Coronavirus: Hotel Europa in Innsbruck sucht die Normalität

Im Grand Hotel Europa in Innsbruck warten drei Personen auf das Ende der Quarantäne am kommenden Sonntag.

Am Dienstag vergangener Woche konnten neue Gäste nicht im Hotel Europa einchecken.
© Thomas Böhm

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Das Essen bekommen sie derzeit vor ihre Zimmertüren geliefert. Und zweimal täglich kontrolliert ein Polizist unangekündigt, ob sie sich an die strengen Auflagen halten. Die Rede ist von jenen drei Personen, die sich seit Dienstag der Vorwoche im Grand Hotel Europa in Innsbruck in Quarantäne befinden. Wie berichtet, war bei einer Mitarbeiterin des Hotels nach einem Italien-Aufenthalt das Virus festgestellt worden. Über neun Kontaktpersonen – Angestellte des Hotels – wurde die Quarantäne verhängt, sechs harren seitdem zu Hause aus, drei direkt im Hotel. Bei ihnen allen waren die Testergebnisse negativ ausgefallen – kein Coronavirus.

„Wir haben eine WhatsApp-Gruppe eröffnet und organisieren so die Versorgung“, berichtet eine der Betroffenen, die ihr Hotelzimmer nicht verlassen darf und anonym bleiben möchte. So sorgen die Arbeitskollegen dafür, dass nicht nur die drei im Hotel, sondern auch die alleine Lebenden zu Hause das Notwendigste geliefert bekommen.

Die Situation vorige Woche habe das Hotel, die Gäste und die Mitarbeiter hart getroffen. Zwar habe man nach den ersten Meldungen und den Beschreibungen vermutet, dass es sich bei der Corona-Erkrankten um eine Mitarbeiterin des Hauses handeln könnte. Als Ärzte und Polizei dann aber plötzlich im Hotel auftauchten, habe große Unsicherheit geherrscht. „Auf dem Papier heißt es immer, dass wir vorbereitet sind. Aber wenn der Fall dann tatsächlich eintritt, ist das schon noch einmal etwas anderes“, meint die Mitarbeiterin. Sie und die anderen in Quarantäne müssen am Sonntag noch zweimal getestet werden, ehe die Maßnahme aufgehoben werden kann. Gute Neuigkeiten gibt es außerdem von der 24-jährigen erkrankten Hotelmitarbeiterin und ihrem Partner: Sie dürften voraussichtlich morgen die Klinik verlassen.

Seitens der Hotelführung ist man derzeit bemüht, wieder Normalität einkehren zu lassen. Man sei sich bewusst, dass das Haus noch länger mit dem ersten Corona-Fall Österreichs in Verbindung gebracht wird. Sämtliche Räume, in denen sich die besagte Mitarbeiterin aufgehalten hat, seien zweimal desinfiziert worden. Auch die Mitarbeiter seien dabei, sich von der Aufregung zu erholen. Der Schaden für das Hotel ist allerdings enorm: „Durch den Vorfall wurden für März 2020 fast alle Reservierungen und einige Events storniert und unserem Betrieb entstand ein Schaden von circa 250.000 Euro“, heißt es. Dabei bestehe keinerlei Gefahr, Gäste seien herzlich willkommen. Das Hotel sei am Dienstag vergangener Woche bereits gegen 23 Uhr wieder freigegeben worden.

Dass ein Mitarbeiter zuvor noch während einer Live-Schaltung im TV zu sehen war, wie er im Hintergrund auf einem Roller das gesperrte Hotel verlässt, ist laut Hotelführung einfach zu erklären: An jenem Abend wurde das Personal, das zwei Tage zuvor mit der Corona-Erkrankten im Dienst war, ins Hotel bestellt und dort getestet. Anschließend durften diese Mitarbeiter wieder nach Hause, sofern sie nicht als enge Kontaktpersonen geführt wurden.

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