Basistunnel könnte erst 2030 starten: Bauprogramm wird angepasst

Zuletzt verdichteten sich die Hinweise, dass sich die Eröffnung des Brennerbasistunnels um zwei Jahre verzögern könnte. Verzögerungen beim größten Baulos des Brennertunnels lassen Fertigstellung 2028 wackeln.

© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Probleme beim größten Baulos Pfons-Brenner könnten die Fertigstellung des Brennerbasistunnels verzögern. Geplant wäre sie Ende 2028. Nach einem eineinhalbjährigen Rechtsstreit um die Vergabe des Bauloses mit 52 Kilometern Länge (Haupt-, Probe- und Zufahrtsstollen) und Kostenvon 966 Millionen Euro wurden die Arbeiten im Juli 2019 aufgenommen. Doch seit Monaten gibt es erneut Differenzen zwischen der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE und dem Generalunternehmer für den Vortrieb. Sie betreffen die Außenschalen der Tunnelröhren, die so genannten Tübbinge.

Aus der Sicht der Baufirma sind die ausgeschriebenen Bauteile statisch zu schwach, die BBT SE verneint dies. Gutachter wurden beauftragt, es gibt unterschiedliche Sichtweisen dazu. Bei den Außenschalen geht es nicht nur um mögliche Verzögerungen, sondern auch ums Geld – um bis zu 100 Millionen Euro. Eigentlich hätte die Frage bis Februar gelöst sein sollen, wie es aus Kreisen des Aufsichtsrats heißt. Doch offenbar droht jetzt sogar ein Rechtsstreit. Deshalb wird mit einer Bauverzögerung und einer Inbetriebnahme erst 2030 gerechnet.

Der Projektablauf wird derzeit jedenfalls evaluiert. Wie die BBT-Vorstände Martin Gradnitzer und Gilberto Cardola zuletzt in einem TT-Interview angekündigt haben, werde das Bauprogramm in der Aufsichtsratssitzung Mitte 2020 aktualisiert. Letztmalig sei im Jänner 2019 in den Gremien ein Bauprogramm freigegeben worden, das einen Inbetriebnahmetermin im Dezember 2028 vorsehe.

Turbulente Zeiten

Mit dem Vorstandswechsel im Vorjahr hat die Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE turbulente Zeiten hinter sich. Der damalige italienische Tunnelvorstand Raffaele Zurlo torpedierte beinahe jede Entscheidung. Im Interesse des größten Eisenbahntunnelprojekts der Welt zog sich daraufhin der österreichische Vorstand Konrad Bergmeister zurück, Zurlo wurde von den italienischen Staatsbahnen abgezogen. Seit Herbst leiten Martin Gradnitzer und Gilberto Cardola die Basistunnelgesellschaft.

Bisher ist eine Inbetriebnahme des Tunnels für Dezember 2028 vorgesehen. „In ihrem ersten gemeinsamen Interview für die TT Mitte Februar erklärten sie, dass der Projektablauf für den 56 Kilometer langen Brennerbasistunnel aktualisiert werde. In diesem sind die Zeiträume für die Projektierungen und die Bauabläufe der Rohbauwerke sowie die Dauer für die bahntechnische Ausrüstung enthalten. Die Projektlaufzeit von der Planung bis zur Umsetzung eines Großprojekts in der Dimension des Brennerbasistunnels hängt von sehr vielen Faktoren ab, die oft nicht exakt planbar sind“, betonen die beiden BBT-Vorstände.

Kritik am EU-Tunnelkoordinator

Probleme beim größten Baulos „Pfons-Brenner“ könnten den Zeitplan für das aktuell mit 9,3 Milliarden Euro bezifferte Vorhaben aber heftig ins Wanken bringen, der Termin für die Fertigstellung dürfte zur Jahresmitte wohl nach hinten verlegt werden. 2028 gilt als nicht mehr zu halten, vielmehr ist von 2030 die Rede.

Das Baulos „Pfons-Brenner“ beschäftigt schon seit Jahren den BBT-Aufsichtsrat, nach dem Rechtsstreit um die Vergabe droht ein neuer um die Außenschalen für die Tunnelröhren. Es geht um ihre Stärke und um 100 Millionen Euro. Eine Einigung zwischen BBT SE und dem Generalunternehmer für den Tunnelabschnitt, der die ausgeschriebenen Schalen als statisch zu schwach bezeichnet, ist vorerst nicht in Sicht. Deshalb könnte es zu einer rechtlichen Auseinandersetzung kommen, schon jetzt hinkt man dem Zeitplan hinterher.

Bei den Zulaufstrecken wächst indes die Kritik am EU-Tunnelkoordinator Pat Cox. Er wird in die Pflicht genommen, um mit der EU-Kommission vor allem Druck auf Deutschland auszuüben. In unserem Nachbarland geht man ohnehin davon aus, dass vor 2050 der Bahnausbau im bayerischen Inntal nicht fertig sein wird.

Im Landkreis Rosenheim kommt man derzeit keinen Schritt weiter, wie das Protokoll des jüngsten Regionalforums vom 3. Februar mit den Bürgermeistern und Entscheidungsträgern zeigt. Die Bürgermeister fordern eine unterirdische Tunnellösung und legen sich gegen „martialische“ oberirdische Bauwerke quer. Die Trassenfindung dürfte deshalb wohl noch Jahre dauern. (pn)


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