Grazer und Mürztalerin positiv auf Coronavirus getestet

In der Steiermark sind am Montag zwei weitere Personen auf das Coronavirus positiv getestet worden, wie das Land Steiermark am Abend mitteilte. Damit gibt es in der Steiermark nunmehr drei Fälle. Es handelt sich bei den Neuinfektionen um einen 43 Jahre alten Grazer und eine 59-jährige Frau aus dem Mürztal.

Nachdem am Montagvormittag in Wien eine weitere Neu-Infektion mit dem Coronavirus bekannt wurde, gab es am späten Nachmittag auch in der Steiermark ein positives Testergebnis. Ein 43-jähriger Grazer wurde auf dem Weg ins Krankenhaus bereits im Rettungswagen getestet und aufgrund der Verdachtslage gleich wieder nach Hause gebracht. „Da auch in seinem Fall die Erkrankung einen milden Verlauf aufweist, wurde er nach Vorliegen des positiven Testergebnisses zu Hause unter Quarantäne gestellt“, sagte Landessanitätsdirektorin Ilse Groß.

Am Abend wurde ein weiterer Fall bekannt: Eine 59-jährige Mürztalerin wurde bei sich zuhause unter Quarantäne gestellt. Die Frau hatte sich zuvor in Oberitalien auf einer Urlaubsreise befunden, wie der APA mitgeteilt wurde.

Der Grazer dürfte Kontakt zur ersten steirischen Corona-Patientin gehabt haben. Nähere Details werde die Landessanitätsdirektion am Dienstag bekanntgeben. Für Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) sind die schnelle Identifizierung von Coronavirus-Verdachtsfällen, die frühe Diagnose, eine rasch erfolgende Quarantäne und die allfällige Kontaktpersonen-Nachverfolgung die entscheidenden Maßnahmen im Kampf gegen das Virus. „Wir verstärken deshalb auch die personellen und finanziellen Ressourcen in allen dafür relevanten Bereichen“, sagte die Landesrätin.

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Rund 350 Personen befinden sich in behördlicher Absonderung, sagte Franz Lang, stv. Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, bei einem Pressegespräch des Einsatzstabes im Innenministerium. „Das heißt nicht, dass sie erkrankt sind“, betonte Lang. Die Betroffenen sind in engerem Kontakt mit Patienten gewesen, in den allermeisten Fällen befinden sie sich in Heimquarantäne, die in auch polizeilich überwacht wird. Alle seien aber „sehr, sehr kooperativ“, sagte Lang. Auch die „Selbstversorgung“ mit Hilfe des Umfelds laufe sehr gut, es habe noch keiner behördlichen Unterstützung bedurft, wiewohl diese vorbereitet gewesen wäre.

Todesfälle gab es in Österreich im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 keine, berichtete Brigitte Zarfl vom Gesundheitsministerium. Der überwiegende Teil der Infektionen nehme einen leichten Verlauf, als schwer gelte hingegen die Erkrankung eines 72-Jährigen, der seit geraumer Zeit im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital auf der Intensivstation behandelt wird. Wo sich der Anwalt angesteckt hat, war weiter unklar, er ist nicht ansprechbar.

Für die angelaufene Informationskampagne zur Aufklärung der Bevölkerung ortete Zarfl großen Zuspruch. Wer Coronavirus-Symptome aufweist oder befürchtet, erkrankt zu sein, soll sich an die Telefonnummer 1450 wenden. Dort gab es am Wochenende täglich „rund 2.000 Anrufe“. Parallel dazu gibt es die Informations-Hotline der AGES unter der Telefonnummer 0800 555 621. Auch hier gab es am Wochenende täglich rund 2.000 Anrufer. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) laboriert laut seinem Büro an einer Halsentzündung, die für Montag ursprünglich angesetzte Pressekonferenz im Gesundheitsministerium wurde daher abgesagt.

Bisher wurden 2.120 Testungen in Österreich durchgeführt. Die Labor-Kapazitäten sollen erhöht werden. Neue Tests, die in rund zwei Wochen zur Verfügung stehen könnten, sollen „innerhalb einer Stunde oder noch kürzer“ Ergebnisse liefern, sagte Zarfl.

Mehrere Mädchen einer Volksschule in Wien-Leopoldstadt befinden sich in häuslicher Quarantäne und dürfen vorerst nicht am Unterricht teilnehmen. Sie hatten Kontakt zu einem Robotik-Trainer, der sich - wie seit Sonntag feststeht - mit dem Corona-Virus infiziert hat und in der vergangenen Woche einen Workshop veranstaltet hat. Bei der gesetzten Maßnahme handle es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es seitens des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV). Der Schulbetrieb bleibt bis auf Weiteres aufrecht. Die davon ausgeschlossenen Mädchen zeigen vorerst keine Symptome, die auf eine Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus hindeuten, meinte Andreas Huber, der Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien.

Die Stadt Wien hat einen Pavillon des ehemaligen Geriatriezentrums „Am Wienerwald“ zur Betreuung von positiv getesteten Patienten, die nicht in häusliche Quarantäne können, etwa Touristen, in Betrieb genommen. In Salzburg wurden 18 Mitarbeiter zweier Hotels in häusliche Quarantäne geschickt. Zuvor war bekannt geworden, dass sich ein mittlerweile erkrankter Mann aus Deutschland von 26. bis 28. Februar in den beiden Häusern aufgehalten hatte. In Graz wurde die Polizeiinspektion Jakomini in der Conrad-von-Hötzendorfstraße vorübergehend teilweise gesperrt, nachdem ein Mann mit Verdacht auf Coronavirus dort vorstellig geworden war. Die Örtlichkeit wurde desinfiziert. Im Grazer Straflandesgericht soll ab Montagnachmittag bei den Eingangskontrollen Fieber gemessen werden, um zu verhindern, dass Besucher Insassen infizieren.

Weil die Nachfrage nach Italien-Flügen wegen des Coronavirus stark gesunken ist, streichen die Austrian Airlines im März und April 40 Prozent ihres Italien-Angebots. Flüge nach China werden bis 24. April 2020 ausgesetzt, der Iran wird bis zum 30. April nicht angeflogen, teilte die AUA mit. In Italien sind die Strecken von Wien nach Mailand, Venedig, Bologna, Florenz, Rom und Neapel betroffen, in China die Destinationen Peking und Shanghai. Zuletzt waren die Flüge nach Peking, Shanghai und Teheran bis zum 28. März ausgesetzt worden.

Wer sich in ein vom Coronavirus besonders stark betroffenes Gebiet begibt, geht womöglich nicht nur ein Gesundheits-, sondern auch ein finanzielles Risiko ein, warnte das Außenministerium, das die bestehenden Reisewarnungen (Sicherheitsstufe 5) für die Lombardei, Teile Venetiens und die chinesische Provinz Hubei auf mehrere Provinzen im Iran - betroffen sind unter anderem die Städte Teheran und Ghom - und Teile Südkoreas - darunter die Millionen-Städte Daegu in der Provinz Gyeongsangbuk-do und Incheon mit dem internationalen Flughafen Incheon International Airport - ausgedehnt hat. Sollte für jemanden eine Rückholaktion erforderlich werden, der sich ohne Notwendigkeit über eine partielle Reisewarnung hinweggesetzt hat, kann eine Kostenbeteiligung von bis zu 25.000 Euro auferlegt werden.

Einige Universitäten haben Mitarbeiter und Studenten, die eine vom Coronavirus besonders betroffene Region bereist haben, dazu aufgefordert, nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet nicht an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. An der Uni Innsbruck sollen etwa Betroffene nach der Rückkehr aus einem von der WHO benannten Risikogebiete dem Arbeitsplatz zwei Wochen lang fernbleiben.

So rief zum Beispiel die Uni Wien Hochschul-Angehörige, die Symptome des Virus zeigen, in einem Risikogebiet laut Reisewarnungen des Außenministeriums waren oder Kontakt mit Erkrankten hatten, zum Fernbleiben auf. Wenn Studenten im Zusammenhang mit Corona nicht an Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht teilnehmen können, sei aufgrund „der besonderen Situation kulant vorzugehen“ und nicht auf Krankenbestätigungen zu bestehen. So heißt es in einem Rundschreiben, das im Laufe des Nachmittags an alle Studentinnen und Studenten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen soll. Außerdem können Mitarbeiter mit Betreuungspflichten im Anlassfall wie der Schließung einer Schule zu Hause bleiben.


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