Weitere Coronavirus-Infektionen in Österreich

In Österreich hat es mit Stand Dienstagnachmittag laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) „21 plus drei“ Personen gegeben, die nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert waren. 21 Infektionen waren offiziell bestätigt, drei weitere Fälle die im Unternehmen eines schwer erkrankten Juristen wurden bekannt. Die behördlichen Bestätigung-Tests waren am Dienstag noch ausständig.

Warum diese nicht bereits zuvor erfolgten, blieb unklar. Derartige Untersuchungen könne „jeder Privatmensch auf private Kosten in Auftrag geben“, sagte Anschober. „Wir warten die Bestätigung ab“, sagte Michael Binder, der medizinische Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV). Dann soll die Frage nach dem Warum geklärt werden. Österreich ist bei den bisherigen Erkrankungsfällen „relativ stabil“, sagte Anschober.

Binder betonte, dass unklar ist, wie viele Personen in Österreich tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert sind. „Derzeit können wir es nicht sagen. Wir wissen aber, dass nur ganz wenige Menschen mit symptomhafter Coronavirus-Erkrankung bekannt sind“, sagte Binder. Er ging davon aus, „dass nur eine kleine Menge mit nicht erkannter Coronavirus-Erkrankung derzeit vorhanden ist“.

Die drei Mitarbeiter in dem Unternehmen des erkrankten Wiener Juristen „zeigen keine Symptome einer Erkrankung und wurden sofort in häusliche Quarantäne gestellt“, teilte die betroffene Großkanzlei Wolf Theiss mit. Nachdem feststand, dass sich der Anwalt mit dem Sars-CoV-2-Erreger infiziert hat, wurden alle Mitarbeiter privat von einem deutschen virologischen Institut getestet, ohne Anordnung der Behörden, sagte Barbara Fürchtegott, Sprecherin der Kanzlei.

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Die drei Erkrankten - eine ehemalige Mitarbeiterin, die am Montag am Landesgericht für Strafsachen als Praktikantin begann, und zwei Anwälte - wurden nach Bekanntwerden der Testergebnisse auch von den heimischen Behörden untersucht und vom Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) in häusliche Absonderung geschickt. Alle drei waren am Dienstag zu Hause geblieben.

Am Wiener Landesgericht wurde eine Hauptverhandlung abberaumt. Nach menschlichem Ermessen sei dort keine Ansteckungsgefahr gegeben, teilte das Justizministerium mit. „Die Kollegin zeigt bisher keinerlei Symptome. Insbesondere leidet sie nicht unter Husten oder anderen respiratorischen Symptomen. Das bedeutet, dass das Risiko der Übertragung ausgesprochen gering ist“, betonte Christina Ratz, Ressortmediensprecherin des Justizministeriums. „Es besteht keine Ansteckungsgefahr, sofern mit der Kollegin kein enger körperlicher Kontakt wie Händeschütteln oder mehr als 15-minütiges Gespräch im Abstand von weniger als zwei Metern stattgefunden hat“, erläuterte Ratz.

Von den bisher untersuchten Mitarbeitern der Kanzlei waren über 200 Tests negativ, Mitarbeiter, die noch kein Ergebnis in Händen haben, arbeiten vorerst im Homeoffice. Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien will nun die Ergebnisse der heute abgenommenen Proben der drei Mitarbeiter abwarten. Dann soll entschieden werden, ob auch die restlichen Kanzleikräfte offiziell getestet werden, sagte Andreas Huber, Sprecher des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien.

In Wien waren zuvor zwei weitere Fälle bekannt geworden. Es handelt sich zum einen um ein Paar aus Wien, das sich nach einem Italien-Aufenthalt bei den Behörden meldete. Die Betroffenen sind „mit leichterer Symptomatik in häusliche Absonderung an ihrer Wohnadresse“ genommen worden seien, so Huber. Auch in Niederösterreich wurde ein weiterer Fall bekannt.

Laut Gesundheitsministerium gab es damit 21 offiziell bestätigte Erkrankungsfälle in ganz Österreich: elf in Wien, drei in Niederösterreich, zwei in Tirol, weitere zwei in Salzburg und drei in der Steiermark. 2.683 Tests wurden bisher durchgeführt. Weiterhin befinden sich rund 350 Menschen in Quarantäne. Meist handelt es sich dabei um Personen, die engen Kontakt mit am neuartigen Coronavirus Erkrankten hatten und als Vorsichtsmaßnahme auf behördliche Anweisung abgesondert wurden.

„Ich appelliere daran, die Geduld zu haben. Wir haben eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen. Unser Grundkonzept ist die Ausbreitung auf Basis des jeweiligen Erkrankungsfalles und des Umfelds zu unterbinden“, sagte Anschober. Er habe den Eindruck, dass die meisten Betroffenen geduldig seien.

Auf dem Flughafen Wien in Schwechat wurden indes wieder Fiebertests aufgenommen. Gescannt werden Passagiere von Direktverbindungen aus dem Iran und Südkorea, teilte die niederösterreichische Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner vor Journalisten in St. Pölten mit. Jeder Fluggast werde auch eine Aussteigekarte (Passenger Locator Card) mit entsprechenden Angaben ausfüllen müssen. Von den Fiebertests sind nach Angaben des Airports Passagiere von fünf Flügen pro Woche betroffen.


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