefern. Zusätzliche Studienplätze würden durch all dies aber nicht geschaffen, bekräftigte das Rektoren-Duo.

Für Platter liegt damit die politische Vorgabe im Bereich der Allgemeinmedizin in Tirol auf der Hand: „In den nächsten fünf Jahren müssen auch jene Stellen zu besetzen sein, die es jetzt noch nicht sind.“

Die Bereitschaftsdienste müssen auf mehrere Schultern verteilt werden.
Bernhard Tilg (Gesundheitslandesrat)

Was auch die Attraktivierung des Allgemeinmediziners im Berufsalltag betrifft, verweist Melitopulos-Daum auf ein bestehendes „Gesamtpaket“. Dazu gehöre laut Tilg auch das von der Bundesregierung paktierte „Landarzt-Stipendium“. Zudem arbeite das Land noch an einem Konzept, wie Bereitschaftsdienste aufgeteilt werden könnten.

„Auf Eis gelegt“ ist damit laut Platter vorerst die Idee einer eigenen „Medical School“ in Tirol. Im Regierungsprogramm des Bundes sei vieles davon vorweggenommen worden, sagt Gesundheits-landesrat Bernhard Tilg (VP): „Da sind viele Eckpfeiler, die wir für die Medical School vorgesehen hatten, bereits verankert.“ Tirol wolle abwarten, wie der Bund das alles nun angehe. Nicht so in Südtirol: Dort bringt die Liste Köllensperger im März-Landtag den Antrag ein, in Sachen Medical School jetzt den Alleingang zu wagen.

Die Kunst ist, jene, die in die Allgemeinmedizin gehen wollen, nicht zu verlieren.
Peter Loidl (Vizerektor Med-Uni Innsbruck)

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