Bahntrasse in Langkampfen: Nach der Planung ist vor der Planung

Die Bahnpläne in Langkampfen sollen geändert werden. Wie die Trasse im Osten der Gemeinde aussehen wird, hängt allerdings von den Vorhaben in Bayern ab. Das Warten könnte für die Langkampfner unfein werden.

Etwa 100 Langkampfner protestierten bei der Gemeinderatssitzung an Dienstagabend gegen die Abänderung der Bahnpläne im Bereich Au. Das Gremiu­m entschied mit 14 Stimmen (eine Enthaltung) dafür.
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Von Jasmine Hrdina

Langkampfen – Turbulent war der Weg bis zum Gemeinderatsbeschluss am Dienstagabend für die Abänderungen der Langkampfner Bahnplän­e. Trotz Zwischenrufen und rund 100 anwesenden Kritikern im Raum stimmten die Gemeindevertreter letztlich doch für die umstrittene Variante. „Dank­e, Bürgermeister, du hast uns die Zukunft versaut“, musste BM Andreas Ehren­strasser für diese einstimmige (eine Enthaltung) Entscheidung drei jungen Mädchen gegenüber geradestehen. Dabei steht noch nicht fest, was genau auf die Anrainer im Bereich Morsbach, Au und Schaftena­u zukommt.

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Die bekämpfte Wanne ist derzeit nämlich (noch) nicht Teil der Umweltverträglichkeitsverhandlungen. In den eingereichten Plänen mussten die ÖBB aus rechtlichen Gründen die Strecke bereits definieren. „Wir haben daher eine Annahme getroffen, die plausibel, verkehrswirksam und umweltverträglich ist“, teilt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair auf Nachfrage der TT mit. Beschlossene Sache ist die „Wanne Schaftena­u“ mit dem nunmehr 800 Meter weiter östlich verlaufenden Tunnelportal damit nicht. BM Ehrenstrasser ortet darin eine „mögliche Chance für eine geringfügig bessere Veränderung“. Den Planungsspielraum will man bei den ÖBB allerdings nicht näher definieren, „um keine falschen Hoffnungen zu wecke­n“.

Dass das Tunnelportal doch weiter westlich errichtet wird, erwartet Ehrenstrasser nicht. „Denkbar wäre vielleicht eine frühere Absenkung der Wanne. Ich bin kein Planer und will keine falschen Hoffnungen wecken“, hält sich auch er mit Prognosen zurück.

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Während die ÖBB aufs Gaspedal treten und keine „weitere Verzögerung“ in Langkampfen in Kauf nehmen wollen, gleicht die Fahrgeschwindigkeit der Deutschen Bahn in Sachen Zulauf zum Brennerbasistunnel (BBT) jener eines Bummelzugs. Fünf Varianten zum Gleisausbau stehen in Rosenheim zur Debatte, auch dort gibt es, wie berichtet, mächtig Gegenwind von mehreren Bürgerinitiativen.

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Während der BBT 2030 eröffnet werden soll, ist die Inbetriebnahme der Zulauf­strecke in Bayern erst für 2038 geplant. Das könnte ausgerechnet für die im Osten von Langkampfen angesiedelten Anrainer unangenehm werden: Die Züge auf der Neubaustrecke im Unterinntal sollen bereits ab 2032 rollen – und dann in vermehrter Zahl. Bis dahin könnte der umstrittene Bereich „Wanne Schaften­au“ aber noch nicht existent sein. Die Güter­züge müssten dann auf der Bestandsstrecke fahren – leise wäre das sicher nicht. Einzige Hoffnung: Deutschland wird früher mit den Planungen fertig und die ÖBB können die Zulauf-Strecke in Langkampfen ehestmöglich fertig stellen.

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Warum stressen die ÖBB dann überhaupt so? Man hab­e sich an Zeitpläne zu halten, erklärt Gasser-Mair, außerdem verzögere sich sonst die durch den Neubau herbeigeführte Entlastung für die Gemeinden Kirchbichl, Wörgl, und Kundl. „Für die Langkampfner gelten dieselben Grundsätze wie für alle anderen Gemeindebürger an der Nordzulaufstrecke zum BBT“, betont der Sprecher und schließt mit dem Hinweis auf einstimmige Gemeinderatsbeschlüsse: „Wir haben in monatelanger guter Zusammenarbeit mit den Gemeinden Langkampfen und Angath Alternativen entwickelt, die in beiden Gemeinden stark bestätigt wurden.“

„Nächster Halt: Detailplanung“ heißt es derweil in Langkampfen. Es gilt, Wege und Zufahrten neu zu errichten oder zu verlegen. So sei ein Zugang zum neuen Bahnhof für Fußgänger im Gewerbegebiet angedacht – dazu müssten erst einige Unternehmen als Grundeigentümer zustimmen, erklärt der Bürgermeister.

Im Bereich Egerer Boden würde die Verlegung eines Privatweges eine größer­e Schüttung ermöglichen, „damit könnte noch mehr Lärm von der Autobahn abgeschirmt werden“, so BM Ehren­strasser.

Die Kosten für solche „Details“ muss übrigens die Gemeinde tragen. Ehrenstrasser: „Wir hoffen auf viele Synergieeffekte.“ Angedacht sei etwa, das Material aus dem Angather Tunnel für die Aufschüttung im Bereich Egerer Siedlung zu verwenden.


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